Ernährung gegen Depressionen

Lebensmittel als Therapie?


Nährstoffe für die Seele beschäftigen Forscher schon seit vielen tausend Jahren. Der antike Arzt Hippokrates war sicher: „Was wir essen, bestimmt das Gemüt“. Das Thema ist brisant, seit Depressionen auf dem Weg zur zweithäufigsten Volkskrankheit sind. Nicht nur der Therapie mit Nährstoffen gilt die Hoffnung der Forschung, sondern vor allem einer möglichen Prävention durch gesunde Ernährung. In zahlreichen Studien gehen Wissenschaftler den Spuren wirksamer Nährstoffe nach -  wir bringen Sie auf den neusten Stand des Wissens.

„Mood Food“ ist das Schlagwort zwischen Trend und Wissenschaft. „Wie man durch Essen glücklich wird“ raten populäre Bücher, Zeitschriften und Blogs und geben einfache Rezepte: Man nehme Ingwer, Beeren, Vanille, Fisch, dunkle Schokolade, warme Milch mit Honig, Nudeln mit Parmesan, Datteln und Bananen. Die Erklärung ist griffig: Lebensmittel, die den Eiweißbaustein Tryptophan enthalten, steigern das sogenannte „Glückshormon“ Serotonin.

„So einfach ist das nicht“, sagt die Wissenschaft. Es gibt Anhaltspunkte für einen Einfluss der Ernährung auf die Psyche, doch noch versteht man nicht ausreichend, wie bestimmte Nährstoffe aufs Gehirn wirken. „MooDFOOD“ nennt sich daher auch ein großes europäisches Forschungsprojekt, das die Rolle des Ernährungsverhaltens bei der seelischen Gesundheit untersuchen soll. Das Ziel ist es vor allem, Ernährungsstrategien zu finden, die womöglich einer Depression vorbeugen können. 


Hoffnung auf Rezepte gegen die große Traurigkeit

Depressionen sind auf dem Vormarsch. Rund vier Millionen Menschen sind in Deutschland schon heute von depressiven Episoden betroffen, fast jeden Fünften ereilt die Störung einmal im Leben. Bis 2020 wird die Depression nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation weltweit die zweithäufigste Volkskrankheit sein, gemessen mit dem Indikator YLD (years lost due to disability = Verlust von gesunden Lebensjahren durch gesundheitliche Einschränkungen) sogar die bedeutendste Krankheitsursache überhaupt. Meist verläuft die Erkrankung in Phasen, die von Monaten bis zu Jahren dauern können. Mehr als die Hälfte der Patienten erkranken nach einer ersten depressiven Episode erneut. Nach der dritten Episode erhöht sich diese Wahrscheinlichkeit sogar auf 90 Prozent, manche Erkrankungen entwickeln sich chronisch.

Die Kombination von Medikamententherapie mit Antidepressiva und Psychotherapie erzielt zwar gute Erfolge. Sorge macht den Experten aber, dass bis zur Behandlung oft Wochen und Monate vergehen. „Die Suche nach wirksamen Selbstmanagementansätzen wird immer wichtiger“ sagt Professor Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.



Die Chemie des Gehirns verstehen

Verschiedene Faktoren wirken mit am Entstehen einer Depression: Gene und negative Lebenserfahrungen spielen eine Rolle, aber auch die Biochemie im Gehirn. Es sieht so aus, dass der Hirnstoffwechsel während einer depressiven Episode gestört ist. Botenstoffe im Gehirn – die bekanntesten sind Serotonin und Dopamin - übertragen die Signale für das Fühlen, Denken und Handeln. Gerät das sensible Gleichgewicht dieser Neurotransmitter ins Schwanken, verändert sich alles. Bei der Re-Balance der Botenstoffe setzt die medikamentöse Depressionstherapie an. Wenn es nun gelänge, diese Botenstoffe auch durch Ernährung zu beeinflussen? Die Wirkung von Nährstoffen liegt noch im Bereich der Vermutung, ein Zusammenhang zwischen Ernährung und Gehirn ist dagegen erwiesen.


Vom Bauch in die Seele

Tatsache ist, dass Bauch und Kopf in ständigem Austausch miteinander stehen. 90 Prozent der Botschaften gehen dabei vom Darm zum Gehirn. Viele davon direkt in Bereiche, wie das limbische System, die maßgeblich für die Entstehung von Gefühlen verantwortlich sind. Forscher vermuten, dass vor allem die Bakterien im Darm die Stimmungslage beeinflussen können. Versuche mit probiotischen Produkten geben Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Gehirnstrukturen. Der Zugriff auf die Psyche erfolgt sicher nicht auf dem kurzen Dienstweg „iss dich glücklich!“ Aber es kann durchaus sein, dass eine durch ungünstige Ernährung entstandene Bakterienbesiedelung im Darm die Anfälligkeit für psychische Störungen erhöht. Wenn dann genetische Faktoren oder äußere Belastungen hinzukommen, nimmt die Erkrankung ihren Lauf. Im Umkehrschluss liegt die Hoffnung nahe, dass die richtige Ernährung die Entstehung von Depressionen verhindern könne.


