Expatriates – Interkulturelle Trainings Teil 6

Im ersten Interview hat uns Herr Hain viele interessante Einblicke über die Hintergründe von kulturellen Unterschieden und damit verbunden über die Wichtigkeit von Interkulturellen Trainings gegeben. Im zweiten Teil erfahren Sie mehr über die Inhalte von Interkulturellen Trainings und über die Probleme in der Praxis.




Nachdem wir im ersten Teil viel über die kulturellen Unterschiede erfahren haben, möchten wir heute von Ihnen mehr über die Inhalte von Interkulturellen Trainings wissen. Und mit der ersten Frage steigen wir auch gleich ganz konkret in mögliche Probleme ein:


Herr Hain, was sind die typischen Stolperfallen im Ausland, die mit Hilfe eines interkulturellen Trainings vermieden werden können?

Eines der größten Probleme, mit dem man umgehen können muss, ist die unterschiedliche Auffassung von Pünktlichkeit. Damit zusammenhängend auch die Begrifflichkeiten rund um vereinbarte Zeiten – so sehen zum Beispiel Menschen in Südamerika einen Termin, der für 10 Uhr Vormittag vereinbart wurde, als späten Vormittag an. Das bedeutet für sie irgendwann zwischen 9.30 und 12.00 Uhr. Auch Verträge können Problempotenzial in sich bergen – denn in Deutschland bedeutet ein Vertrag die Grundlage einer Zusammenarbeit und ist somit „in Stein gemeißelt“. In anderen Gesellschaften ist ein Vertrag eher als Beginn der Zusammenarbeit zu sehen und kann bei Bedarf – zum Beispiel bei steigenden Rohstoffpreisen – durchaus angepasst oder verändert werden. Wenn nun der Deutsche auf Erfüllung des Vertrags und der Partner auf Veränderung plädiert, hilft nur eines: sachlich diskutieren und eine Lösung finden, die für beide Seiten akzeptabel ist, ohne das Gesicht zu verlieren.


Was genau soll mittels eines interkulturellen Trainings vor der Entsendung des Mitarbeiters erreicht werden und wodurch kann ein interkulturelles Training helfen, mögliche Probleme im Vorfeld zu verringern?

Erreicht werden sollte eine hohe Sensibilisierung für die neuen kulturellen Gegebenheiten, die Vermittlung von konkreten kulturellen Ausprägungen – aber auch, dass nicht alles kulturell bedingt ist, sondern vieles mit den Individuen an sich zusammenhängt. Wichtig ist auch, dass im Rahmen des Trainings klar gemacht wird, dass es mit Sicherheit zu Problemen kommen wird und wie man am besten damit umgeht, um bei Stress nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Interkulturelles Training trägt dazu bei, die Bewältigung von aufkommenden Problemen zu erleichtern.


Welche Unterstützung bieten Sie als Seminaranbieter an?

Der Hauptteil der Unterstützung fließt in eine umfangreiche Analyse von Gründen für die Entsendung – was ist das Ziel der Entsendung und wie kann dieses erreicht werden? Es gibt unterschiedliche Aufgaben, die Expats im Gastland erfüllen sollten – das kann der Vertrieb sein oder eine Teamleitung zu übernehmen, eine Gesellschaft abzuwickeln oder neu aufzubauen. Diese unterschiedlichen Tätigkeiten erfordern unterschiedliche Fähigkeiten, für die es gilt, situationsspezifische und lösungsorientierte Hilfestellungen aufzuzeigen. Eine optimale Begleitung beinhaltet die Schulung vor der Entsendung, ein begleitendes Coaching und eine Nachbetreuung nach dem Aufenthalt.


Welche Inhalte vermitteln Sie innerhalb Ihrer Seminare?

Die Inhalte sind vielfältig – im Vordergrund stehen folgende, landesspezifische Fragen: Wie kommunizieren die Menschen? Wie sind vor Ort Hierarchien aufgebaut? Wie wird die Arbeit organisiert? Wie, wann und wo finden Meetings statt und wie laufen diese ab? Wie sieht die Rolle des Mannes / der Frau im Gastland aus? Und nicht zu vergessen, eine der wichtigsten Fragen: Welche Art von Kommunikation hat welche Bedeutung? Darüber hinaus bieten wir in unseren Trainings noch Hilfestellungen zu spezifischen Fragen, die von den Teilnehmern selbst in Bezug auf Kultur und Gastland eingebracht werden.


