Unterrichtsformen abseits von Regelschulen

Auch eine Alternative für Lehrer ...


Lehrer zu sein, ist oft mehr Berufung als Beruf. Gerade beim Start in das Lehrerleben hat man ein Idealbild vor Augen, ist motiviert und steht hinter dem Schulsystem. Aber das klassische Schulsystem, lässt in manchen Lehrern Zweifel wachsen, ob das wirklich das Richtige ist. Der Traumberuf Lehrer ist nach wie vor gesetzt – aber vielleicht in einer anderen Form. Manche dieser „Querdenker“ haben sich daher entschlossen, Wissen in Schulen mit anderen Werten und Lehrmethoden zu vermitteln – in einer der zahlreichen Alternativen zur Regelschule.

Das klingt interessant für Sie? Dann informieren Sie sich über die Konzepte und Möglichkeiten, die sich auch für Lehrer an diesen speziellen Schulen bieten...

In Deutschland gibt es alternative Schulformen, die unterschiedlich beliebt und verbreitet sind. Die bekanntesten sind Waldorf und Montessori. Es gibt ca. 240 Waldorf und über 400 Montessori-Schulen in Deutschland. Darüber hinaus gibt es noch Freinet-Schulen, Jenaplan-Schulen, Demokratische Schulen, Club of Rome-Schulen und die Mehlhorn-Schulen. Laut einer Forsa-Umfrage würden mehr als ein Drittel aller deutschen Eltern ihr Kind lieber auf eine Schule in freier Trägerschaft schicken und ca. 65 Prozent sind der Ansicht, dass freie Schulen ganz besonders auf die Bedürfnisse von Schülern und Eltern eingehen.

Die Freiheit macht den Unterschied – darauf stützen sich alternative Schulsysteme

Das deutsche Schulsystem wird seit Jahren infrage gestellt – es heißt, dass es zu starr, konservativ und zu sehr auf Leistung getrimmt ist. Das gilt nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrer, die sich mehr Freiheiten im Unterricht wünschen. Während der Unterricht an Regelschulen frontal stattfindet, haben es sich Reformpädagogen wie Rudolf Steiner oder Maria Montessori zur Aufgabe gemacht, den Unterricht erlebnisorientierter und individueller zu gestalten. Das bedeutet für Lehrer nicht, dass die Schüler auf sich alleine gestellt sind und sie sich ein schönes Leben machen können. Ganz im Gegenteil – abseits von standardisierten Lehrplänen geht es darum, die Entwicklung der Kinder individuell zu fördern und auf sie persönlich einzugehen.

Wo steht das Kind in seiner Entwicklung – und wie kann ich es auf den nächsten Schritten begleiten? Das sind Fragen, die sich Reformpädagogen stellen. Dabei nehmen sie sich in ihren Aktivitäten zurück und die Schüler praktizieren „entdeckendes Lernen“, um den Stoff selbst zu erarbeiten. Im Vordergrund steht die Freude am Lernen – nicht die Noten, die es in der Form wie an Regelschulen oft auch gar nicht gibt.


Maria Montessori und ihr Konzept

Pädagogen an Montessori-Schulen versuchen gezielt, den natürlichen Lerntrieb von Kindern zu unterstützen. Dadurch wird dem Forschungsdrang Raum gegeben und selbstbestimmtes Lernen ermöglicht. Der Grundgedanke der Montessoripädagogik lautet somit: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Maria Montessori – die Begründerin dieses Konzepts – sieht in der Entwicklung sogenannte „sensible Phasen“. Das bedeutet, dass Kinder für bestimmte Reize in bestimmten Phasen besonders empfänglich sind und ihnen dann zum Beispiel das Lesen- oder Rechnen-Lernen besonders leicht fällt. Das Kind sollte sich also nur auf ein Lernziel konzentrieren.

Nachdem die Reihenfolge und Dauer der Entwicklungsphasen bei Kindern unterschiedlich sind, findet der Unterricht teilweise in altersgemischten Gruppen statt. Jeder Tag beginnt mit zwei bis drei Stunden, in denen die Schüler frei entscheiden, welches Thema sie wie lange, mit wem und in welchem Umfang behandeln wollen (selbstbestimmtes Lernen). Lehrer greifen nur unterstützend ein und helfen den Schülern, sich selbst zu helfen. Danach findet der gebundene Unterricht in gleichen Altersklassen statt, wobei verschiedene Fächer unterrichtet und auch Hausaufgaben verteilt werden.

