Diabetes-Serie Teil 2: Lebensqualität mit Diabetes. Gibt es das?

Muss ich jetzt auf alles verzichten? Die Diagnose Diabetes kommt für viele einer Verurteilung zu einem eingeschränkten Leben gleich. Tatsächlich sind die Risiken von Diabetes mellitus (Typ 2) und seinen Folgeerkrankungen nicht zu unterschätzen. Wie Sorgen zu Herausforderungen werden können, erklärt der Diabetologe Dr. Dirk Hochlenert mit praktischen Ratschlägen.




Fakten, die Sorgen machen

  • Bei Menschen mit Diabetes mellitus ist das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen zwei- bis vierfach höher als bei Menschen ohne Diabetes mellitus. (Deutsches Diabetes Zentrum)
  • Zwei von drei Amputierten sind Diabetiker. Diabetes verdoppelt das Risiko für Schlaganfall. Rund 40 Prozent aller Dialysezugänge sind Diabetiker (Deutsche Diabetes Union).
  • 75 Prozent aller Diabetiker leiden auch an Bluthochdruck. Häufig sind zudem Augenprobleme (11,9 %), Nervenschäden (10,5 %) sowie Herzinfarkte (9,1 %). Männer mit Diabetes erleiden fast viermal so oft einen Infarkt wie Nicht-Diabetiker. Für zuckerkranke Frauen ist die Gefahr sogar um den Faktor 5,9 erhöht. Durch sehr gute Einstellung könnte dieses Risiko drastisch gesenkt werden (Deutsche Diabetes Stiftung).
  • Diabetes mellitus ist die führende Ursache von schweren Sehstörungen bei Erwachsenen in den Industrieländern. (Deutsches Diabetes Zentrum)
  • Ein Rauchstopp verringert das Risiko von Diabetikern, an Herz-Kreislauferkrankungen zu erkranken und zu sterben deutlich. (Deutsches Krebsforschungszentrum)
  • Nur jeder vierte Typ-2- und jeder dritte Typ-1-Diabetiker gibt an, sich im letzten Jahr aktiv um Infos rund um den Diabetes bemüht zu haben. 46 Prozent der Typ-2-Diabetiker und sogar 40 Prozent der Typ-1-Diabetiker geben null körperliche Aktivität an. 16 Prozent der Typ-2-Diabetiker und 14 Prozent der Typ-1-Diabetiker wissen nicht um die Gefahr diabetischer Folgekomplikationen. Nur 19-32 Prozent der Diabetiker lassen sich regelmäßig vom Augenarzt untersuchen. (Versorgungsstudie DiaDeM Deutscher Diabetiker Bund 2011)

„Sie können viel dafür tun, Ihre Lebensqualität zu erhalten.“

Dr. Dirk Hochlenert ist Facharzt für Innere Medizin und Diabetologe im Zentrum für Endoskopie, Diabetologie und Wundheilung am St. Vinzenz Krankenhaus Köln. Im Netzwerk Diabetischer Fuß engagiert er sich besonders für die bessere Versorgung von Diabetikern mit Fußproblemen. Seit 2010 informiert und ermutigt die Kampagne „Amputationen verhindern“ eine breite Öffentlichkeit. Für Sie haben wir Dr. Hochlenert zu einer Sprechstunde eingeladen, bei der die wichtigsten Sorgen zur Sprache kommen, die der Diagnose Diabetes folgen.


Dr. Hochlenert, wird mich Diabetes krank machen?

Das hängt davon ab, wie gut der Diabetes eingestellt ist und ob schützende Gene vorhanden sind oder nicht. Bei manchen Patienten treten Nervenschäden im Zuge des Diabetes erst nach 15 Jahren auf, bei anderen überhaupt nicht – das lässt sich nicht vorhersagen. In jedem Fall können Sie selbst viel dazu beitragen, sich zu schützen. Wer diszipliniert gegen den Diabetes, gegen Bluthochdruck und schlechte Cholesterinwerte vorgeht und sich den enormen Risikofaktor des Rauchens erspart, hat gute Chancen, ein „gesunder Diabetiker“ zu bleiben.


