Weniger wegwerfen? Mehr wissen über Haltbarkeit von Lebensmitteln!

Serie - Gesunde Ernährung


Deutschland ist Verschwendungsmeister in Europa. Rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen bei uns jährlich auf dem Müll - mit einem Wert von 25 Milliarden Euro. Dabei sind viele Lebensmittel auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch essbar. Frankreich hat im Kampf gegen die Verschwendung einen Vorstoß gewagt: Große Supermärkte dürfen Lebensmittel nicht mehr wegwerfen, sondern müssen sie weiter verarbeiten, spenden oder zumindest kompostieren.

Umweltverbände loben das Gesetz, betonen aber auch, dass es  „nicht die Lösung des Problems" sei, da der Einzelhandel nur für einen kleinen Teil der Verschwendung verantwortlich sei. Einen Löwenanteil an Verantwortung tragen die Verbraucher mit der täglichen Ernährung. Lesen Sie wie Sie Produkte besser einkaufen und lagern, um kostbare Lebensmittel nicht verderben zu lassen.


Gruß aus der Tonne...

Die Fernsehzuschauer trauten ihren Augen nicht, als der Koch und Lebensmittel-Aktivist David Groß in Mülltonnen abtauchte und einen Berg noch verwendbarer Lebensmittel zu Tage förderte. Mit den aussortierten Produkten eines Supermarktes und den Wegwerfkandidaten aus den Kühlschränken in einer Wohnsiedlung kochte er dann zusammen mit einem Spitzenkoch ein fünfgängiges Menü̈ für die Bewohner. Mit originellen Ideen verfolgte das fünfteilige Roadmovie die Lebensmittelverschwendung in Europa.

Die Fakten sind erschütternd: 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel landeten 2014 weltweit auf dem Müll, davon könnte man 200 Millionen Menschen ein Jahr lang ernähren. 100 Millionen Tonnen wurden laut EU-Kommission nur in Europa verschwendet. Private Haushalte verursachen mit 42 Prozent einen Löwenanteil: Pro Kopf und Jahr werden rund 82 Kilo Lebensmittel weggeworfen! Lebensmittel-Aktivisten nennen fünf Ursachen für die massive Verschwendung:

  • das Mindesthaltbarkeitsdatum MHD
  • zu große Packungen im Handel
  • planloses Einkaufen
  • zu große Portionen in der Küche
  • schlecht gelagerte Lebensmittel

Das fatale Missverständnis Mindesthaltbarkeitsdatum

Als Dienst am Verbraucher kam das Mindesthaltbarkeitsdatum vor rund 30 Jahren zu den Vorschriften für die Lebensmittelkennzeichnung – bis Anfang der Achtzigerjahre konnte man alte von frischer Ware nur schwer unterscheiden. Seit 2014 gilt die Verordnung in der gesamten EU. In den USA zum Beispiel sitzt dagegen der Hersteller am längeren Hebel: Angaben zur Haltbarkeit sind, außer bei Säuglingsnahrung, nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern freiwillige Leistungen der Erzeuger.

Gut gemeint sind die Vorschriften bei uns, aber in der Praxis für viele Verbraucher verwirrend: Mindestens haltbar bis....? Und dann wegwerfen? Verbrauchen bis...? Und was tun, wenn dieses Datum überschritten ist?


Klartext! Was sagt was auf Etiketten:

Bitte selbst entscheiden: Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD)
„mindestens haltbar bis .." teilt mit, bis zu welchem Zeitpunkt der Hersteller bei richtiger Lagerung für die gewünschten Eigenschaften eines Lebensmittels garantiert – bis wann beispielsweise Geschmack, Farbe und Konsistenz in perfektem Zustand sind. Auch nach Ablauf dieses Datums kann ein Lebensmittel genießbar sein, Supermärkte dürfen diese Produkte immer noch verkaufen. Das MHD müssen alle verpackten Lebensmittel tragen, ausgenommen nicht verarbeitetes Obst und Gemüse, Speiseeis in Portionspackungen, Produkte, die schnell verzehrt werden wie etwa Backwaren, und unempfindliche Lebensmittel wie z.B. Salz, Kaugummi, Zuckerwaren, Essig, Erfrischungsgetränke, Alkohol.
 