Arbeitsmaterialien sind so gestaltet, dass die Schüler den Lernstoff mit allen Sinnen und spielerisch aufnehmen können. Knapp zwei Drittel aller Montessorischulen befinden sich in freier Trägerschaft – sind also Privatschulen, die zum Großteil von den Eltern finanziert werden. In Montessori-Schulen werden Kinder im Regelfall bis zur zehnten Klasse unterrichtet. An ein staatliches Gymnasium oder eine Realschule zu wechseln, ist in der Regel nach einer erfolgreichen Aufnahmeprüfung möglich. In Grund- und Hauptschulen können die Schüler ohne Prüfung wechseln. Somit ist jeder Abschluss möglich.

Weit mehr, als Namen tanzen – Rudolph Steiner und die Waldorfpädagogik

Waldorf-Schüler werden oft belächelt – völlig ohne Grund. Im Gegenteil: Schüler, die nach den Konzepten von Rudolph Steiner – dem Gründer der ersten Waldorfschule – unterrichtet werden, erhalten eine weitaus ganzheitlichere Bildung. Es werden künstlerische, kognitive, kreative, praktische und soziale Fähigkeiten gleichermaßen entwickelt. Das Motto lautet: Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Hauptfächer werden in „Epochen“ unterrichtet – das bedeutet, die Schüler beschäftigen sich über Wochen hinweg mit nur einem Fach. Neben dem Epochenunterricht werden praktische, künstlerische und sprachliche Fächer unterrichtet.

Interessant ist die Verbindung mehrerer Fächer durch Projekte, um eine ganzheitliche Sicht des Unterrichtsstoffs zu vermitteln. Geht es im Geschichtsunterricht z. B. um das Mittelalter, wird im Deutschunterricht mittelalterliche Lektüre gelesen und nachmittags Getreide angebaut. Bücher gibt es an Waldorfschulen keine, die Kinder erarbeiten sich den Stoff selbst. Zahlen werden rhythmisiert, Buchstaben gesungen – beim Ausdruckstanz werden Laute in Bewegung umgesetzt. Das alles soll dazu beitragen, dass Kinder ihren Gefühlen Ausdruck verleihen. Auch die Beurteilung sieht hier völlig anders aus – nicht Noten belegen die Leistung – die Schüler erhalten Zeugnisse, in denen die Persönlichkeitsentwicklung und der Lernfortschritt in Worten beschrieben werden.

Die meisten Klassen bleiben von der Einschulung bis zur letzten Schulstufe zusammen und auch der Klassenlehrer wechselt wenn möglich nicht. Das soll eine stabile und harmonische Umgebung schaffen. Auch ein Sitzenbleiben gibt es nicht. Waldorfschüler besuchen die Schule 12 Jahre und erhalten am Ende einen „Waldorfabschluss", der jedoch staatlich nicht anerkannt ist. Die Schüler können zusätzlich Prüfungen für die staatlichen Abschlüsse der Sekundarstufe I und II ablegen. Für das Abitur müssen sie ein weiteres Jahr zur Schule gehen (13. Klasse). 

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Neben Waldorf und Montessori – weitere alternative Schulen im Überblick

Freinet-Schulen: Kein Frontalunterricht und keine starren Lehrpläne. Im Vordergrund stehen die Individualität der Kinder und deren kritische Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt.
 
Jenaplan-Schulen: Hier ganz wichtig: Gespräch, Spiel, Arbeit und Feier. Der Pflichtlehrstoff wird im Kursunterricht (ähnlich Frontalunterricht) vermittelt. Große und Kleine unterstützen sich gegenseitig und lernen miteinander. Um Probleme zu diskutieren und demokratische Entscheidungen zu treffen, finden Gesprächskreise statt, welche die sozialen Kompetenzen fördern. Bis zur 7. Klasse gibt es anstatt Zensuren einen Arbeits- und Leistungsbericht.

Demokratische Schulen: Hier bestimmen die Kinder mit – es gibt keinen festen Lehrplan und die Schüler bestimmen den Tagesablauf nach ihren Interessen. Alle unterstützen sich gegenseitig und in einer wöchentlichen Schulversammlung werden gemeinsam Entscheidungen getroffen – Lehrer und Kinder haben das gleiche Stimmrecht.

