„Freude über jeden guten Tag“ - Leben mit Alzheimer

Serie Demenz - Teil 3

Gibt es ein Leben mit Alzheimer? Die Antwort ist so individuell wie alles an dieser Krankheit. Keine zwei Fälle lassen sich vergleichen. Aber viele Erkenntnisse der Forschung, immer neue praktische Ratgeber und Erfahrungen deuten darauf hin, dass Lebensqualität möglich ist.

Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind an einer Demenz erkrankt, die meisten in der Altersgruppe ab 80 Jahren. Zwei Drittel von ihnen leiden unter der Alzheimer Krankheit. Diese Form der Demenz zeichnet sich durch einen schleichenden Beginn und eine allmähliche Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten über viele Jahre aus, während körperliche Symptome in den ersten Stadien der Krankheit fehlen. Die Diagnose ist schockierend. Aber entgegen des Bildes, das in der Öffentlichkeit so ausschließlich düster gezeichnet wird, bedeutet sie nicht das Ende aller Lebensqualität. 



Die häufigste Form der chronisch fortschreitenden Störung des Gehirns ist die Alzheimer Krankheit, bei der Nervenzellen unwiderruflich zugrunde gehen. Zweithäufigste Form ist die vaskuläre Demenz mit Durchblutungsstörungen, die auch plötzlich und mit ähnlichen Symptomen wie denen eines Schlaganfalls auftreten können. Seltener mit bis zu 10 Prozent aller Fälle sind sogenannte sekundäre Demenzformen, die durch nicht-hirnorganische Grunderkrankungen hervorgerufen werden und sich bei deren erfolgreicher Behandlung auch zurückbilden können – Morbus Parkinson gehört dazu.

Zwei Drittel der Demenzpatienten leiden unter der Alzheimer Krankheit, deren Ursachen bis heute nicht erforscht sind. Diese Form der Demenz zeichnet sich durch einen schleichenden Beginn und eine allmähliche Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten über viele Jahre aus, während körperliche Symptome in den ersten Stadien der Krankheit fehlen. Die Diagnose ist schockierend. Aber entgegen des Bildes, das in der Öffentlichkeit so ausschließlich düster gezeichnet wird, bedeutet sie nicht das Ende aller Lebensqualität. 



Ein lebenswertes Leben mit Alzheimer

„Man muss sich der Krankheit entgegenstrecken und auch mal die Dinge annehmen, die schön sind." sagt Bettina Michel. Die Tochter von Rudi Assauer betreut den an Alzheimer erkrankten Manager von Schalke 04 seit drei Jahren rund um die Uhr. Ihre Erfahrungen hat sie in einem Ratgeber niedergelegt, der neben praktischen Tipps vor allem das Plädoyer für eine positive Sicht enthält: „das Beste aus der Situation machen und so viel normales Leben wie möglich zulassen“.

Experten stimmen zu: „So schockierend die Gewissheit nach einer Demenzdiagnose auch sein mag − es gibt ein lebenswertes Leben danach. Die Beschwerden lassen sich mit einer passenden Behandlung lindern, der Verlauf der Krankheit kann verzögert werden. Auf den Verlauf der Krankheit abgestimmt, kommen bei der Therapie der Alzheimer-Demenz Medikamente ebenso zum Einsatz wie nicht-medikamentöse Behandlungsmaßnahmen.“ (Alzheimer Forschung Initiative e.V.)



„Uhren-Test“ – so funktioniert er

Demenzerkrankungen wie Alzheimer entwickeln sich über mehrere Jahre jenseits des 60. Lebensjahres hinweg. Symptome werden daher häufig als Altersschwäche gedeutet  und die Betroffenen zögern einen Besuch beim Arzt immer wieder hinaus. Der sogenannte  „Uhren-Test“ liefert erste Hinweise über eine mögliche Erkrankung und deren Verlauf. Dabei bekommt der Betroffene ein Blatt Papier vorgelegt, auf dem ein leerer Kreis zu sehen ist. In diesen Kreis soll er nun die Ziffern 1-12 eintragen. Anschließend muss der Patient bestimmte Uhrzeiten eintragen. Während im Anfangsstadium von Alzheimer die Abweichungen noch relativ gering sind, ordnen die Betroffen im fortgeschrittenen Stadium bereits Zahlen falsch an. Oft ist die Schrift kaum mehr lesbar oder die Uhr nicht mehr als solche zu erkennen. Der Uhren-Test kann nur einen ersten Hinweis auf eine Alzheimer-Erkrankung geben. Eine genaue Diagnose kann nur ein Facharzt vornehmen.