Achtung, Gesundheitsgefahr: Das Verbrauchsdatum
„verbrauchen bis...“ informiert, bis zu welchem Datum leicht verderbliche, verpackte Lebensmittel wie rohes zerkleinertes Fleisch oder Geflügel unbedenklich verzehrt werden dürfen. Dazu müssen die Aufbewahrungsbedingungen wie z.B. die Kühltemperatur beschrieben sein. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums kann das Produkt eine Gefahr für die Gesundheit darstellen: es soll nicht mehr verwendet und darf daher auch nicht mehr verkauft werden.

Aha: Das Herstellungsdatum
wie auch das Verpackungsdatum sind freiwillige Angaben des Erzeugers, meist bei Käse oder Eiern, um über die tatsächliche Frische zu informieren.

Gut zu wissen: Das Einfrierdatum
dagegen ist Pflicht bei tiefgekühltem Fleisch, Fleischzubereitungen und unverarbeiteten Fischereierzeugnissen und nennt das Datum des ersten Einfrierens.



Verschwendung per Verordnung stoppen?

Jedes achte Lebensmittel, das wir einkaufen, landet in der Mülltonne - meist noch in der Originalverpackung. Das ermittelte eine Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Daher soll das Haltbarkeitsdatum abgeschafft und eine entsprechende EU-Richtlinie entwickelt werden. Sogenannte „intelligente Verpackungen“ sollen stattdessen in Zukunft mit einer speziellen Ausrüstung die Frische des Inhaltes messen und anzeigen. Noch steht diese Technik auf dem Prüfstand, Ergebnisse sollen laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in etwa drei Jahren vorliegen. Doch auch dann wird der gesunde Menschenverstand ein unentbehrlicher Ratgeber bleiben.


Besser mit Augenmaß

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Information mit Entscheidungsspielraum. Produkte wie Salz oder Zucker sind dauerhaft genießbar und tragen auch heute schon kein Haltbarkeitsdatum mehr, sondern nur noch das Herstellungsdatum. Aber auch zahlreiche andere Lebensmittel sind tatsächlich sehr viel länger haltbar als das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum behauptet. Mündige Verbraucher gewöhnen sich an, die Produkte selbst auf ihre Genießbarkeit zu überprüfen.

  • Brot ist meist noch lange nach Ablauf des MHD genießbar.
  • Eier kann man noch mindestens 2 Wochen nach Ablauf des MHD zum Backen oder Kochen verwenden.
  • Getreide und Müsli sind in der Regel sehr lange haltbar.
  • Honig hält nahezu unbegrenzt.
  • Bei Kaffee, Tee, Kakao spielt das Haltbarkeitsdatum so gut wie keine Rolle.
  • Milch ist verschlossen wie geöffnet noch mindestens drei Tage über das MHD hinaus genießbar, H-Milch sogar sieben Tage.
  • Milchprodukte schmecken meist noch viele Tage länger als angegeben.
  • Nüsse sind genießbar, so lange sie nicht abweichend schmecken oder Schimmel aufweisen.
  • Bis zu einem Jahr über das Haltbarkeitsdatum lassen sich Nudeln, Reis und Mehl (mit Ausnahme von Vollkornprodukten), Stärke, Puddingpulver oder Tütensuppen verwenden.
  • Für Trockengewürze gilt das MHD nur, wenn sie in Herdnähe Dampf und Wärme ausgesetzt sind und somit Keime entwickeln können.
  • Tiefkühlkost ist mehrere Monate länger als angegeben haltbar, wenn sie nicht zwischendurch angetaut wurde.
  • Mehrere Jahre halten sich Vollkonserven und Eingemachtes, wenn die Dosen und Gläser fest verschlossen und in tadellosem Zustand sind.
  • Mineralwasser, Saft und Bier sind Monate über das MHD hinaus genießbar, Säfte sogar  bis zu einem Jahr.
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Was jeder tun kann: überlegt einkaufen und richtig lagern

