Impfen in der Diskussion

Die Impfbereitschaft in Deutschland ist hoch, allen Parolen von „Impfmüdigkeit“ zum Trotze. Über 90 Prozent der Kinder werden mit dem umfassenden Schutz vor Infektionskrankheiten ausgestattet. Die Zahl der Impfgegner ist mit etwa drei bis fünf Prozent gering, aber sie verschaffen sich Gehör mit Argumenten, die verunsichern können. Das Thema ist wichtig, denn Impfschutz ist nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern nimmt Einfluss auf das Wohlergehen der ganzen Gesellschaft. Im PLUS wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass Sie sich eine fundierte Meinung bilden können.



Im Februar 2015 war die Diskussion um das Impfen wieder in allen Schlagzeilen: Nach dem Willen der Weltgesundheitsorganisation WHO sollten die Masern eigentlich in Europa ausgerottet sein. Doch plötzlich traf eine Erkrankungswelle vor allem Berlin mit weit mehr als 1.000 Fällen, ein Kleinkind starb. Forderungen nach einer Impfpflicht wurden laut. Das neue Präventionsgesetz schreibt jetzt immerhin vor dem Kitabesuch eine Impfberatung vor und erlaubt, beim Auftreten von Masern Ungeimpfte vom Besuch der Schulen und Kitas auszuschließen. Um die Masern zu eliminieren, müssten mehr als 95 Prozent der Bevölkerung die empfohlene Zweifachimpfung erhalten haben. Diese Impfquote wurde bisher aber nur bei Schulanfängern in einzelnen Bundesländern erreicht. Unter dem Wiedererstarken der Masern leidet nicht nur Deutschland: In sieben europäischen Ländern haben sich seit 2014 mehr als 22 000 Menschen mit der Krankheit angesteckt. Und obwohl es eine vorbeugende Impfung gibt, sterben praktisch jedes Jahr bis zu 11.000 Menschen in Deutschland an Grippe, weil zu wenige gefährdete Personen den Schutz nutzen.


Milliarden Leben gerettet

„Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam“, hieß es lange Zeit in bundesweit ausgestrahlten Fernsehspots. 1990 trat in Deutschland die letzte einheimische Poliomyelitis auf. Auch Diphtherie verbreitete noch im letzten Jahrhundert Angst und Schrecken in Kinderzimmern wurde jedoch durch konsequente Impfkampagnen hier und in vielen anderen Ländern nahezu vollständig zurückgedrängt. Der erste große Erfolg in der Geschichte der Impfungen war die Ausrottung der Pocken weltweit. Der englische Landarzt Edward Jenner läutete den entscheidenden Fortschritt der Medizin ein. Er immunisierte 1796 Kinder erstmals mit Kuhpocken gegen die tödlichen Pocken, die seit Jahrtausenden als Geißel der Menschheit galten. Osmanische Ärzte hatten ein Jahrhundert zuvor bereits die Beobachtung genutzt, dass die leichte Form einer Infektionskrankheit den Ausbruch einer schweren Version verhindern kann.


Stoff für Diskussionen

Zwei Drittel der Eltern in Deutschland sprechen sich laut einer Forsa-Umfrage nach der jüngsten Masern-Epidemie für eine Impfpflicht aus. Seit in den 1970er Jahren die gesetzlich vorgeschriebene Pockenimpfung abgeschafft wurde, sind Menschen in Deutschland wie in der Schweiz und in Österreich frei in ihrer Entscheidung. Eine offizielle Richtschnur von Empfehlungen, welche Impfung wann und für wen sinnvoll ist, gibt die Ständige Impfkommission (STIKO) jedes Jahr heraus (zum Download unter www.rki.de). Die Mitglieder sind Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen der Wissenschaft, aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst und der Ärzteschaft. Sie sind zur Neutralität verpflichtet und nehmen ihre Aufgabe als Ehrenamt wahr.

Ihnen gegenüber stehen die Impfskeptiker und Impfgegner, die vor allem Impfungen bei Kindern für unnötig wenn nicht sogar gefährlich halten. Richtig ist, dass Impfstoffe nicht völlig frei von Nebenwirkungen sind. Richtig ist auch, dass ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Impfung und einer beispielsweise allergischen Erkrankung einen Verdacht schürt, aber keinen Beweis darstellt, dass die Impfung die Krankheit verursacht hat. Es gilt, Für und Wider abzuwägen und dabei auch zu bedenken, dass jede persönliche Entscheidung immer auch andere betrifft: Eine Impfung besitzt einen überindividuellen Schutzeffekt. Sie schützt nicht nur den Geimpften, sondern immer auch besonders Gefährdete, die selbst nicht geimpft werden können. 


