Gesundheits-Apps – was können sie wirklich?

Self-Tracking und mobile medizinische Anwendungen unter der Lupe


Es lohnt sich, näher hinzuschauen bei den digitalen Helfern für die Gesundheit. Sie können wertvolle Unterstützung leisten, doch Qualitätskontrolle und Datenschutz lassen bei vielen Apps noch zu wünschen übrig.


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Macht das Smartphone dem Arzt Konkurrenz? Als Coach und Gesundheitsberater wird es immer beliebter: Jeder dritte Deutsche nutzt Apps für Fitness, Wohlbefinden und Verbesserung der Gesundheit. Die Anwendungen machen sich in der Prävention nützlich, Self-Tracking ist Trend und begeistert Millionen für die Optimierung ihres Körpers. Chronisch Kranken könnten medizinische Apps unschätzbare Dienste in der Bewältigung ihrer Beschwerden leisten. Doch noch ist Luft nach oben. Fehlende Qualitätsstandards und Datenschutz geben Stoff für Diskussionen. Nur wer sich gut informiert, ist mit Gesundheits-Apps auf der sicheren Seite.

Apple-Chef Tim Cook ist überzeugt davon, dass der menschliche Körper eine Service-Anzeige wie im Auto braucht – und er glaubt fest daran, dass die Apple Watch noch zu seinen Lebzeiten Bluthochdruck, Diabetes aber auch Krebs erkennen kann. Experten winken ab: Die smarte Technik ersetzt auch in Zukunft nicht den Arzt.

Als Trainer, Controller, Informationstool und Assistent beim Verbessern der Gesundheit sind die mobilen Anwendungen dagegen höchst beliebt. Fast jeder zweite Smartphone-Nutzer (45 Prozent) verwendet bereits Gesundheits-Apps, vermeldet der Deutsche Digitalverband Bitkom. Die große jährliche Online-Befragung unter 50 Millionen „Gesundheitssurfern“ im Internet EPatient Survey sieht vor allem Coaching-Apps und die Online-Zweitmeinung per Smartphone vorne in der Sympathie. Die Mehrheit der Nutzer, rund 75 Prozent, bespricht die Empfehlungen der App nach wie vor erst einmal mit dem Arzt. Das ist gut – so ein Test der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Er belegt beispielsweise, dass zahlreiche Handy-Gesundheitsprogramme bei Rückenschmerzen mehr schaden als helfen. „In den unübersichtlichen App-Stores haben Patienten keine Chance, geeignete von untauglichen oder gar gesundheitsschädlichen Apps zu unterscheiden“, beklagen die Verbraucherschützer.


Genau hinschauen!

Rund 400.000 Gesundheits-Apps bieten ihre Dienste an. Jeden Monat kommen schätzungsweise etwa 1.000 neue Anwendungen dazu. Apple und Google mit Android beherrschen 97 Prozent des Marktes. Aber auch Pharmaunternehmen, Selbsthilfeorganisationen, Ärzte, Kommunikationsagenturen und andere Unternehmen legen Gesundheitsprogramme auf. Eine Übersicht im Dschungel der Apps ist nahezu unmöglich. Ärzte fordern ein Qualitätssiegel und bemängeln, dass es „neben der fehlenden Kennzeichnungspflicht von Zielen und Einsatzgebiet der Apps, auch an einer zentralen Stelle fehlt, die Vorkommnisse oder Gefahren speichert und veröffentlicht“ (aerzteblatt.de). Lesen Sie mehr zum pro und contra von Gesundheits-Apps in unserem Artikel „Telemedizin - auf die Dosis kommt es an“.


Chancen und Risiken

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe sieht wichtige Aufgaben in der Prävention: Für viele sind Apps heute schon ein Ansporn, sich mehr zu bewegen, sich gesünder zu ernähren -  und sie unterstützen z.B. auch bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten. Das kann vielen Menschen eine wertvolle Hilfe sein... Nötig sind klare Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Patienten, medizinisches Personal und App-Hersteller.“ Die vom Bundesministerium geförderte Studie CHARISMA, „Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps“ bildet eine wichtige Grundlage dafür.

„Gesundheits-Apps müssen Patienten echten Nutzen bringen“, fordert der Minister. Medizinische Apps wie zum Beispiel zu Selbstmanagement, Therapietreue und Gesundheitsförderung bleiben häufig den Beweis für ihren Nutzen schuldig – die Studie empfiehlt, Präventions-Apps und Anwendungen zur Diagnostik und Therapie gründlicher zu untersuchen, um zu verlässlichen wissenschaftlichen Bewertungen zu kommen. Was digitale Anwendungen nützen können, lesen Sie in einem interessanten Gespräch mit einem der führenden Experten der Telemedizin in unserem Artikel Telemedizin als Chance.




