Darmkrebs ist kein Schicksal.

Engagement und Aufklärung tragen viel dazu bei, die zweithäufigste Krebsart erfolgreich zu bekämpfen. In den vergangenen zehn Jahren sind die Darmkrebsfälle in Deutschland um gut 20 Prozent zurückgegangen. Eine Modellrechnung des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigt, dass durch Vorsorge rund 180.000 Neuerkrankungen und 80.000 Todesfälle verhindert werden konnten



„Felix könnte noch leben“. Der Sohn von Dr. Christa Maar und Verleger Hubert Burda starb im Alter von 33 Jahren an Darmkrebs. Die Stiftung in seinem Namen setzt sich seitdem mit aller Kraft für Aufklärung ein: „Niemand muss an Darmkrebs sterben!“ 33.000 Frauen und 39.000 Männer erkranken jedes Jahr neu in Deutschland. 26.000 Todesfälle könnten durch Früherkennung verhindert werden.

Univ. Prof. Dr. med. Germer ist Direktor der Chirurgischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Würzburg, die ein zertifiziertes Darmzentrum unterhält: „Darmkrebs ist in Deutschland mit ca. 70.000 Neuerkrankungen die zweithäufigste Krebserkrankung. Die Heilungschance ist stark abhängig von dem jeweiligen Krankheitsstadium. Bei Erkennung und Therapie der Erkrankung im ersten Stadium beträgt die Wahrscheinlichkeit geheilt zu werden über 90 Prozent. Daher sind die Früherkennung, die richtige Diagnosestellung und eine optimale Behandlung durch ein Team aus Spezialisten für den Erfolg einer Behandlung von sehr großer Bedeutung.“ Wir sprechen mit Prof. Dr. Germer über die Risiken, vor allem aber über die Chancen, gesund zu bleiben


„Darmkrebs ist nicht nur gut behandelbar, sondern rechtzeitig erkannt auch gut heilbar.“


Professor Germer, wie entsteht Darmkrebs?

Prof. Germer: Bei Darmkrebs handelt es sich meist um einen Tumor im Dickdarm oder Enddarm, der sich in der Regel über lange Zeit unbemerkt entwickelt hat. Rund 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen gehen aus zunächst gutartigen Darmpolypen hervor. Zehn Jahre und noch länger kann es dauern, bis aus einer Zelle der Darmschleimhaut durch Mutationen ein bösartiger Tumor entsteht. Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken, steigt also mit dem Lebensalter  - die meisten Darmkrebspatienten sind älter als 50 Jahre. Aber auch junge Menschen sind in Gefahr, denn etwa 15-20 Prozent der Darmkrebserkrankungen gehen auf ererbte Genveränderungen zurück. Mit einer solchen Vorbelastung kann der Krebs in deutlich kürzerer Zeit entstehen.“


Gibt es Anzeichen für die Erkrankung?

Prof. Germer: Oftmals entwickelt der Tumor keinerlei Symptome. Mögliche Anzeichen für einen Darmkrebs sind meist auch wenig typisch und können ebenso gut auf andere Erkrankungen zurückgehen. Ernst zu nehmen sind in jedem Fall diese Beschwerden, vor allem wenn sie anhalten oder wiederkehren:

  • Auffälligkeiten wie Blut im Stuhl
  • Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, mit denen gleichzeitig Blut, Schleim oder Stuhl abgehen
  • Veränderungen beim Stuhlverhalten wie z.B. Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung
  • Krampfartige Bauchschmerzen
  • Tastbare Verhärtung im Bauchraum
  • Übelkeit, Völlegefühl und Appetitlosigkeit
  • ständiges Gefühl von Erschöpfung mit auffälligem Leistungsabfall
  • Gewichtsverlust und Blässe



Was geschieht bei der Vorsorge?

Prof. Germer: Je früher Darmkrebs entdeckt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Eine wichtige Aufgabe der Vorsorge ist es, möglichst schon Vorstufen aufzuspüren und zu entfernen, bevor sie sich zu einem Tumor entwickeln. Die treffsicherste Untersuchungsmethode ist die Darmspiegelung, in der Fachsprache: Koloskopie. Dabei betrachtet der Arzt mit einem speziellen Instrument, dem Endoskop, das Innere des Darms und untersucht die Darmschleimhaut nach Auffälligkeiten. Gleichzeitig kann er Darmpolypen abtragen und an verdächtigen Stellen Gewebeproben entnehmen.


Woher rührt die Angst vor einer Darmspiegelung?