Was ist dran an den Argumenten gegen das Impfen?

Das Robert Koch Institut beantwortet einige der häufigsten Thesen von Impfskeptikern:

1. Die Wirkung von Impfungen ist nicht belegt.
Ein bekanntes Beispiel für die Wirksamkeit ist die Einführung der Schluckimpfung gegen Kinderlähmung. Während in der Bundesrepublik im Jahr 1961 noch fast 4.700 Kinder an Kinderlähmung erkrankten, waren es im Jahr 1965 bereits weniger als 50 Kinder.

2. Das Durchmachen von Krankheiten ist für eine normale Entwicklung des Kindes wichtig und bewirkt einen besseren Schutz als eine Impfung.
Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die zeigen, dass sich nicht geimpfte Kinder geistig oder körperlich besser entwickeln als Geimpfte. Dagegen ist die Erkrankung häufig, bestes Beispiel sind Masern, mit deutlich größeren Gefahren verbunden als die Impfung.

3. Ein Baby bekommt mit der Muttermilch natürliche Abwehrstoffe, die als Schutz ausreichen.
Tatsächlich erhält bereits das ungeborene Kind über den Blutkreislauf Antikörper, mit der Muttermilch bekommt der Säugling weitere Abwehrstoffe. Dieser sogenannte Nestschutz ist jedoch nur in den ersten Lebensmonaten eine Stütze für das kindliche Immunsystem – umfassend ist er nicht.

4. Die Nebenwirkungen und Risiken von Impfungen sind unkalkulierbar.
Es ist unbestritten, dass Impfstoffe Nebenwirkungen haben können. Einen Nachweis dafür, dass Erkrankungen wie Autismus, Diabetes oder Multiple Sklerose als Folge von Impfungen entstehen, gibt es allerdings bis heute nicht, vielmehr sprechen die Ergebnisse zahlreicher Studien dagegen.

5. Es gibt Ärzte, die vom Impfen abraten.
Nur wenige Ärzte sind gänzlich gegen das Impfen. Dabei spielen auch persönliche Erfahrungen, religiöse oder philosophische Überzeugungen eine wichtige Rolle.

6. Mit Impfungen will die Pharmaindustrie nur Geschäfte machen.
Das Ziel von Unternehmen ist es, mit ihren Produkten Geld zu verdienen. Allerdings dürften Medikamente für chronisch Kranke, die ein Leben lang eingenommen werden müssen, mehr Gewinn einbringen als Impfstoffe, die in der Regel nur wenige Male verabreicht werden.


Schutz für Kinder, ja oder nein?

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte: „Impfungen sind wichtig, damit ein Kind frühzeitig einen ausreichenden Schutz gegen schwere Infektionen aufbauen kann.“

Der Verband unabhängiger Heilpraktiker: „Impfungen können für Kinder bis zu einem Alter von sechs Monaten gefährlich sein, weil ihr Immunsystem noch nicht ausreichend aufgebaut ist.“

Die „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ sind ausdrücklich keine Impfgegner. Sie sprechen sich aber insbesondere bei Kindern dafür aus, zwischen den Risiken der Erkrankung und dem mit der Impfung verbundenen Eingriff abzuwägen. Auf der Homepage www.individuelle-impfentscheidung.de gibt der Verein auch Informationen über alternative Impfstrategien.

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*Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut


Standardempfehlungen für Kinder (nach STIKO)

 
 
Tetanus
ab 2 Monaten, Auffrischung ab 5-6 Jahren
Diphterie
ab 2 Monaten, Auffrischung ab 5-6 Jahren
Pertussis (Keuchhusten)
ab 2 Monaten, Auffrischung ab 5-6 Jahren
Haemophilus Infuenza Typ b
ab 2 Monaten
Poliomyelitis (Kinderlähmung)     
ab 2 Monaten, Auffrischung mit 5-17 Jahren
Hepatitis B
ab 2 Monaten
Pneumokokken
ab 2 Monaten
Rotaviren
ab  6 Wochen
Meningokokken
ab 12 Monaten
Masern
ab 11 Monaten
Mumps, Röteln
ab 11 Monaten
Varizellen (Windpocken)
ab 11 Monaten
Humanes Papillomvirus HPV (Risiko für Gebärmutterhalskrebs)   
bei Mädchen ab 9 Jahren
Alle Impfungen, die von der Ständigen Impfkommission empfohlen werden, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.