Wird Diabetes mein Leben verkürzen?

Rein statistisch gesehen war das früher so. Heute kann man sehr viele Möglichkeiten nutzen, um mit Diabetes lange und gut zu leben. Vor allem das Risiko des Herzinfarkts lässt sich mit ärztlichen Rat und eigener Initiative gut beherrschen.


Wird Diabetes meinen Alltag einschränken?

Die Frage ist, wieviele Einschränkungen Sie zulassen. Auf jeden Fall wird Diabetes – hoffentlich! – Ihren Alltag verändern. Diabetes ist immer eine Aufforderung, sich Fragen zu stellen: Wo sind meine Schwachpunkte? Wo kann ich etwas verändern? Was funktioniert meiner Erfahrung nach und was nicht? Die meisten Menschen wissen das. Jetzt geht es darum, die Erkenntnis umzusetzen. Dabei können durchaus Bereicherungen des Lebens entstehen. Nehmen Sie zum Beispiel die geforderte Bewegung. Da erinnert man sich womöglich an Dinge, die früher einmal Spaß gemacht haben, dann aber irgendwie vom Alltag aus dem Leben gedrängt wurden – Schwimmen, Laufen, Bergsport – das kann man in veränderter Form wieder entdecken und öffnet für sich ein neues Kapitel. Man muss sich vortasten und nichts Unmögliches von sich verlangen, ein notorischer Sporthasser wird vielleicht Erfolg mit Tanzen haben.

Mit Einschränkungen hat natürlich auf den ersten Blick die Ernährung zu tun. Es geht vor allem darum, das „Zuviel“ in den Griff zu bekommen, das wir alle haben. Man muss sehen, was für den Einzelnen im Alltag am besten funktioniert: abends nichts mehr nach soundsoviel Uhr essen, auf Fertigprodukte verzichten, selbst kochen, ohne Hetze essen, sich dabei unterhalten…

Es ist nützlich, dabei auch auf Erfahrungen anderer zurückzugreifen. Dazu sind die Schulungen gedacht, die nach wie vor noch in einigen Krankenhäusern, vor allem aber bei den Diabetologen stattfinden, wo sich die Themen breiter gefächert für den individuellen Bedarf darstellen. Jede Schulung kann aber nur so gut sein, wie Sie wollen: Man muss sie an sich heranlassen und aktiv bei der Sache sein. Wer sich nicht einschränken lassen will, wie es beispielsweise die Dialyse zweifellos tut, kann selbst viel dazu tun.


Was muss ich beim Essen beachten?

Wir haben schon davon gesprochen, dass das Hauptproblem darin liegt, dass wir alle zu viel haben. Die Natur hat das Anlegen von Reserven ganz anders gemeint, als wir es heute praktizieren. Wir müssen uns hier also etwas Druck auferlegen und selbst Regeln aufstellen. Auch hier geht es darum, was im Einzelfall im Alltag funktioniert. „Wo ist mein schwacher Punkt?“ ist die erste und wichtigste Frage. Die einen sind Deftigem, die anderen Süßem verfallen – es kann keine Standardregeln geben und auch keine vorproduzierten Problemlöser wie Diabetiker-Lebensmittel oft den Eindruck erwecken.

Nehmen Sie nur mal das Beispiel der Zuckeraustauschstoffe: Das sind nichts als chemische Tricks, die allerdings die Leber nicht überlisten können – die wandelt die Ersatzstoffe einfach in Zucker um. Anders ist das bei Süßstoffen, die aber dafür im Verdacht stehen, kontraproduktiv den Appetit anzuregen. Größte Vorsicht ist angesagt gegenüber alten Volksmärchen, die sich hartnäckig halten und neuen Unwahrheiten, die immer wieder in Umlauf kommen. Der beste Rat bei der Ernährungsumstellung ist: Holen Sie sich Rat und zwar den besten, den Sie bekommen können! Schulungen und Einzelgespräche beim Arzt sind anderen Informationsquellen an Qualität überlegen.