Verhindert ein interkulturelles Vorbereitungstraining den Kulturschock vor Ort?

Nein, auch die beste Vorbereitung kann in gewissen Situationen einen „Kulturschock“ nicht verhindern. Interkulturelles Training kann diesen nur vermindern und helfen, mit der fremden Kultur besser umzugehen.

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In welchem Zeitraum vor der Entsendung sollte ein interkulturelles Training stattfinden, sodass der Entsendete bestmöglich vorbereitet ist?

Das ist unterschiedlich und hängt mit der Person und den individuellen Umständen zusammen. Aus der Erfahrung lässt sich jedoch sagen, dass das Training nicht zu kurz vor der Entsendung stattfinden sollte, um das Vermittelte noch einmal in Ruhe reflektieren zu können und die Entsendung auch bei Bedarf noch abgesagt werden kann. Zu früh ein Training zu absolvieren, ist auch nicht ideal – denn der Zeitpunkt der Entsendung ist noch viel zu weit weg und man hat den Kopf voll mit anderen Dingen, die nicht damit zusammenhängen. Das führt dazu, dass man sich einerseits noch nicht zu 100% auf das Training und die Inhalte einlässt und bis zur Entsendung auch womöglich wichtige Punkte schon wieder vergessen hat. Als Faustregel könnte man sagen, dass eine Schulung ca. drei Monate vor der Entsendung am zielführendsten ist. Unsere Trainings dauern in der Regel zwei Tage – manchmal nur ein paar Stunden und auch schon mal drei Tage. Weitet sich das Training auf die ganze Familie aus – was wie gesagt auch sehr sinnvoll ist – dauert es noch länger. Ein begleitendes Coaching während des Aufenthalts wäre für den Expat ideal – wird aber von den entsendenden Unternehmen selten in Anspruch genommen und beauftragt.


Kann ein interkulturelles Training den Mitarbeiter im Vorhinein vom geplanten Auslandseinsatz abbringen?

Ja, durchaus. im Rahmen des interkulturellen Trainings kann sich herauskristallisieren, dass der Mitarbeiter völlig andere Vorstellungen vom Gastland hat, für ihn persönlich zu tiefgreifende kulturelle Unterschiede herrschen oder er mit einer fremden Kultur generell nicht klarkommen würde. So ist zum Beispiel eine Entsendung einer homosexuellen Person in ein arabisches Land stark in Frage zu stellen oder von Frauen, die sich unter keinen Umständen in der Öffentlichkeit von der Kleidung her entsprechend anpassen würden.


Inwieweit soll oder muss man sich im Ausland anpassen und sich von der eigenen Kultur lösen?

Von der eigenen Kultur muss man sich eigentlich nicht lösen. Man ist und bleibt Deutscher und wird die kulturellen Eigenarten des Landes auch gar nicht zu stark annehmen können – denn die eigene Person wird von den Menschen im Gastland immer als Deutscher angesehen. Man sollte die fremde Kultur respektieren, sie versuchen zu verstehen und damit umzugehen.


Eine abschließende Frage noch, Herr Hain: Ist interkulturelles Training ein Garant für die erfolgreiche Integration im fremden Land?

Personen, die ein interkulturelles Training absolviert haben, gehen in der Regel mit Land und Leuten achtsamer und aufmerksamer um. Ein Training ist keine Garantie – hilft aber sehr und die meisten Entsendeten schaffen den Umgang mit den fremden Gegebenheiten ohne größere Probleme. Ein letztes Beispiel, das vor Augen führt, warum eine Information im Vorfeld sehr wichtig sein kann: In Deutschland herrscht bei der Zusammenarbeit eine „Informationsbringschuld“ – das bedeutet, Informationen werden unter Mitarbeitern automatisch an andere weitergegeben. In Indien ist das anders – dort gilt eine „Informationsholschuld“ – jeder muss sich also die für ihn wichtigen Informationen von sich aus besorgen. Ist man sich dessen nicht bewusst, wird man auf Informationen warten, diese aber ohne Eigeninitiative nicht erhalten.

Vielen Dank, Herr Hain, für dieses aufschlussreiche Gespräch! Wir sind sicher, dass unsere Leser damit einen hervorragenden Einblick in diese spannende Thematik der kulturellen Unterschiede erhalten haben und sich im Falle einer Entsendung für ein ausgedehntes Interkulturelles Training entscheiden werden.

Weitere Informationen zu ti communication GmbH: www.ticommunication.eu/de/

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