Club of Rome-Schulen: Der Club of Rome wurde 1968 als gemeinnützige Organisation gegründet und setzt sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. Mit diesen Themen setzen sich auch Club of Rome-Schüler intensiv auseinander setzen. Es wird viel Wert auf ganzheitliche Bildungskonzepte und das Lernen über den Schulhorizont hinaus gelegt. Die zentralen Pfeiler sind hierbei Teamarbeit, Respekt und Selbstverantwortung.

Mehlhornschule / BIP Kreativitätsschulen: Das jüngste dieser Schulkonzepte wurde 1997 gegründet. BIP steht für Begabung, Intelligenz und Persönlichkeit, die speziell gefördert werden. Der staatliche Lehrplan wird um bildkünstlerisches Gestalten, musikalisches Gestalten, Tanz / Bewegung, Darstellendes Spiel, Sprachliches Gestalten, Schach, Informatik, Englisch sowie zwei weitere Fremdsprachen erweitert.


Waldorflehrer werden – Waldorflehrer sein

Selbst wenn es in einer Waldorfschule in manchen Bereichen etwas anders zugeht, ist das Vermitteln von Wissen das A und O. Auch wenn Fächer wie Gartenbau, Kunst, Werken, Musik oder Schauspiel einen wichtigen Platz einräumen, heißt es nicht, dass Mathematik, Deutsch, Naturwissenschaften oder Fremdsprachen zu kurz kommen. Es muss auch nicht jeder Waldorflehrer einen grünen Daumen haben oder ein Musiker sein. Auch hier werden Lehrer benötigt, die Wissen und Kreativität einbringen und durch die Unterrichtsgestaltung den Schülern darüber hinaus eine ganzheitliche Wahrnehmung ermöglichen.

Die Ausbildung zum Waldorflehrer dauert in der Regel drei Jahre und ist für Menschen gedacht, die sich beruflich anders oder neu orientieren möchten und schon eine pädagogische oder fachliche Qualifikation mitbringen (Lehrer, Referendare, Pädagogikstudenten – aber auch Handwerksmeister), auf der sich eine Unterrichtstätigkeit aufbauen lässt. Die ersten zwei Jahre werden zumeist in Teilzeit absolviert, im dritten Jahr werden die Teilnehmer an Schulen vor Ort weiter ausgebildet. In Deutschland gibt es elf Waldorflehrer-Seminare und mehr als 40 berufsbegleitende Ausbildungskurse.

„Dass das Leben nicht aus Eurythmie, Malen oder Musizieren besteht, ist allen Waldorfpädagogen klar – aber genau diese Dinge helfen Kindern, das Leben ganzheitlich zu sehen und zu verstehen.“ Gerlinde I. Waldorf-Sportlehrerin.



Die Montessori-Ausbildung

Pädagogen müssen nach Maria Montessori nicht nur einen geeigneten Charakter mitbringen, sondern auch eine umfassende Erziehungskompetenz besitzen. Diese sollte besondere Werte und Fähigkeiten umfassen – wie z. B. die Bereitschaft zum pädagogischen Dienst, das Kind zu Unabhängigkeit und Mündigkeit zu führen, die Individualität und Würde des Kindes zu achten oder entsprechend angepasste Lern- bzw. Lösungsangebote auf wissenschaftlicher Grundlage methodisch effizient zu vermitteln. Die Ausbildung erfolgt zumeist berufsbegleitend nach dem staatlichen Abschluss als Erzieher/in bzw. Lehrer/in. Die Kurse werden direkt oder indirekt über lokale Träger von Montessori-Ausbildungsorganisationen durchgeführt und dauern zwischen 18 und 24 Monate.

„Kindern vorzuschreiben, wie und was sie lernen sollen, erzieht sie nicht zu eigenständigen Persönlichkeiten und stellt die Bedürfnisse hinten an. Wir Montessori-Pädagogen versuchen, dem kindlichen Forschungsdrang nachzukommen und sie viele Dinge selbst erfahren zu lassen.“ Caroline W. Montessori-Lehrerin.

Mehr Informationen zur Waldorf- und Montessori-Pädagogik:

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