Fast 300 Euro könnten pro Person jedes Jahr in Europa mit planvollem Einkaufen und richtiger Lagerung gespart werden, ermittelte die Studie „Save Food“. Lust und Appetit sind häufige und auch recht angenehme Berater, führen aber dazu, dass wir bei über einem Drittel aller Einkäufe mehr kaufen, als wir brauchen. Zu Hause verkürzt dann oft schlechte Lagerung die Haltbarkeit. Es macht Sinn, die Aufbewahrungsgewohnheiten zu hinterfragen:

Kühlschrank richtig gefüllt? Die Temperatur steigt von unten nach oben an, die Fächer in der Tür bekommen beim Öffnen Wärme ab – somit entstehen unterschiedliche Kühlzonen, die richtig genutzt werden sollten:

  • ganz oben gegarte Speisereste, Käse, geräucherte Fleischwaren wie roher Schinken, Marmeladen,   geöffnete Sauer- und andere Konserven
  • in der Mitte Milch und Milchprodukte
  • auf der unteren Glasplatte leicht Verderbliches wie Fisch, Fleisch, Wurst
  • im Gemüsefach Früchte und Gemüse, im Idealfall getrennt in zwei Behältern
  • in der Türe Eier, Butter und Getränke, Senf und Saucen wie Ketchup
Tipp: Gemüse und Obst aus der Verpackung  nehmen und das Gemüse/ Obstfach mit Papiertüchern auslegen (z.B. Zewa), da diese Lebensmittel Feuchtigkeit abgeben.

Wohin mit Obst und Gemüse? In den Kühlschrank gehören nur kälteverträgliche, das sind in der Regel einheimische Früchte und Gemüse. Draußen bleiben exotische Früchte, Zitrusfrüchte und sonnenliebende Gemüse wie Tomaten, Aubergine, Zucchini, Paprika, Gurke und Kürbis, aber auch Zwiebeln und Knoblauch. Ein Sonderfall sind Früchte, die ein Reifehormon absondern und daher getrennt gelagert werden müssen - Äpfel, Aprikosen, Bananen, Pfirsiche, Pflaumen aber auch Tomaten und Avocados gehören dazu.  

Tipp
: Beim Marmeladenglas, Frischkäse, Streichkäse etc. immer einen sauberen Löffel oder Messer benutzen! Dadurch gelangen die Reste vom vorherigen Belag  nicht in die Lebensmittel und verderben dann nicht so schnell – gerade bei Singlehaushalten!

Brot am rechten Platz? Eine Umfrage der Getreide-, Markt- und Ernährungsforschung GMF berichtet, dass in jedem fünften Haushalt Brot falsch aufbewahrt wird. Bei Zimmertemperatur in einem luftdurchlässigen Behältnis bleibt es am längsten frisch. Und wenn doch altbackene Reste anfallen, gibt es viele Rezepte dafür:

Kuchen aus altem Brot: 400 Gramm altes Brot, 1 Liter Milch, 100 Gramm Zucker, 2 Eier. Vanillezucker. Das Brot in Stücke brechen und in einer ofenfesten Form mit der Hälfte der Milch 20 Min. einweichen. Zwei bis drei Früchte nach Wahl in Stück schneiden und mit dem Brot vermischen. Zucker, Eier, Vanillezucker mit dem Rest der Milch verrühren, darüber gießen und 30-40 Min. im Ofen bei ca. 180 Grad backen und zum Beispiel mit kaltem Joghurt servieren.


