Essen genießen trotz Diabetes

Sternekoch & Genusstrainer Holger Stromberg sagt: ja!


Gesunde Ernährung fordert der Speiseplan bei Diabetes. Die meisten fürchten sich nun vor einem frustrierenden Speiseplan. Im PLUS treffen Sie heute einen Experten für gesunde Spitzenküche. Holger Stromberg erklärt, wie man den Diabetes im Alltag mit Genuss in den Griff bekommt – und schenkt Ihnen gleich ein Rezept dazu.

Jeden Tag bekommen fast 1.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Typ 2-Diabetes. Das ist kein Grund zur Panik, wohl aber Anlass, den Lebensstil zu ändern. „Besser essen, mehr bewegen“ ist die Behandlungsmaßnahme Nr. 1 – viele Diabetiker bekommen heute durch eine Ernährungsumstellung die Krankheit in den Griff. Aber bleibt dann noch Lebensfreude? Kann eine gesunde Ernährung Spaß machen und wie passen die neuen Spielregeln in unseren Alltag? Das fragen wir einen Spitzenkoch, Gastronom und Ernährungsberater, der Hochgenuss mit Gesundheit und sogar mit Currywurst in Einklang bringt.



Ein Experte für den Genuss ohne Reue

Holger Stromberg stammt aus einer über 150jährigen Gasthaus-Dynastie im Ruhrpott (das Elternhaus in Waltrop wird von seiner Mutter Britta Stromberg und Stefan Manier immer noch auf Spitzenniveau bekocht), er war Deutschlands jüngster Sternekoch mit 23 Jahren und hat sich bald danach auch der Ernährungsberatung verpflichtet. Seit 2007 ist Stromberg Koch der Deutschen Fußball Nationalmannschaft, und in München serviert er seine Version der Currywurstbude - das Konzept „Wurst ohne Reue“: „Kein Gericht ist generell ungesund, die Zutaten entscheiden, ob dir ein Gericht Energie gibt oder nimmt.“ Was ihm am Herzen liegt, ist den Tellerrand zu erweitern und Menschen Mut zu machen zur guten Ernährung.

Es geht mir darum, Menschen zu vermitteln, dass sie bei gesunder Ernährung nichts entbehren müssen.



Lieber Herr Stromberg, falsche Ernährung gehört ja zu den Hauptursachen der Lebensstilkrankheiten, die uns Sorge machen. Müssen wir uns jetzt trennen von all dem, was uns schmeckt?

Nein, auf gar keinen Fall. Das Leben soll nicht Verzicht bedeuten, wir sollten uns nur bewusst werden, welche Dinge wir zu uns nehmen. Wenn wir auf naturnahe Produkte achten, muss Qualität nicht einmal teuer sein.


Fünf Millionen Menschen in Deutschland müssen mit der Diagnose Diabetes leben – ist für sie Schluss mit Genuss? Wie ist das zum Beispiel mit Alkohol?

Ein Stück weit einschränken muss man den Alkoholgenuss zweifellos, kompletter Verzicht ist meist nicht nötig. Wir könnten genauso gut nach Milch fragen: Auch das ist kein Getränk, sondern ein Lebensmittel und muss in Maßen genossen werden. Die Dosis macht das Gift. Wer bewusst genießt und gute Qualität wählt, wird in der Regel kein Problem haben. Aber man kann natürlich nicht allen Diabetes Patienten pauschal einen Rat geben.

Was ist gesund? Gibt es Faustregeln?

Jeder Mensch ist anders. Die Frage müsste man individuell beantworten, aber es gibt schon einige generelle Anhaltspunkte: 20 Prozent unserer Ernährung sollten Kohlenhydrate ausmachen, und zwar in komplexer Form wie Vollkornprodukte, Naturreis und solche Sachen. Bei Fleisch und Fisch ist es wichtig, dass sich die Tiere frei bewegt haben. Nahrungsmittel, die ohne Sonne und Luft erzeugt wurden, machen keinen Sinn für uns. Weißes Fleisch ist dem roten vorzuziehen und noch einmal: Essen Sie nur das, was freilaufend Gras gefressen hat!