Keine Heilung, aber Hoffnung auf Lebensqualität

Die Perspektive der Hoffnungslosigkeit hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Lange Zeit ging man davon aus, dass es nicht möglich ist, mit dementen Menschen zu kommunizieren, ihre Bedürfnisse zu verstehen und ihnen damit zu einem erträglichen Leben zu verhelfen. Eine offenere Sicht auf die Krankheit erfasst heute nicht nur die Verluste, sondern gleichzeitig auch die verbliebenen Ansätze für eine - wenn auch veränderte - Lebensqualität: Während logische Bezüge und die Fähigkeit der kognitiven Informationsverarbeitung zunehmend verloren gehen, sind Alzheimer-Patienten auf emotionaler Ebene besser ansprechbar und bleiben es lange.
 
Für das Zusammenleben ergeben sich daraus Chancen. Zwei von drei Alzheimer-Patienten leben in privaten Haushalten, meist mit Ehepartner, erwachsenen Kindern oder anderen nahen Angehörigen. Die familiäre Umgebung und das Zusammensein mit vertrauten Menschen ist eine große Hilfe für Demenzkranke, die ja unter Fremdheitsgefühlen und Orientierungsstörungen leiden. Die Angehörigen erbringen diese Unterstützung meist unter großer persönlicher Belastung. Positive Sichtweisen in den Alltag einzubauen, klingt erst einmal nach einer Unmöglichkeit. Erfahrungen zeigen aber, dass es gelingen kann und dass kleine und kleinste Veränderungen einen bedeutenden Gewinn an Lebensqualität für beide, Kranke und Pflegende, bedeuten.



So viel normales Leben wie möglich

Die „Mängel" und „Fehlleistungen" der Erkrankten verstellen oft den Blick auf noch Vorhandenes. Damit verstreichen viele Chancen auf bessere Lebensqualität ungenutzt. Hilfreicher als die Betrachtung der Verluste ist die Besinnung auf Ressourcen: Was kann sie/er noch? Wie kann ich sie/ihn dabei unterstützen? Was macht ihr/ihm Spaß? So kann es gelingen, sich gemeinsam an Dingen zu erfreuen und dabei auch noch Erfolgserlebnisse zu schaffen, die therapeutisch außerordentlich wertvoll sind. Besonders bei fortgeschrittener Krankheit ist die Flucht in Untätigkeit häufig. Ruhepausen sind notwendig, aber der Rückzug ins Bett ist Gift. Motivierend wirken Angebote von Tätigkeiten, die zum täglichen Leben gehören. Einfache Hilfeleistungen im Haushalt sind zum Beispiel ideale Anknüpfungspunkte. Was im Einzelfall Spaß macht – und nur darauf kommt es an – liegt natürlich individuell im Wesen und in der Biographie des Erkrankten. In jedem Alltag finden sich zahlreiche Gelegenheiten, verbliebene Fähigkeiten auf einfache Art zu aktivieren.

Lesen Sie gleich, wo Sie Ansätze für mehr Lebensqualität in Ihrem Alltag finden.

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA

Lichtblicke zu jeder Tageszeit in der Pflegewelt von AXA
 
Chancen, Hoffnungen, Auswege und Alternativen zeigt die Pflegewelt von AXA bei allen ihren Themen. Wir möchten Mut machen mit guter Information. Und wenn Sie nicht mehr weiter wissen, wollen wir Sie gerne an der Hand nehmen und Sie mit gutem Rat von verständnisvollen Experten und praktischen alltagstauglichen Tipps ein Stück begleiten.
 
Sehr beliebt ist deshalb die Rubrik PflegeTIPP. Hier werden in kurzen Filmen schwierige Themen verständlich gemacht. Betroffene und Angehörige finden einfühlsame Unterstützung. Neu ist der Film über das Zusammenleben mit Alzheimerpatienten. Sie werden sich ermutigt fühlen und können sich  am Ende des Films ein praktisches Infoblatt mit den wichtigsten Verhaltens-Tipps in Kompaktform herunterladen.
 
Schalten Sie ein, schauen Sie sich in der Pflegewelt an, dass Lebensqualität trotz Alzheimer möglich ist.  
 
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Und wenn Sie sich über eine sinnvolle Absicherung informieren möchten, erklären wir Ihnen die besonderen Vorteile der Pflegevorsorge VARIO von AXA.


