Die häufigsten Irrtümer im Internet – so surfen Sie sicher

Kommunikation, Information, Unterhaltung – das und vieles mehr bietet das Netz der Netze und bestimmt einen Großteil des Lebens der Generation Internet. Doch auch in der virtuellen Welt gibt es Regeln, deren Nichtbeachtung sogar Auswirkungen auf das reale Leben haben können. Viele User gehen sehr unachtsam mit Ihrem Verhalten im Netz um und vergessen dabei die rechtlichen Folgen. Der Jurist Sascha Steidel, Partneranwalt von ROLAND Rechtsschutz, ist Spezialist für die Rechtslage im Internet und klärt über weit verbreitete Rechtsirrtümer auf.




Irrglaube 1: Gegen Cybermobbing hat man keine Chance

Besonders bei Jugendlichen ist Cybermobbing weit verbreitet: Im Rahmen der JIM-Studie (2013) gaben 32 Prozent der 12- bis 19-jährigen Jugendlichen an, dass Sie jemanden in ihrem Bekanntenkreis kennen, der schon einmal im Internet „fertiggemacht“ wurde. Die Opfer fühlen sich zumeist oft machtlos – doch das muss nicht sein. Rechtsanwalt Sascha Steidel empfiehlt den Betroffenen, bereits im ganz frühen Stadium und schon beim anfänglichen Verdacht von Cybermobbing das Gespräch mit dem mutmaßlichen „Täter“ zu suchen und eine Vertrauensperson mit einzubinden. „Zu Beweiszwecken sollten Screenshots gefertigt und gesichert werden. Auch sollte der Seitenbetreiber im Falle eines Mobbingangriffs informiert werden. Häufig gibt es hierzu extra Meldebuttons“, erklärt er. Kommt es zu weiteren Mobbinghandlungen, so rät der Anwalt, den eigenen Account auf dieser Plattform lieber zu löschen. „Es geht in diesem Stadium darum, dem Täter des Cybermobbings möglichst keine Angriffsfläche zu bieten“, weiß der Rechtsexperte. Hilft auch dies nicht weiter, kommt man um eine Anzeige nicht herum und kann mit Hilfe eines Anwaltes gegen strafbare Handlungen vorgehen. Weitere Informationen und Hilfe finden Betroffene unter anderem unter www.klicksafe.de.



Irrglaube 2: Harmlose Online-Beleidigungen sind kein Kündigungsgrund

Eine abfällige Bemerkung über die Frisur der Kollegin, ein nicht ernst gemeinter Kommentar über die Arbeitsweise des Chefs: Wer im Netz austeilt, muss gegebenenfalls auch einstecken – im schlimmsten Fall sogar eine Kündigung. „Ob im Einzelfall eine sofortige fristlose Kündigung rechtmäßig ist, wird von den Arbeitsgerichten je nach Intensität der Beleidigungen unterschiedlich behandelt“, erklärt Rechtsanwalt Steidel. In jedem Fall droht eine Abmahnung und im Wiederholungsfall eine Kündigung. „Im Einzelfall kommt es darauf an, ob die beleidigenden Äußerungen unter die freie Meinungsäußerung fallen und ob die Äußerungen öffentlich sichtbar oder nur für einen bestimmten Personenkreis lesbar waren“, so der Partneranwalt. Grobe Beleidigungen gegen Vorgesetzte oder Kollegen können sogar ohne vorherige Abmahnung eine Kündigung rechtfertigen.


Irrglaube 3: Fremde Fotos und Videos auf der eigenen Seite zu posten ist erlaubt

Fremde Fotos werden weiterveröffentlicht, Videos geteilt: Wer der Meinung ist, dass er zum Beispiel auf seiner Facebook-Seite nur im privaten Rahmen handelt und daher für nichts belangt werden kann, der irrt! „Das Urheberrecht gilt selbstverständlich auch in sozialen Netzwerken uneingeschränkt. Grundsätzlich besteht an kreativen Werken ein Urheberrecht desjenigen, der dieses Werk geschaffen hat“, meint Rechtsexperte Steidel. Es kann sich dabei um Musik, Fotos, Videos oder sonstige Texte mit einer gewissen „schöpferischen Höhe“ handeln. „Allein der Urheber darf entscheiden, ob andere Nutzer seine Werke für eigene Zwecke auf Webseiten einstellen dürfen.“ Der ROLAND-Partneranwalt rät: „Bevor man fremde Werke nutzt, sollte man daher unbedingt um Erlaubnis fragen. Werden Inhalte in ein soziales Netzwerk eingestellt, handelt es sich aus rechtlicher Sicht nämlich nicht mehr um eine rein private Nutzung.“ Hält man sich nicht daran, muss man mit Unterlassungs- oder sogar Schadenersatzklagen rechnen.


Irrglaube 4: Wer auf eine fremde Seite verlinkt, haftet für die dortigen Inhalte nicht

Man findet eine interessante Seite im Netz und verlinkt die eigene auf diese Seite. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass sich auf der verlinkten Webseite verbotene Inhalte befinden – was nun? Die Antwort ist gar nicht so einfach: „Die Rechtslage hinsichtlich der Verantwortlichkeit für Links ist weiterhin äußerst unklar. Empfehlenswert ist es in jedem Fall, kritische Links nicht zu setzen, sondern nur auf solche Webseiten zu verweisen, deren Inhalt im Wesentlichen bekannt ist.“ Auch rät der Anwalt davon ab, sich hierbei auf einen „Disclaimer“ zu verlassen – also einen Hinweis, dass man sich von den Inhalten fremder Seiten distanziert. „Es ist keineswegs rechtssicher, die gängigen ‚Disclaimer‘ zu nutzen, da man sich hier in einer juristischen Grauzone befindet. Es ist umstritten, ob ein solcher Hinweis ausreicht, um sich von den Inhalten zu distanzieren.“ Sicherer ist es, die verlinkten Inhalte von Zeit zu Zeit zu überprüfen – und im Zweifel den Link besser zu löschen.

Risiken im Internet lassen sich zwar nicht ganz vermeiden, doch wenn sie frühzeitig erkannt werden, können schnell Gegenmaßnahmen eingeleitet werden – die im Zweifel Ruf und Konto schützen.


Von nun an sicher im Internet bewegen: „Mein Leben Online“ ist eine neue kostenlose Informations- und Ratgeberseite, die wir im Rahmen unseres Präventions-Projektes „Born to Protect“ entwickelt haben. Umfangreiche Informationen und konkrete Tipps helfen Ihnen, Gefahren im Internet besser zu erkennen und Risiken zu vermeiden. Viele praktische Informationen tragen auch in anderen Lebensbereichen zum bestmöglichen Schutz im Alltag bei, jederzeit abzurufen unter www.meinlebenonline.de.


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