Die alte Regel mit den fünf Portionen Obst + Gemüse pro Tag ist problematisch, weil die Leute das mit zu viel Obst umsetzen, und das ist alles andere als zuträglich für den Blutzuckerspiegel. Das einzige, was wir uneingeschränkt zu uns nehmen können, ist Gemüse. Die meisten Menschen finden das nicht sexy  – darin liegt in der Tat eine gewisse Herausforderung. Es sind neue Ideen von Anbietern gefragt, warum nicht Gemüse als Fast Food, da steckt noch ein Riesen-Potenzial.

Wo sind die Fallen im Alltag? Wo lauern Gesundheitsgefahren?

Das größte Problem heute ist die Vereinsamung. Viele Menschen leben allein und finden es kaum noch lohnenswert, etwas für sich zuzubereiten. Daneben haben wir es mit ständiger Ablenkung zu tun, das Smartphone belegt uns mit Beschlag, Ernährung ist zur Sache im Vorübergehen geworden. So denken wir übers Essen immer erst dann nach, wenn es eigentlich schon zu spät ist – und schon stehen wir in der Bäckerei oder am Schnellimbiss. Dann werden aus den 20 Prozent Kohlenhydraten ganz schnell 80 und die Blutzuckermenge macht der Bauchspeicheldrüse die Arbeit schwer.


Funktioniert gesunde Ernährung im normalen Leben? Wie können wir uns tagsüber im Job und abends beim Ausgehen auf die Spielregeln des Diabetes einstellen?

Ganz einfach, wenn wir uns angewöhnen, Ernährung und Genuss zu planen. Wir planen ja auch sonst alles Mögliche ... Schon kleine Tricks helfen dabei, eine Handvoll Haselnüsse in der Tasche ist eine perfekte Ausrüstung gegen Hungerattacken. So kann der Überlebenstrieb nicht die Oberhand gewinnen und Sie können frei entscheiden, was Sie zu sich nehmen. Es nützt auch, sich einen Partner bei der Ernährungsplanung zu suchen, ähnlich wie im Sport, wo man ja auch zu zweit besser gegen den Schweinehund vorgehen kann. Der Kollege, die Schulfreundin oder die Nachbarschaft können das sein - da gibt es witzige Sharing-Modelle, die auch noch den Vorteil haben, gesellig zu sein.


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 „Selber kochen“ raten die Ernährungsexperten – aber kann das jeder?

Also, es muss keiner kochen, der das absolut nicht möchte. In einem besseren Supermarkt kann man Zutaten für Gerichte finden, die keinen Kochaufwand erfordern – man muss gut wählen und genau hinschauen dabei. Andererseits ist Kochen eine wunderbare Beschäftigung, man muss nichts außer es wollen und es verbindet Menschen auf besondere Art. Die Ausrede „keine Zeit“ lasse ich nicht gelten – das ist eine Frage der Prioritäten – jeden Tag zwei Minuten, um gute Ernährung zu planen und fünf Minuten für die Zubereitung. Mehr muss das nicht sein – auch ein gutes Brot mit einem guten Belag ist ein gesundes Essen. Es geht im Prinzip um ganz einfache Sachen – machen Sie sich zum Beispiel einen Dosenfisch auf und nehmen Sie ein paar TK-Bohnen dazu.

Makrele auf grünen Bohnen mit Essig-Zwiebel-Marinade

Zutaten für 2 Portionen:

100 ml weißer Essig / 50 ml Agavendicksaft / 1 Prise Meersalz / 20 g Ingwer /
3 Knoblauchzehen / 2 Chilischoten /1 große, rote Zwiebel / 300 g breite Bohnen /
2 EL Olivenöl / 1 Dose Makrelenfilets im eigenen Saft (125 g) /1 EL Sojasauce

1. Für die Marinade Essig mit Dicksaft und Meersalz vermengen. Ingwer waschen, schälen, in Scheiben schneiden. Knoblauch abziehen und grob schneiden. Chilischoten entkernen und klein schneiden. Zwiebel abziehen, halbieren und in lange Streifen schneiden. Alle Zutaten in ein großes Schraubglas geben, verschließen und gut durchschütteln.