Prof. Germer: Die Panik vor der Darmspiegelung rührt von Vermutungen und Gerüchten her. Die meisten Patienten äußern im Vorfeld große Angst, nach der Untersuchung werde diese als längst nicht so schlimm wie befürchtet empfunden. Es gibt drei Fakten, die beruhigen:

  • Die Untersuchung dauert 15 bis 25 Minuten; etwas länger, wenn Polypen entfernt werden. 
  • Über 90 Prozent aller Patienten lassen sich ein kurz wirkendes Beruhigungsmittel spritzen und verschlafen die Untersuchung.
  • 85 bis 95 Prozent aller Tumore werden bei der Darmspiegelung rechtzeitig entdeckt.
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Die Patientenbegleitung – gute Aussichten für Ihren Behandlungserfolg

Unsere Begleitung mit dem gesundheitsservice360° beginnt mit der ambulanten Behandlung – über die stationäre Behandlung bis hin zur Nachsorge. Sie sind nicht allein: Ein persönlicher Gesundheitsberater ist für Sie da. Wir begleiten Betroffene, ihre Angehörigen, Ärzte und Kliniken mit Eintritt eines Akutereignisses und stationärer Behandlung, nicht nur bei Darmkrebs sondern auch bei folgenden weiteren Diagnosen:
  • Brustkrebs
  • Endometriumkrebs
  • Lungenkrebs
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  • mit Informationen über Fachkliniken und Fachärzte
  • bei der Einholung einer Zweitmeinung
  • als Bindeglied zwischen Kunden und den Spezialisten, Krankenhäusern und Fachärzten
  • sofern Fragen entstehen, beim Lesen und Verstehen der Befunde und Berichte
  • bei Fragen zu alternativen Behandlungsmethoden und deren Erstattungsfähigkeit
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Gerne sind wir auf Wunsch auch Ansprechpartner für behandelnde Ärzte und alle anderen Therapeuten.

Ihren persönlichen Ansprechpartner erreichen Sie Mo.- Fr. von 08.00 – 17.00 Uhr unter der Telefonnummer: 0221 148-33966 oder per Mail unter: onkologie@axa.de

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Welche Untersuchungsmethoden gibt es noch?

Prof. Germer: Als Alternative zur Darmspiegelung sind zwei moderne Techniken im Gespräch, die allerdings auch mit Nachteilen belastet sind: Die virtuelle Koloskopie fertigt per Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztherapie (MRT) Aufnahmen vom Darm an. Gegen das CT spricht die Strahlenbelastung, die Untersuchung per MRT gilt als weniger zuverlässig, Bei der sogenannten Kapselendoskopie schluckt man vereinfacht erklärt eine winzige Kamera, die Bilder im Darm macht und dann mit dem Stuhl wieder ausgeschieden wird. Auch diese Methode gilt als noch nicht ausreichend sicher.

Die regulären Früherkennungsuntersuchungen setzen zwei Untersuchungs-Methoden ein:

  • Die körperliche Untersuchung durch Austastung des Mastdarms mit dem Finger ist allein für die Darmkrebsvorsorge nicht ausreichend, da sich viele Tumore außerhalb der Reichweite entwickeln. Es können aber ein Viertel aller Mastdarmtumore entdeckt werden.
  • Der Okkultbluttest untersucht den Stuhl auf verstecktes Blut, das sich mit bloßem Augen nicht erkennen lässt, aber ein Hinweis auf Darmpolypen oder einen bösartigen Tumor sein kann. Etwa 25-30 Prozent der Darmpolypen und frühen Darmkrebsstadien können so gefunden werden.

Und wenn die Diagnose Darmkrebs heißt: Wie stehen die Chancen?

Prof. Germer: Die modernen Darmkrebstherapien ermöglichen höhere Heilungschancen, aber auch eine bessere Lebensqualität: So werden Tumore des Dickdarmes heute in der Regel ohne bleibenden künstlichen Darmausgang operiert. Enorm sind die Fortschritte in der Lebenserwartung: Patienten überleben heute so lange wie nie zuvor.

Die Prognosen sind prinzipiell vom Krankheitsstadium abhängig. Mit erfahrenen Ärzten und modernen Methoden gibt es aber durchaus auch in fortgeschrittenen Stadien Chancen auf Heilung und Verlängerung der Lebenszeit. Wichtige Anlaufstellen sind daher die zertifizierten Darmkrebszentren, die besondere Erfahrung in der Behandlung von Darmkrebs haben und vom Wissen unterschiedlicher Spezialisten profitieren:  

  • Stadium 0 beschreibt die früheste Form von Darmkrebs mit hervorragenden Heilungschancen, der meist entdeckt wird, nachdem ein Darmpolyp bei einer Darmspiegelung entfernt wurde.
  • Darmkrebs im Stadium I kann fast immer dauerhaft geheilt werden, wenn der noch kleine Tumor durch eine Operation restlos entfernt wird.
  • Stadium II gilt ebenfalls noch als Frühstadium mit sehr guten Heilungsraten nach einer Operation.
  • Im Stadium III ist die Erkrankung bereits fortgeschritten und es besteht die Gefahr, dass der Tumor durch die Operation nicht vollständig beseitigt werden kann. Neben der Operation kann eine Chemotherapie oder eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie notwendig sein.
  • Darmkrebs im Stadium IV bedeutet eine derart fortgeschrittene Erkrankung, dass eine Heilung wenig wahrscheinlich ist. In den letzten Jahren wurden aber große Fortschritte bei den Behandlungstechniken entwickelt, die der Lebensqualität und Überlebenszeit der Patienten dienen.