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Viele weitere wichtige Informationen und Pflegetipps zu Diabetes haben wir darüber hinaus für Sie in der Pflegewelt von AXA zusammengestellt, informieren Sie sich gleich hier.

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Wie oft muss ich den Blutzucker messen?

Wichtig ist es, den Überblick zu behalten, ob der Zucker gut läuft. Sportliche mit einem guten Gewicht kommen durchaus mit dem Langzeitwert klar und lassen den Blutzucker alle drei Monate beim Arzt bestimmen. Bei einer regelrechten Insulintherapie muss dagegen viermal täglich kontrolliert werden.
Es gibt keine einheitliche Messlatte, die man überall anlegen könnte. Noch einmal: Am wichtigsten ist, dass der Fachmann den Diabetes aufs richtige Gleis setzt. Allerdings kann der Patient sich nicht raushalten – aktive Beteiligung am eigenen Gesundheitszustand ist notwendig. Dazu gehört auch, Beratung nachzufragen und einzufordern.

Ein unentbehrliches Kommunikationsmittel zwischen Arzt und Patient ist der Gesundheitspass Diabetes – jeder sollte ihn haben. Der Gesundheitspass ist das offizielle anerkannte Organ einer bestmöglichen Versorgung und Steuerung des Diabetes, alle wichtigen individuellen Daten und Informationen werden hier festgehalten und einmal pro Quartal auf den aktuellen Stand gebracht. Nur mit dem Pass kann jeder behandelnde Kollege, der Augenarzt zum Beispiel, auf dem richtigen Informationsstand sein. Und der Gesundheitspass ist noch mehr: Er schreibt die vereinbarten Ziele fest und dient Arzt und Patienten als Leitfaden auf dem gemeinsamen Weg. In aller Klarheit: Den Gesundheitspass Diabetes nicht zu haben, ist ein Mangel an Beratung.


Mit welchen Folgeerkrankungen muss ich rechnen und wie kann ich sie vermeiden?

Generell kann man sagen, dass die optimale Blutzuckereinstellung in Verbindung mit dem aktiven Mitwirken der Betroffenen die diabetesbedingten Folgekrankheiten verhindern bzw. stoppen kann. Zu den meist gefürchteten Folgen gehört zweifellos das Diabetische Fußsyndrom. Hier muss man am Ball bleiben: Wenn Wunden am Fuß nach zwei Wochen nicht heilen, dann gibt es nur den Arztbesuch. 

Darüber hinaus sollte man unbedingt alle spezialisierten Einrichtungen nutzen: Das Netzwerk Diabetischer Fuß hat eine Internetseite eingerichtet, auf der alle Informationen zusammengefasst sind, die den Alptraum der Amputation verhindern können. Hier findet man Pflegetipps, eine Checkliste für die tägliche Selbstkontrolle, Anleitungen zur Fußgymnastik, einen Ratgeber bei ersten Problemen und vieles mehr. Vor allem aber das Wichtigste: die Motivation zum Widerstand. Nach wie vor sind 75 Prozent aller Amputationen in Deutschland vermeidbar, in jedem Fall ist eine zweite Meinung eines Arztes unentbehrlich. Die Botschaft ist: nicht zu allem Ja! zu sagen, es ist niemals peinlich, einen weiteren Spezialisten zu fragen. Dazu wollen wir unbedingt auch Angehörige ermutigen. Für den Akutfall steht dazu das Notfall-Telefon 01803 1234 06 zur Verfügung (9 c/min aus dem Festnetz, aus dem Mobilnetz max. 42 c/min), die Internetadresse ist www.amputation-verhindern.de.

Ein zweiter kritischer Bereich sind die Augen. Mindestens einmal pro Jahr sollte der Facharzt den Augenhintergrund inspizieren. Auch beim Augenarzt gilt unbedingt die Grundregel der zweiten Meinung, bevor man etwa zu einer Katarakt OP oder Laserbehandlung schreitet – selbst die komplikationsärmsten Methoden sind Operationen, die man nicht ohne Rückfrage abnicken sollte. 

Vielen Dank, Dr. Hochlenert, für diese Sprechstunde mit so vielen praktischen Ratschlägen für das Leben.


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