Alles ok im Vorratsregal? Trockenprodukte wie Grieß, Haferflocken und andere Getreideprodukte, Stärke, Reis oder Nudeln lagern gut in verschließbaren Dosen, trocken und nicht zu warm bei unter 20 Grad. Regelmäßige Kontrolle ist wichtig, denn Schädlinge wie Lebensmittelmotten nisten sich auch in hygienischen Haushalten ein


Grenzfall Schimmel

Im Gegensatz zum erwünschten Edelschimmel können Schimmelpilze auf Lebensmittel mit krebserregenden Giften die Gesundheit schädigen. Bei wasserhaltigen Produkten breitet sich der Schimmel auch unsichtbar aus und lässt sich nicht zuverlässig beseitigen - weiches Obst, Kompott, Marmeladen, Säfte, Gemüse, Milchprodukte und Weichkäse müssen also komplett entsorgt werden.

Besonders gefährlich ist der Schimmel auf Nüssen, Trockenfrüchten und Gewürzen.

Großzügig wegschneiden darf man oberflächlichen Schimmel bei wenig Befall auf Hartkäse oder luftgetrockneten Wurstwaren wie Salami oder rohem Schinken.


Vorbeugen schmeckt.

Viele Nahrungsmittel können gerettet werden, wenn man erste Anzeichen richtig erkennt. Zum Beispiel kann schlaffes Gemüse nach einem Bad in kaltem Wasser wieder knackig sein. Überreife Früchte und Gemüse oder Exemplare mit Druckstellen bekommen durch Entfernen der Schadstellen und Einkochen mit Zucker oder Essig eine zweite Chance als Marmelade, Kompott, Ketchup oder Chutney. Tomaten aber auch Früchte wie Äpfel, Birnen, Aprikosen, Pflaumen und Pilze kann man im Ofen trocknen. Reste von Wurzelgemüse und selbst deren Schalen und Abfälle werden zu Gemüsebrühe, die in der guten Küche unentbehrlich ist. 



Aufpassen in der Hausapotheke!

Arzneimittel und Medizinprodukte tragen ein Verfallsdatum, das informiert, wie lange das ungeöffnete Produkt verwendbar ist. Das Problem bei Tropfen, Säften, Cremes und Salben: Das Produkt wird geöffnet, häufig nur teilweise verbraucht und dann aufbewahrt.  

Wie lange darf es noch verwendet werden? Das steht im Beipackzettel.
Expertentipp: Auf der Packung immer notieren, wann sie geöffnet wurde, um die Frist nicht zu überschreiten! Auch wenn nicht unbedingt Gefahr von Arzneimitteln jenseits des Verfallsdatums ausgeht, raten Experten vom Gebrauch ab. Die Wirksamkeit kann schlechter sein als gewünscht, noch problematischer ist es, wenn Abbauprodukte und Keime entstehen. Zudem werden Medikamente in vielen Haushalten falsch gelagert: Das warme Badezimmer mit hoher Luftfeuchtigkeit ist der denkbar schlechteste Ort.

Die Regeln sind daher streng. Nahezu alle Medikamente, die in den USA verkauft werden, tragen ein Haltbarkeitsdatum von maximal einem Jahr.  In Deutschland sind es bis zu fünf Jahre - auch weil sich nach einem Gerichtsurteil der Stand des Wissens in der Zwischenzeit ändern kann. Beim Entsorgen nicht vergessen, dass Medikamente im Grundwasser erhebliche Umweltschäden anrichten. Abgelaufene Medikamente müssen über Apotheken oder als Sondermüll entsorgt werden. 



Sonderfall Kosmetik:

Kosmetika müssen ein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen, wenn sie ungeöffnet weniger als 30 Monate haltbar sind, international verständlich mit dem Symbol einer Sanduhr gemacht. Produkte mit einer längeren Haltbarkeit tragen das Symbol eines geöffneten Tiegels mit der Verwendungsdauer nach der Öffnung in Monaten: 12 M steht beispielsweise für 12 Monate.

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