2. Die Bohnen in kräftig gesalzenem, kochendem Wasser in 10 –15 Min. weich kochen. In einem Sieb abtropfen lassen, danach gut mit dem Öl vermengen. Gemüse längs auf einem Teller anrichten. 2 EL Essigzwiebeln darauf verteilen und den Fisch daraufsetzen. Nach Belieben mit Sojasauce beträufeln.

Tipp
: Das perfekte, schnelle Bürogericht! Statt frischer Bohnen einfach TK-Bohnen unter heißem Wasser auftauen. Die Makrelen sind in der Dose perfekt transportierbar, Essigzwiebeln und Sojasauce warten im Bürokühlschrank auf ihren Einsatz.
Foto : Studio LÈveque, München für "Iss einfach gut", systemed Verlag



Wie gehe ich am besten vor, um Ernährungsgewohnheiten umzustellen? Und wie schnell treffen die Erfolgserlebnisse ein?

Das Wichtigste ist: Ruhe bewahren. Kein Mensch kann von heute auf morgen sein Leben umkrempeln. 50 Prozent all derer, die das versuchen, scheitern, weil sie sich überfordern.  Gehen wir es also langsam an. Erstmal einen Plan schmieden, dann überlegen, wer helfen kann – es gibt viele einfache und sympathische Hilfestellungen im Internet wie auch bei Ernährungsberatern. Klar muss dabei sein: Man kann nicht Andere die Umstellung machen lassen, Sie müssen es schon selber tun! Belohnung gibt es dann aber umgehend – der Genuss steigert sich sofort, das Wohlbefinden verbessert sich eklatant innerhalb von 14 Tagen. Jeder Tag, an dem man etwas verbessert, ist 100 Prozent mehr als nichts.


Wie sind die Aussichten? Kann mich eine Ernährungsumstellung weg von den Medikamenten bringen?

In einer Vorstufe des Diabetes kann definitiv eine deutliche Verbesserung erreicht werden. Eine positive Veränderung bringt es auf jeden Fall – Diabetes geht ja mit anderen Problemen einher, das ist ein Gesamtspiel von metabolischen Schwierigkeiten. Jede Veränderung hilft,  aus der Spirale herauszukommen. Auf jeden Fall verbessert sich das Wohlbefinden.     


Haben Sie zuletzt noch ein paar praktische Tipps, die uns die Vernunft erleichtern?

Immer ausreichend stilles Wasser dabei haben, oder auch Tee geht. Es geht nicht darum, sechs Liter täglich zu trinken, aber Wasser hilft über viele Krisen hinweg. Die Handvoll Haselnüsse haben wir schon erwähnt, Trockenfrüchte sind gut oder geschälte Karotten. Immer mal den Tagesablauf vorab durchdenken: Wo kann ich mir wie helfen? Und Hände in den Taschen behalten! Überall in den Büros steht etwas herum – Gummibärchen, Kekse – bevor Sie hinlangen, überlegen Sie: Ist es das wert?


Lieber Herr Stromberg, wir danken Ihnen herzlich für Ihr ausführliches Interview und Ihre guten Rezepte.


Lesetipp:
„Iss einfach gut“  ist ein echter Lebensbegleiter von Holger Stromberg. Auf 240 Seiten erfahren Sie gut gegliedert und übersichtlich die wichtigsten Fakten für eine ausgewogene und genussreiche Ernährungsweise. Damit schafft es jeder, sinnvoll einzukaufen, in jeder Küche gut zu kochen und genussvoll zu essen, systemed Verlag.

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