Scheidung bei Unternehmern – eine heikle Angelegenheit

Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2014 insgesamt mehr als 166.000 Ehen geschiedenen. Da ist es nicht verwunderlich, dass unter den Scheidungen auch die eine oder andere Unternehmerehe zu finden ist. Trennt sich ein Paar, bei dem keiner der beiden Selbständig ist, müssen dabei „nur“ Vereinbarungen über die Aufteilung der gemeinsamen Güter, einen eventuellen Unterhalt und über das Sorgerecht für die Kinder getroffen werden. In den seltensten Fällen hat eine Scheidung dabei Einfluss auf den beruflichen Bereich.



Bei Unternehmerehen – egal, ob nur einer der beiden einen Betrieb leitet oder beide sogar gemeinsam ein Unternehmen führen – stellt sich eine Scheidung schwieriger dar, denn die Trennung kann auch schwerwiegende Folgen für das Unternehmen nach sich ziehen.

Lesen Sie in unserem Artikel mehr darüber, wie Sie mit einer solchen Situation umgehen können, welchen Problemen bereits im Vorfeld entgegengewirkt werden kann und wie mögliche Szenarien nach der Trennung aussehen.




Auch wenn zu Beginn alles wunderbar ist – schon vor der Heirat an die Trennung denken

Egal, ob „normale“ oder „Unternehmerehe“ – ein Ehevertrag ist immer sinnvoll und kann im Falle einer Scheidung dazu beitragen, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung hervorzubringen. Wird von einem der beiden ein Betrieb geleitet – oder sogar gemeinsam ein Familienunternehmen betrieben – sollten entsprechende Verträge (zum Beispiel zur Gütertrennung oder zum Zugewinnausgleich) im Rahmen des Ehevertrags vom Rechtsanwalt formuliert werden, damit eine Scheidung die Existenz des Unternehmens nicht bedroht. Ein Ehevertrag kann individuell gestaltet werden und ist jederzeit änderbar. Der wahrscheinlich wichtigste Punkt eines Ehevertrags ist die Klärung der Güterstände. Folgende Güterstände sind gebräuchlich:

  • Zugewinngemeinschaft: Hierbei muss im Falle einer Scheidung der Vermögenszuwachs seit der Heirat ausgeglichen werden. Dabei wird das Anfangsvermögen vor der Ehe, dem Endvermögen zum Zeitpunkt der Scheidung gegenübergestellt. Die Differenz ist der Zugewinn, der dem anderen zur Hälfte ausbezahlt werden muss.
  • Modifizierte Zugewinngemeinschaft: Bei dieser Form kann der Betrieb vertraglich vom Zugewinn ausgeschlossen werden, damit fließt im Falle einer Scheidung der Wert des Betriebs nicht in den Zugewinnausgleich ein.
  • Gütertrennung: Bei der Gütertrennung bleiben auch im Scheidungsfall die getrennten Vermögen erhalten – keiner muss dem anderen einen Ausgleich bezahlen.

Wie kommen beide Seiten bei Trennung am besten weg?

Sind bei einem gemeinsam geführten Betrieb die ehelichen Fronten so verhärtet, dass eine Scheidung unausweichlich ist, dann ist es in den meisten Fällen auch utopisch, sich rein sachlich mit dem Betrieb zu beschäftigen und diesen zusammen weiterzuführen. In seltenen Fällen gelingt dies – dann gibt es beruflich nichts weiter zu regeln und es läuft zumindest auf der geschäftlichen Ebene alles weiter, wie vor der privaten Trennung. Damit steht zuallererst die Frage im Raum, ob das Unternehmen zusammen weitergeführt werden kann. Wird der Betrieb nicht gemeinsam weitergeführt – und einer scheidet aus dem Unternehmen aus – dann müssen die Ausgleichsansprüche geregelt werden.

Betreibt nur einer der beiden eine Firma, dann steht dem Partner auch ein Zugewinnanspruch aus dem Betrieb des anderen zu – und das kann ganz schön teuer für den Unternehmensinhaber werden. Gerade bei diesen Ansprüchen kommt es sehr oft zu unterschiedlichen Ansichten und zu Streit.


Formen der beruflichen Trennung und deren mögliche Konsequenzen

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten – bei einem gemeinsamen Betrieb übernimmt entweder einer der Unternehmer den Betrieb und zahlt den anderen (im Rahmen der normalen Gütertrennung oder laut Ehevertrag) aus, oder der Betrieb wird verkauft und der Wert des Unternehmens wird wiederum nach den vereinbarten Vorgaben verteilt. Eine weitere Möglichkeit wäre zum Beispiel, dass der aus dem Unternehmen ausscheidende Partner in Zukunft als stiller Teilhaber bleibt und so an den Gewinnen mitverdient.

Besteht kein gemeinsamer Betrieb, dann kommt es darauf an, ob eine modifizierte Zugewinngemeinschaft oder Gütertrennung im Ehevertrag beschlossen wurde. Ist dies der Fall, dann hat der Ex-Partner keinen Anspruch auf einen Zugewinnausgleich aus dem Unternehmen. Besteht keine Gütertrennung oder kein Ehevertrag, dann kommt bei der Auflösung automatisch der Zugewinnausgleich zur Anwendung.

Im schlimmsten Fall kann es sonst durch hohe Ausgleichszahlungen dazu kommen, dass die Firma – obwohl es im Vorfeld nicht so geplant war – verkauft werden muss, um die Zahlungen zu ermöglichen. Fallen aber die Einnahmen weg, kann dem Partner auch kein Unterhalt mehr bezahlt werden, und ein möglicher sozialer Abstieg ist nicht unwahrscheinlich. Daher sollte – auch wenn man sich nichts mehr zu sagen hat – eine Lösung gefunden werden, die beiden Teilen auch in Zukunft den gewohnten Lebensstandard sichert.


Einer verlässt das Unternehmen – was gibt es zu beachten?

Bei einem gemeinsam geführten Unternehmen muss die Firmierung (Gesellschafter oder ähnliches) geändert werden, um die ausscheidende Person aus der Haftung zu nehmen. Sämtliche, gemeinsam geschlossenen Verträge (Mietvertrag für den Betrieb, Versicherungsverträge, Leasingverträge, Verträge mit Telekom, etc.) müssen ebenfalls schnellstmöglich an die neuen Gegebenheiten angepasst werden.

Im Privatbereich sollte darauf geachtet werden, dass der ehemalige Partner zum Beispiel bei Sachversicherungen (private Haftpflicht, Rechtsschutzversicherung, etc.) nicht mehr mitversichert ist, sondern nur noch der eigentliche Versicherungsnehmer. Der Ex-Partner muss somit neue Verträge abschließen, um entsprechend abgesichert zu sein. Wenn eine Familien-Krankenversicherung besteht, ist der Ex-Partner nur noch bis zu drei Monate nach der Scheidung mitversichert – auch hier muss eine eigene Krankenversicherung abgeschlossen werden. Im Bereich der Lebensversicherungen sollte das Bezugsrecht geändert werden. Eventuell gemeinsam angespartes Kapital bei Renten- oder Kapitalversicherungen sollte aufgeteilt werden.

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Weitere nützliche Hinweise:

  • Weiterführende Informationen zu den Güterständen finden Sie hier im Gabler Wirtschaftslexikon.
  • Einen hilfreichen Unterhaltsrechner finden Sie hier.
  • Mehr zum Thema Mediation bei Scheidungen finden Sie hier.
Lesen Sie auch unseren Artikel im PLUS zum Thema Ehevertrag.

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