Gibt es besondere Risikofaktoren?

Prof. Germer: Die Ursachen für die Entstehung von Darmkrebs sind nicht vollständig geklärt. Aus der langjährigen Erfahrung sind aber Faktoren bekannt, die das Risiko erhöhen:

  • Familiäre und erbliche Belastung bedeuten eine erbliche Darmkrebsform oder Häufungen von Darmkrebs in der Familie. In jedem Fall sind Menschen, in deren Familien Darmpolypen, Darmkrebs oder andere Krebserkrankungen vorkommen, schon in jungen Jahren in Gefahr und sollten frühzeitig an der Darmkrebsvorsorge teilnehmen.
  • Chronische entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und vor allem Colitis ulcerosa erhöhen das Risiko für die Entstehung von Darmkrebs.
  • Diabetes mellitus Typ 2 stellt ein Risiko wegen der wachstumsfördernden Wirkung des Insulins dar, das die Entstehung und Vermehrung von Tumorzellen begünstigt.
  • Ernährung und Lebensstil sind zumindest als Einflussfaktoren beteiligt, Als problematisch gelten vor allem Übergewicht, Rauchen und Alkoholkonsum.

Kann man sich schützen?

Prof. Germer: Nachweislich fördern regelmäßige körperliche und sportliche Aktivitäten die Abwehrmechanismen des Körpers. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bei etwa 14 Prozent der Darmkrebspatienten körperliche Inaktivität mit eine Ursache für das Entstehen der Krankheit sein könnte.Rauchen ist ein vermeidbares Risiko. Weniger bekannt ist, dass Nikotinkonsum nicht nur das Lungenkrebs- sondern auch das Darmkrebsrisiko erhöht. Bei langjährigen Rauchern werden deutlich mehr gefährliche Darmpolypen gefunden, die eine größere Neigung aufweisen, zu Darmkrebs zu entarten.

Richtig essen und viel trinken gehört zu einer gesundheitsfördernden Lebensweise. Die wichtigsten Empfehlungen sind,

  • viele Ballaststoffe
  • täglich Obst und Gemüse
  • weniger Fleisch
  • weniger Fett, bevorzugt pflanzlicher Herkunft
  • Zucker einschränken
  • täglich viel trinken
  • Alkohol in moderaten Mengen

Wie ist Ihr Fazit an die Leser?

Prof. Germer: Vorsorge ist lebenswichtig. Für alle, die keinem besonderen Risiko ausgesetzt sind, wird die Darmkrebsvorsorge ab dem Alter von 50 Jahren empfohlen. Die gesetzlichen sowie die privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten für den jährlich durchgeführten Stuhltest auf verstecktes Blut sowie die Austastung des Mastdarms. Ab einem Alter von 55 Jahren wird eine Darmspiegelung bezahlt.

Bei Verdacht auf erblichen Darmkrebs können die Vorsorgemaßnahmen bereits im Alter von 10 bzw. 25 Jahren beginnen. Auch bei familiär gehäuftem Darmkrebs sollte die erste Darmspiegelung ab einem Alter von 25 Jahren stattfinden. Für alle Risikogruppen werden die vorgezogenen Vorsorgeuntersuchungen von den Krankenkassen übernommen. Auch die privaten Krankenkassen verzichten in solchen Fällen in vielen Tarifen auf eine Altersgrenze.

Herr Professor Germer, wir danken Ihnen für das informative Gespräch.

Informationstipps:

  • Umfangreiche Informationen online gibt die Felix Burda Stiftung unter www.darmkrebs.de
  • Die blauen Ratgeber der Deutschen Krebshilfe informieren allgemein verständlich über Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge, zu bestellen oder zum kostenlosen Download unter www.krebshilfe.de
  • Nutzen Sie auch das Partnernetzwerk von AXA. Hier finden Sie geeignete Ärzte, Kliniken und Gesundheitszentren nach besonderen Qualitätskriterien ausgewählt, so z.B. die Partner der onkologischen Spitzenmedizin Uniklinik Würzburg (mit Herrn Prof. Dr. med. Germer), die Charitè Universitätsmedizin in Berlin sowie die Unikliniken Köln und Heidelberg. Mit der Spezialistensuche finden Sie schnell einen unserer Partner in Ihrer Nähe.
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