Unfallgefahren-schlechte-Sicht

Fahrerassistenzsysteme und die Zukunft der Mobilität

Wenn Autos mitdenken 

Moderne Autos piepsen und blinken ständig. Gurt nicht angelegt – PIEP. Licht nicht ausgeschaltet – PIEP. Handbremse nicht angezogen – PIEP. Einen Autofahrer des letzten Jahrhunderts würde das verrückt machen, denn da gab es noch keine Warn- und Signaltöne, wenn eine Türe offen stand oder der Ölstand zu niedrig war. Heute hat man sich an mitdenkende Autos gewöhnt und erkannt, dass solche Informationssysteme sehr sinnvoll und hilfreich sind. Aber die Entwicklung geht noch viel weiter. Autos, die bei zu geringem Abstand eigenständig abbremsen, Lenkrad-Rütteln beim Überfahren einer Markierungslinie etc. sind bereits in vielen Fahrzeugen Standard. Wohin wird dieser Trend führen? Müssen wir uns als Fahrer bald um nichts mehr kümmern – nur noch reinsetzen und Passagier sein?

Aus welchen Gründen sind die unterschiedlichen Systeme entstanden?

Viele können sich noch an Urlaube mit den Eltern erinnern. "Bella Italia" stand damals ganz besonders hoch im Kurs, denn das war einigermaßen bequem und schnell mit dem Auto erreichbar. Aber auch dorthin mussten stundenlange Autofahrten in Kauf genommen werden. Die Eltern steuerten das Auto müde in Richtung Sonne und die Kinder schlummerten auf der Rückbank – ohne Kindersitz und Anschnallgurt. Heute ist das nicht mehr denkbar. In Bezug auf die Fahr- und Verkehrssicherheit hat sich in den letzten 40 Jahren einiges getan. Vorreiter war die Einführung der Gurtpflicht in den 1970er Jahren. Danach folgten Airbags und verbesserte Knautschzonen. All das waren passive Sicherheitssysteme, denen nach und nach auch aktive Systeme folgten.

Alleine durch die passiven Systeme konnte die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle deutlich gesenkt werden. Kamen im Jahr 1970 in Deutschland noch rund 21.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, betrug die Anzahl der Verkehrstoten 2014 noch ca. 3.300. Das ist immer noch zu viel, aber eine deutliche Verbesserung, die zu einem großen Teil den neuen Sicherheitssystemen zu verdanken ist.

Des einem Schaden – allen anderen ein großer Nutzen

Können Sie sich noch an den „Elchtest“ der Mercedes A-Klasse im Jahr 1997 erinnern? So bitter das auch für den Autohersteller war, diese Situation hat enorm viel zur Sicherheit beim Autofahren beigetragen. Denn von da an war der Siegeszug von ESP-Systemen, die ein ähnliches Umkippen wie mit der damaligen A-Klasse verhindern, nicht mehr aufzuhalten. Heute gibt es kaum noch Neuwagen ohne ein Antischleudersystem am Markt. 

Die Funktionsweise von Fahrassistenzsystemen

Assistenzsysteme sind elektronische Zusatzeinrichtungen in Fahrzeugen zur Verbesserung der Sicherheit und des Komforts. Diese Systeme unterstützen und korrigieren den Fahrer in bestimmten Fahrsituationen. Abhängig vom System und der Wirkungsweise, warnen Sie akustisch, optisch oder spürbar vor Gefahren und kritischen Fahrsituationen oder sie greifen sogar unterstützend auf Lenkung, Gas oder Bremsen des Fahrzeugs ein. Dabei erkennen und bewerten sie Situationen binnen Millisekunden durch Radar, Ultraschall, Kameras und Sensoren im Motor- sowie Fahrwerksbereich. 

Die Daten dieser Sensoren laufen über Datenleitungen in Steuergeräte, wo sie nahezu in Echtzeit ausgewertet werden und den ausführenden Systemen Impulse geben, um entsprechend zu handeln. Als Fahrer hat man es allerdings nicht einfach, die von den Herstellern angebotenen Systeme einzuordnen, denn die Bezeichnungen sind nicht standardisiert und können von Automarke zu Automarke unterschiedliche Namen haben. Auch die Funktionen können sich unterscheiden, da gesetzlich geregelte oder standardisierte Mindestanforderungen bis dato nicht existieren. Eine eingehende Beratung beim Autokauf ist daher sehr zu empfehlen. 

Überblick über die derzeit am häufigsten eingesetzten Systeme

Antiblockiersystem (ABS): Eines der ältesten, wirksamsten und wichtigsten Systeme, dass heute in nahezu allen neuen Fahrzeugen serienmäßig ist. ABS verhindert das Blockieren einzelner Räder während des Bremsvorgangs und erhält die Lenkfähigkeit bei Vollbremsung.

Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP): Einzelne Räder werden gezielt abgebremst, um dem Ausbrechen des Wagens entgegenzuwirken. Neueste Systeme unterstützen auch durch elektrische Lenkeingriffe und sorgen für Stabilität des Gespanns bei Anhängerbetrieb.

Tempomat (GRA): GRA steht für Geschwindigkeitsregelanlage – und genau das macht sie auch: Sie regelt präzise die eingestellte Geschwindigkeit. Manche verhindern darüber hinaus als Abstandsregeltempomat (ACC) das Auffahren auf langsamere Fahrzeuge. Die neuesten ACC+ übernehmen auch das Abbremsen bis zum Stillstand und Stop & Go im Stau.
Antriebsschlupfregelung (ASR): Verbessert das Anfahrverhaltens beim Beschleunigen.

Bremsassistent (BAS): Unterstützt beim Bremsen durch Regeln des Bremsdrucks.
 
Die Berganfahrhilfe wirkt als automatische Handbremse. Im Gegenzug dazu regelt die Bergabfahrhilfe die Geschwindigkeit beim steilen Bergabfahren.

Elektronische Differenzialsperre (EDS): Verteilt das Antriebsmoment auf die Räder und verhindert auf glattem Untergrund das Durchdrehen einzelner Räder.

Spurhalte-Assistent: Warnt den Fahrer bei unbeabsichtigtem Verlassen des Fahrstreifens, wenn der Blinker nicht gesetzt ist.

Totwinkel-Assistent: Kritische Annäherung eines Fahrzeuges auf versetzter Spur wird erkannt und der Fahrer durch Warnlicht (an Außenspiegeln) oder Warnton gewarnt.

Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS): Überwacht ständig den Luftdruck der Reifen.
Aufmerksamkeitsassistent: Warnt den Fahrer, wenn eine kleine Kamera erkennt, dass das Lenkverhaltung oder die Blickführung auf Müdigkeit schließen lässt. 
 
Einpark-Assistent: Gibt einen Signalton, wenn der Abstand zu anderen Fahrzeugen oder Gegenständen zu gering wird. Manche Systeme parken selbstständig längs oder quer ein.

City-Safety (Notbremse mit Personenerkennung): Bis ca. 30 km/h wird bei Fußgänger- und Fahrraderkennung nach einer Kollisionswarnung die Notbremsung aktiviert.

Unfallerkennung / Insassenschutz (Pre-Safe-System): Bei Unfallerkennung werden die Bremse und die Gurtstraffer aktiviert und Sitzlehnen aufrecht gestellt. Seitenscheiben und Schiebedach werden geschlossen.

Dahin geht die Reise – Neuigkeiten aus Forschung und Entwicklung

Die Entwicklung der Assistenzsysteme hat ein grundlegendes Ziel, das in Zwischenschritten über die nächsten Jahrzehnte realisiert werden soll: Das vollständig autonome Fahren von Fahrzeugen. Bis dahin wird es weitere Verbesserungen der derzeitigen Systeme geben, die das Autofahren erleichtern und sicherer machen. Aktuell konzentriert sich die Forschung und Entwicklung auf das Ausweiten der sensorbasierten Anwendungen sowie auf die Vernetzung der Fahrzeuge. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass Eingriffe, Warnungen und Hinweise stärker in Verbindung mit dem Verhalten des Fahrers erfolgen. Der Fahrer soll nicht von den Systemen überrascht oder bevormundet werden – Mensch und Maschine sollen als Einheit funktionieren. Wichtige Themen bei diesen Mensch-Maschinen-Schnittstellen sind die Einführung von berührungsempfindlichen Eingabefeldern bei gleichzeitiger Reduktion gewohnter Bedienelemente. Alles in allem soll die Bedienung intuitiver werden und mobile Endgeräte stärker integriert (Smartphone etc.).

Bis diese Entwicklungen soweit sind, sollte man beim Neuwagenkauf darüber nachdenken, mehr in Fahrerassistenzsysteme zu investieren und nicht so sehr in die optische Ausstattung. Denn schöne Alu-Felgen oder eine Metallic-Lackierung schützen nicht vor Unfällen...  

Mehr über das Thema Verkehrssicherheit und wie die Deutschen aktuell darüber denken, erfahren Sie im AXA Verkehrssicherheitsreport

Rechtliche Hinweise

Die Artikelinhalte werden Ihnen von AXA als unverbindliche Serviceinformationen zur Verfügung gestellt. Diese Informationen erheben kein Recht auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Bitte beachten Sie dazu unsere Nutzungsbedingungen.