Was Apps können

  • Messen und aufzeichnen. Am beliebtesten sind Apps, die Körper- und Fitnessdaten, wie zum Beispiel Herzfrequenz, Blutdruck oder gegangene Schritte, aufzeichnen. Ein Viertel aller Smartphone-Nutzer setzt diese digitalen Gesundheitshelfer ein. 
  • Informieren: Apps, die über Gesundheits-, Fitness-, Gewichts- oder Ernährungsthemen informieren, verwendet jeder Fünfte.  
  • Motivieren und beraten: Anwendungen, die Motivations- oder Verhaltensratschläge geben, nützen nur 11 Prozent. Apps, die an Impfungen oder an die Einnahme von Medikamenten erinnern, haben bis jetzt 2 Prozent der Patienten im Gebrauch.

Achtung, App und App ist zweierlei

Der allgemeine Begriff Gesundheits-App setzt Äpfel mit Birnen gleich. Gesundheits-Apps umfassen nach wissenschaftlicher Definition (Albrecht 2014 und Gehring et al. 2014) „mobile Anwendungen, die das Ziel verfolgen, das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden positiv und nachhaltig zu beeinflussen. Sie sind häufig den Bereichen Wellness, Ernährung und Lebensstil zuzuordnen“ wie etwa Fitness-Apps, die Sport- oder Essenspläne erstellen. Medizinische Apps oder „Medical Apps“ hingegen konzentrieren sich auf die medizinischen Kernthemen der Diagnostik, Therapie und Prävention von Krankheiten und Verletzungen. Sie können Patienten bei der Therapie unterstützen, wenn sie zum Beispiel an die Einnahme von Medikamenten erinnern.   


Hauptsache Spaß?

Der Digitalverband Bitkom befragte 1.000 App-Nutzer nach ihren Beweggründen: Mehr als der Hälfte (51 Prozent) der Befragten macht es ganz einfach Spaß, die eigenen Körper- und Fitnessdaten regelmäßig zu überprüfen. Drei von vier Befragten (74 Prozent) geben an, solche Apps zu nutzen, um ihre Gesundheit generell zu verbessern und jeder Zweite (48 Prozent) gibt an, generell mehr über seinen Gesundheitszustand wissen zu wollen.

Self-Tracking, das Protokollieren von Aktivtäten und Körperdaten, kommt – woher wohl? – aus den USA und findet seit 2007 ständig mehr Anhänger weltweit. Ziel der Bewegung ist „The Quantified Self“, die Selbstoptimierung, also der bestmögliche körperliche Zustand. Das sollte Gesundheitsexperten freuen. Doch der Trend enthält auch einen Wermutstropfen. Kritiker warnen vor einem gewissen Suchtpotenzial der digitalen Selbstvermessung: Die Beschäftigung mit dem eigenen Körper kann überhand nehmen, körperliche Aktivität wird übertrieben. Selbst begeisterte Protagonisten des „Quantified Self“ wie der Hamburger Arne Tensfeldt räumte Risiken ein: „Wer mangelhaftes Wissen hat und Daten falsch interpretiert, leitet auch falsche Maßnahmen daraus ab. Im schlimmsten Fall fängt derjenige dann an, Probleme oder Krankheiten zu sehen, wo keine sind, wird also zum Hypochonder.“ Der Soziologie Professor Stefan Selke kritisiert überdies, dass der Mensch auf seine Daten reduziert wird.

Damit sind wir beim vielleicht brisantesten Problem des Self-Tracking: 
Der Datenschutz liegt häufig im Argen. Gratis-Programm locken Nutzer, um an deren Gesundheitsdaten zu kommen. Das unabhängige Institut AV Test untersuchte 60 Applikationen und fand 80 Prozent ohne korrekte Datenschutzerklärung vor, gar nicht zu reden von problematischen Zugriffsanforderungen und unverschlüsselte Datenübertragung. „Verbraucher sollten bei der Auswahl von Fitness-Trackern auf die technischen Sicherheitsmerkmale achten und die Datenschutzerklärung sehr sorgfältig lesen“, raten die Experten von Bitkom, „die Speicherung und Auswertung der Daten für den Nutzer sollte so transparent wie möglich erfolgen und Daten nur nach Einwilligung an Dritte weitergegeben werden.“


In Zukunft die App vom Arzt

„Als Patient würde ich mir wünschen, dass mich mein Arzt berät, welche App sinnvoll sein könnte", sagt Britta Böckmann, Professorin für Medizinische Informatik beim Kongress der Gesundheitsnetzwerker in Berlin. (aerztezeitung.de) Als hochwertige, zertifizierte Medizinprodukte mit erwiesener Wirkung können Gesundheits-Apps eine große Unterstützung vor allem für chronisch kranke Menschen sein. Neben der fachlichen Qualität scheinen auch Bedienungsfreundlichkeit und Motivation verbesserungsfähig zu sein.

