E-Bikes – der neue Trend im Straßenbild

Das E-Bike hält immer stärker Einzug in Stadt und Land – mehr und mehr Personen holen sich beim Strampeln Unterstützung von einem Elektromotor. Was genau bringen diese neuartigen Zweiräder, welche Unfallgefahren lauern und wird man auf normalen Fahrrädern in Zukunft nur noch Sportler sehen?




Rückenwind aus der Steckdose

Mit einem E-Bike fährt es sich, als ob man ständig Rückenwind hätte – auch bergauf. Ein Elektrorad ist eigentlich nichts anderes, wie ein normales Fahrrad mit einem unterstützenden Elektromotor. Es gibt vier Kategorien:

  • Pedelec’s: Elektrofahrräder mit limitierter Tretunterstützung 
  • schnelle Pedelec’s: Elektrofahrräder mit unlimitierter Tretunterstützung
  • Elektrofahrräder mit tretunabhängigem Zusatzantrieb
  • E-Roller, E-Scooter: Elektrofahrräder ohne Tretantrieb
Am weitesten verbreitet sind zur Zeit die Pedelec’s, denn diese zählen vom Gesetz her zu den Fahrrädern. Bei dieser Form wird der Fahrer nur mit elektrischer Hilfe unterstützt, wenn er auch selbst tritt. Man benötigt weder ein Versicherungskennzeichen, noch eine Zulassung oder Führerschein für diese bis zu 25 km/h schnellen Flitzer. Für die “S-Klasse”, die schnellen Pedelec’s, verlangt der Gesetzgeber ein Versicherungskennzeichen und mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung. Auch wenn die schnellen Pedelec’s bis zu 45 km/h laufen, besteht weder für sie, noch für die normalen Pedelec’s eine Helmpflicht!


Wohin führt die Reise?

Die Verkaufszahlen von E-Bikes steigen in Deutschland von Jahr zu Jahr. Laut ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) haben sich die Verkaufszahlen in den letzten Jahren von etwa 150.000 Stück (2009) auf ca. 535.000 Stück (2015) vervielfacht – Tendenz steigend. Die Preise hingegen fallen zusehends – günstige E-Bikes erhält man heutzutage bereits ab ca. 1000 Euro.


Enorme Dimensionen im Land der Mitte

Viele der günstigen Elektroantriebe kommen derzeit aus China. In China zeigt sich auch eine wahre Invasion der E-Bikes – in den letzten Jahren stieg die Anzahl dort auf unglaubliche 181 Millionen!


Schneller als gewohnt, ohne Schutzkleidung und Helm!

Der typische Pedelec-Nutzer ist mit seinem E-Bike in der Stadt unterwegs. Flüsterleise bahnt er sich seinen Weg durch den Großstadtverkehr – plötzlich taucht vor ihm eine Dame auf der Straße auf: Vollbremsung. Warum betritt diese Frau die Straße, wenn er doch mit 45 Sachen angeschossen kommt? Ganz einfach: Sie hat ihn nicht gehört!

Dies ist eine der Gefahrenquellen, die mit den E-Bikes auf uns zukommen. Klar, als Fußgänger blickt man immer nach links und nach rechts, aber unterbewusst vertraut man zusätzlich auf sein Gehör. Man hört die Gefahr näher kommen – nicht so bei Elektroantrieben, mit denen Fahrradfahrer viel schneller als normal unterwegs sind. Und damit kommen wir auch schon zur zweiten Gefahr.

Große Gefahr geht auch von der folgenden Situation aus: Der Fahrer ist mit seinem Elektrofahrzeug im Verkehrsgetümmel der Großstadt unterwegs. Plötzlich öffnet jemand in einem parkenden Auto die Autotür. Auch hier kann nur ein beherzter Griff in die Bremshebel einen Unfall verhindern. Aussage des Autofahrers: “Ich habe Sie schon im Rückspiegel gesehen, aber nicht gedacht, dass Sie mit Ihrem Fahrrad so schnell näher kommen.” Alle Verkehrsteilnehmer müssen sich erst an die neue Geschwindigkeit von “Fahrrädern” gewöhnen.


Wenn auch nicht vorgeschrieben – ein Helm sollte selbstverständlich sein

Im Rahmen eines ausgedehnten Crashtests, den AXA in Kooperation mit der DEKRA im schweizerischen Wildhaus am 01. Juli 2010 durchgeführt hat, folgte die Bestätigung, dass ein Unfall mit einem E-Bike schwere Folgen haben kann.

Test und Verletzungen sahen wie folgt aus: Bei der Kollision eines E-Bikes (40 km/h) mit einer sich öffnenden Autotür bremst das E-Bike abrupt ab, der Fahrradfahrer stößt mit dem Oberkörper heftig auf die Oberkante der Autotür, bleibt kurz hängen und fällt dann drehend zu Boden. Dort schlägt er zuerst mit Gesäß und Rücken auf und knallt dann mit großer Wucht auf den Hinterkopf. Dass der E-Bike Fahrer hier völlig unverletzt bleibt, ist sehr unwahrscheinlich. Die Gefahr, dass dieser Unfall schwere Kopfverletzungen nach sich zieht, ist somit außerordentlich hoch.

Aus diesem Grund fordern Unfallforscher eine Helmpflicht für die schnellen E-Bikes. Dazu Bettina Sinzig, Leiterin der AXA Winterthur Unfallforschung: “Wir haben in Tests festgestellt, dass mit Helm die Belastung für den Kopf um über 80% reduziert wird.” Schließlich gilt diese Pflicht ja bereits für Mofa-Fahrer, die in etwa gleich schnell unterwegs sind …

Mittlerweile gibt es speziell für Pedelec-Fahrer entwickelte Schutzhelme, die sich aufgrund ausgeklügelter Be- und Entlüftungs-Technologien bestens für den ganzjährigen Einsatz eignen. Neben dem Sicherheitsaspekt bieten diese Helme im Sommer erhöhten UV-Schutz und in den kälteren Monaten minimiert diese Kopfbedeckung das Erkältungsrisiko.

E-Bike-Crashtest (PDF, 77 KB)

Darf es noch ein bisschen schnittiger sein?

Auch das ist möglich: mit eROCKIT! Der absolute “Ferrari” unter den E-Bikes kommt aus Berlin. Die Funktionsweise basiert auf Muskelkraftmultiplikation der Tretenergie. Die eROCKIT Elektronik registriert die vom Fahrer aufgewendete Muskelkraft und gibt sie multipliziert mit einem Faktor bis zu 50 an das Hinterrad ab. Somit ist sogar eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h möglich.
Hier besteht klarerweise Helmpflicht, da diese elektrische Rennmaschine als Motorrad gilt. Wahrscheinlich nicht jedermanns Sache – aber interessant allemal. Mehr Informationen finden Sie unter www.erockit.net

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich auch ein E-Bike zuzulegen, dann sollten Sie daran denken, dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer erst an Sie gewöhnen müssen – als normaler Fußgänger oder Autofahrer sollten Sie beachten, dass diese Bikes schneller sind, als man denkt …

Weitere nützliche Informationen:

  • Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club.ev: www.adfc.de.
  • In Buchform:
    Das E-Bike: Die neuen Fahrräder mit elektrischer Antriebsunterstützung, Gunnar Fehlau, Peter Barzel, Delius Klasing Verlag, 2009.
Rechtliche Hinweise
Die Artikelinhalte werden Ihnen von AXA als unverbindliche Serviceinformationen zur Verfügung gestellt. Diese Informationen erheben kein Recht auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Bitte beachten Sie dazu unsere Nutzungsbedingungen.