Grundausstattung für Erwachsene (nach STIK)

  • Diphterie, meist als Kombination mit Tetanus und Keuchhusten, Auffrischung nach 10 Jahren
  • Masern, Mumps, Röteln (MMR) als Kombination bei allen nach 1970 geborenen Erwachsenen
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung) mit einmaliger Auffrischung
  • Tetanus, Auffrischung alle 10 Jahre
Eine versäumte Auffrischung kann übrigens jederzeit nachgeholt werden. Der nächste Arztbesuch könnte zum Beispiel Gelegenheit sein, den Impfstatus zu überprüfen und den Impfpass zu aktualisieren. Denn nur mit einer aufgefrischter Impfung bleit der optimale Schutz gewährleistet.


Impf-Optionen für besondere Risiken

  • Cholera bei Reisen in Infektionsgebiete 
  • FSME (durch Frühsommer-Meningoenzephalitis Zecken) in Risikogebieten
  • Gelbfieber bei Reisen in Risikogebiete (Tropen)
  • Hepatitis A für Risikogruppen und auf Reisen in Risikogebiete
  • Hepatitis B für Risikogruppen und auf Reisen (z.B. helfende Berufe)
  • Influenza bei Personen über 60, Schwangeren und Menschen mit Gesundheitsgefährdungen
  • Japan-Enzephalitis bei Reisen in Risikogebiete
  • Meningokokken-Infektionen für gefährdete Personen und bei Reisen in Risikoländer
  • Pneumokokken bei Personen über 60 Jahre und Menschen mit Gesundheitsgefährdungen
  • Röteln für Frauen im gebärfähigen Alter mit unklarem Impfstatus oder mit einer bzw. keiner Impfung
  • Tollwut gefährdete Berufsgruppen, Reisen in gefährliche Regionen (streunende Hunde)
  • Varizellen (Windpocken) bei gefährdeten Personen
Die Kostenübernahme für die Impfungen in Sonderfällen wird im Einzelfall geprüft, Kosten für Reiseimpfungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland nicht. Dazu eine interessante Zahl am Rande: 1.530 Euro gibt die Gesetzliche Krankenversicherung aus, um eine Frauen ein Leben lang vor 15 Infektionskrankheiten zu schützen. Männer liegen mit 1.195 Euro etwas günstiger. (Quelle: Sanofi Pasteur 2015)


Wenn die Forschung Leid erspart

Der wissenschaftliche Fortschritt ermöglicht heute Impfungen, von denen frühere Generationen nur träumen konnten. Hier eine Auswahl von neuen Impfstoffen , die zurzeit getestet werden:

Gürtelrose:
Die äußerst quälende und langwierige Erkrankung Herpes zoster kann im Alter oder bei schwachem Immunsystem Menschen befallen, die sich einmal mit Windpocken infiziert hatten. Ein neuer verbesserter Impfstoff soll den Ausbruch einer Gürtelrose jetzt sicher verhindern.

Malaria:
Endlich steht ein Impfstoff kurz vor seiner Zulassung. Er ist aber nicht für Afrikaurlauber gedacht, sondern für die mehr als eine halbe Million Menschen, die jährlich an Malaria sterben, darunter vor allem Kinder unter fünf Jahren.  

Tuberkulose: Alle 15 Sekunden stirbt ein Mensch daran. Bislang gibt es keinen ausreichend wirksamen Impfstoff gegen das Mycobacterium tuberkulosis, lediglich einen Schutz für Säuglinge in den ersten zwei Lebensjahren. Jetzt wird in klinischen Studien ein vielversprechender neuer Impfstoff erprobt.

Impfen ohne Spritze: Nasensprays sollen in Zukunft das Impfen vom gefürchteten Piecks erlösen. Doch noch ist das Problem nicht gelöst, wie der Impfstoff durch die wehrhafte Schleimhaut unbeschädigt an sein Ziel gelangt.

Borreliose: Ein Impfstoff gegen die heimtückische Infektionskrankheit nach Zeckenbissen befindet sich in fortgeschrittener Erprobung.

MRSA: Auch ein Impfstoff gegen den gefürchteten multiresistenten Krankenhaus-Keim ist im Test.


Diese Infotipps helfen bei der verantwortungsbewussten Entscheidung:

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt ausführliche Informationen unter www.impfen-info.de

Der Verein „Ärzte für individuelle Impfentscheidungen trägt Argumente bei unter www.individuelle-impfentscheidung.de


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