Gesundheits-Apps aus erster Hand

Die Krankenversicherer sind gefordert, hochwertigen digitalen Leistungen den Weg zu bereiten. AXA setzt mit drei Kooperationen Maßstäbe im Gesundheitsmanagement:

Preventicus ist eine medizinisch zertifizierte App, die sich dem nicht erkannten und unbehandelten Vorhofflimmern entgegen stellt, das mit einem Viertel aller Schlaganfälle zu tun hat. Die Anwendung erkennt per Pulsaufzeichnung auf dem Smartphone Herzrhythmusstörungen automatisch mit einer Genauigkeit, die dem EKG vergleichbar ist.

Tinnitracks wurde als erste App überhaupt auf Rezept verschrieben. Die neuroakustische Therapie für Menschen mit einem chronischen, subjektiven, tonalen Tinnitus wurde von dem Medizintechnologie-Unternehmen Sonormed entwickelt und bereits mehrfach als zukunftsweisende eHealth-Lösung prämiert.

Die Caterna Sehschule ist eine App, die sich an Kinder mit funktioneller Sehschwäche richtet. Die jungen Patienten erhalten eine ergänzende Schulung, die das geschwächte Auge aktiv stimuliert. Die Sehschule findet in der gewohnten heimischen Atmosphäre statt - überall dort wo ein Computer mit Internetanschluss zur Verfügung steht.

Wenn Sie sich aktiv mit Ihrer Gesundheit beschäftigen, wird Sie auch der Beitrag über ein umfassendes Unterstützungspogramm interessieren: gesundheitsservice360° von AXA - ein Trend mit Zukunft!


Wertvolle Helfer

Hier eine kleine Vorschau auf sinnvolle und hilfreiche Fitness- und Gesundheits-Apps: 

  • Zahlreiche Erste Hilfe-Apps sind übersichtlich und verständlich aufbereitet.
  • Vorsorge-Apps helfen bei der Planung, Erinnerung und Einhaltung von nötigen Terminen. Teilweise können Sie wichtige Dokumente wie Untersuchungsergebnisse, Impf- oder Mutterpass einscannen und auf dem Mobiltelefon abspeichern.
  • Diabetiker genießen mit ausgezeichneten Apps mehr Freiheit und Flexibilität: Die Anwendungen helfen bei der Essensplanung und ersetzen das Mitführen von Tabellen und entsprechender Literatur.
  • Kalorienzähler helfen beim Abnehmen.
  • Nichtraucher-Apps coachen bei der Nikotinentwöhnung.
  • Periodenkalender errechnen den Eisprung und den Zeitpunkt der monatlichen Blutung. 
  • Bei Heuschnupfen oder Asthma helfen Pollenflug-Vorhersagen.
  • Fitness-Hilfen wie Runtastic unterstützen sportliche Aktivitäten mit der Aufzeichnung aller Daten wie Trainingszeit, Tempo, Streckenlänge, Kalorienverbrauch, Puls und motivierendem Austausch in sozialen Netzwerken.
  • Verschiedene Trainings-, Assistenz- und Spielanwendungen unterstützen Demenzkranke und ihre Angehörigen. 
Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA


Die Zukunft an Ihrer Seite  – mit AXA als Partner digitaler Qualitätsprogramme

Mit dem gesundheitsservice360° bietet AXA krankenvollversicherten Kunden ein umfangreiches und kostenfreies Angebot an zukunftsweisenden Versorgungsformen. So kann die individuelle Lebensqualität unterstützt und verbessert werden.

Kooperationen bestehen mit zertifizierten Apps und Online Unterstützungsprogrammen wie zum Beispiel:
  • Preventicus: Förderung der Früherkennung von Herzkreislauferkrankungen per App
  • Tinnitracks: Individuelle und selbstverwaltende Therapie gegen Tinnitus mit Hilfe  einer App
  • Caterna Sehschule: Zusätzliches Sehtraining bei einer Amblyopie durch kindgerechte Online-Spiele
  • Deutsches Institut für Telemedizin (DITG): Digitales Diabetes Management für Typ 1  und Typ 2
  • Patientus: Arztkonsultationen via Online-Video-Sprechstunde
  • Patientenfuchs: Online Informations- und Selbstmanagementprogramm für chronische Erkrankungen
  • Novego: Online-basiertes Unterstützungsprogramm zur Symptomlinderung von Depression, Burn-Out und verschiedenen Angststörungen
  • gevio: digitales Rückenprogramm für den Alltag und zur Linderung von Rückenschmerzen
Damit wird ein vielfältiges Angebot an fortschrittlichen Leistungen im Bereich Prävention, Diagnostik oder auch Therapie ermöglicht. 

Hier finden Sie weitere Informationen zum gesundheitsservice360°.


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