Zum Ausprobieren: sechs einfache praktische Übungen für Lebensqualität


  • Bewegung mit Unterhaltungswert wie Tanz, Spazierengehen, Ballspiele
  • Musik aktiv anhören: mitsingen, den Rhythmus klopfen oder dirigieren
  • Körperpflege mit wohlriechenden und sensorisch angenehmen Cremes oder Lotionen  und mit weichen Bürsten
  • Tätigkeiten in Haus oder Garten, die an frühere Fähigkeiten und Interessen anknüpft
  • Wahrnehmungsübungen und Sinnesanregungen mit Gewürzen und Kräutern
  • Wiederbeleben von Erinnerungen und vertrauten Aktivitäten mit Büchern und Fotografien

Therapieziel Lebensqualität

Die medikamentöse Therapie von Alzheimer richtet sich in erster Linie auf die Linderung der Symptome und die Behandlung möglicher Begleiterkrankungen. Daneben stehen heute zahlreiche begleitende Behandlungsmethoden zur Verfügung, die helfen können, die Teilnahme am Leben so lange wie möglich aufrechtzuerhalten und die sich mit positiven Auswirkungen auf die Gemütslage bewährt haben.


Hier eine aktuelle Übersicht der Alzheimer Forschung:

Verhaltenstherapie
ist ein psychotherapeutisches Verfahren für Demenzkranke, das im Frühstadium zur Bewältigung von Angst, Wut oder Depressionen eingesetzt wird. 
         
Physiotherapie wirkt als Bewegungstherapie körperlichen Beschwerden entgegen und hat Einfluss auf das Verhalten und die Körperwahrnehmung.
 
Ergotherapie kann durch funktionelle, spielerische, handwerkliche und gestalterische Techniken die praktischen Alltagshandlungen wiederherstellen oder so lange wie möglich erhalten. Besonders gute Ergebnisse werden erzielt, wenn die Therapie im häuslichen Umfeld stattfindet.
         
Gedächtnistraining  oder kognitives Training wird für Patienten im leichten bis mittleren Stadium eingesetzt und besteht aus Konzentrationsübungen, Merkspielen und Übungen zur geistigen Flexibilität. Die Frustrationsgefahr ist hoch durch die sehr schulische Art der Therapie.


Realitäts-Orientierungs-Training unterstützt die räumliche und zeitliche Orientierung und ist geeignet für alle Stadien der Erkrankung.  
       
Biografiearbeit oder Erinnerungstherapie ist ein Verfahren, bei dem Erinnerungen des Patienten aktiv wiederaufleben sollen und Erlebnisse aus der Vergangenheit verarbeitet werden. Die Methode stützt sich auf das Langzeitgedächtnis und ist mit Hilfsmitteln wie Fotoalben oft lange möglich.
         
Musiktherapie besteht aus gemeinsamem Musizieren, Singen und Tanzen. Positive Effekte sind auch in späteren Stadien der Alzheimer-Krankheit spürbar.
         
Tiergestützte Therapie setzt speziell ausgebildete Kleintiere, aber auch Hunde oder Schweine ein. Der Kontakt mit Tieren soll die Kommunikation fördern, wenn Ausdruck mit Sprache nicht mehr möglich ist.
 
Snoezelen ist eine Therapie auf der sensorischen Ebene (Snoezelen aus dem Niederländischen, sprich: „snuselen“) bei der Licht, Klang, Berührung, Geschmack oder Duft zum Einsatz kommen. Diese Therapieform ist für jedes Stadium geeignet.

Wichtig ist, dass Alzheimer nicht in ein dunkles Licht getaucht wird, sondern zu erkennen, dass es auch viele schöne Erlebnisse gibt, wie Situationskomik oder auch Erzählungen aus der Vergangenheit, in die der Erkrankte sehr klar blicken kann. Also gut hinhören und mitschreiben, denn es gehen mit der Erkrankung auch immer Zeitzeugen verloren…



Lesetipps:

  • Alles über Demenz und Alzheimer im Besonderen, Ursachen, Risiken, Symptome, Diagnostik, Therapie und Pflegetipps in der Pflegewelt von AXA.
  • Alles über Momente der Freude miteinander mit vielen praktischen Tipps in „Papa ich bin für Dich da“ von Bettina Michel über ihr Leben mit Rudi Assauer, mvg Verlag
  • Alles über eine gute Zukunft, die möglich sein kann in „Friedenschließen mit Demenz“ von Susanne Bode, bei Klett-Cotta
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