Ernährung für die Psyche

Zahlreiche Studien weltweit kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Es verwundert nicht, dass immer wieder mediterrane Kost mit viel Fisch, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren zu günstigen Bedingungen führt: Eine Langzeituntersuchung legt nahe, dass diese Ernährung das Depressionsrisiko um 30 Prozent senken kann. Auch Vollkornprodukte haben sich empfohlen und einige Studien weisen auf eine Wirksamkeit von Nährstoffen wie Folsäure, Vitamin D und Zink hin. Vielversprechend ist auch der Ansatz, dass entzündliche Erkrankungen und Depressionen eine gemeinsame Basis haben: Sogenannte Zytokine sind beteiligt, Eiweißstoffe der Immunabwehr, die in großen Mengen im Bauchfett lagern.

Eine bedeutende psychiatrische Fachzeitschrift prophezeite, dass die Ernährung für die Psychiatrie in Zukunft ebenso wichtig sein wird, wie in anderen Bereichen der Medizin. Häufig wird einer der führenden Forscher der Ernährungspsychologie zitiert, Emeran Mayer, Gastroenterologe, Neurowissenschaftler und Professor an der University of California in Los Angeles: „Psychiater haben bisher nie unterhalb des Halses nach Ursachen für Probleme gesucht. Aber vielleicht werden wir in Zukunft psychiatrische Probleme nicht mehr nur im Gehirn, sondern auch im Verdauungstrakt behandeln.“ Für Anhänger überlieferter Heilkunst ist diese Sichtweise nicht überraschend: In der traditionellen indischen Heilkunde Ayurveda und in der Traditionellen Chinesischen Medizin setzt man seit Tausenden von Jahren darauf, durch Nahrungsmittel einen ausgeglichenen Seelenzustand zu bewirken.

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Glück, aber keine Therapie

Im Volksmund machen Nudeln glücklich und Schokolade gilt als probater Seelentröster. Die Evolutionspsychologie erklärt das so: Die schnelle Zufuhr von Fett und Kohlenhydraten liefert dem Menschen auf der Suche nach Nahrung zum Überleben neue Energie. Das Belohnungssystem im Gehirn wird aktiviert und schickt Botenstoffe mit der Meldung aus: Ich bin zufrieden! Zum Glücksgefühl merkt die Ernährungspsychologie an, dass der Geschmack eines Lebensmittels mit einer positiven Lebenssituation gekoppelt sein kann und dieses positive Gefühl bei jedem Genuss automatisch immer wieder aufruft. Aus der persönlichen Biographie entwickelt jeder Mensch ein eigenes System, zu welchen Lebensmitteln er greift - bei vielen ist es Schokolade, bei anderen ein Butterbrot. Mit einer therapeutischen Wirkung der Lebensmittel hat dieser Glücksmoment beim Essen allerdings nichts zu tun.


Gesunde Ernährung schadet nicht

Können Nährstoffe bei depressiven Episoden eingreifen? Kann eine bewusste Ernährung langfristig vor Depressionen schützen? Die Ergebnisse der „MooDFOOD“-Forschung könnten Geschichte schreiben. Bis dahin darf man den Fingerzeig der schon vorliegenden Studien auf mediterrane Kost mit Gemüse, Obst, Fisch, Getreide und wertvollen Fetten folgen. Es ist erwiesen, dass diese Ernährung den allgemeinen Gesundheitsstatus positiv beeinflusst. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) stellt eine einfache Formel auf: vielseitig = reich an lebensnotwendigen Nährstoffen. Dazu gehören auch jene, die womöglich das seelische Wohlbefinden stützen. Pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreide, Obst und Gemüse kommt die größte Bedeutung zu; sie liefern wertvolle Ballaststoffe, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralien. Das B-Vitamin Folsäure zum Beispiel, das immer wieder im Zusammenhang mit Gehirnfunktionen genannt wird, steckt in grünem Blattgemüse, in Hülsenfrüchten und Getreide.

Die populären Listen von „Gute-Laune-Lebensmitteln“ und „Happy Foods“ in der Presse können keine verlässlichen Heilversprechen abgeben, aber die Empfehlungen geben in der Regel gute Anhaltspunkte für eine allgemein gesunde Ernährung. Hier eine kleine Übersicht der meist genannten „Glücksbringer“ und ihrer Lieferanten:

  • Kohlenhydrate z.B. Vollkornprodukte, Kartoffeln
  • Tryptophan z.B. Cashewkerne, Datteln, Feigen, Eier, Käse, Quark
  • Vitamin D z.B. Milch, Meeresfisch, Pilze
  • Omega-3 Fettsäuren z.B. Fisch, Walnüsse, Rapsöl
  • Magnesium z.B. Bananen, Beerenobst, Paranüsse, Naturreis
  • Vitamin B z.B. Vollkornprodukte, Spinat, Brokkoli
  • Folsäure z.B. grünes Blattgemüse, Salat, Erbsen, Rote Bete

Kein Ersatz für den Arzt

Ärzte warnen: „Gute-Laune-Lebensmittel“ sind keine Therapie. Eine vorübergehend getrübte Stimmung, wie beispielsweise die saisonal abhängige Depression (SAD), kann man mit gesundem Lebensstil beeinflussen. Aber Selbsthilfe ist nicht genug, wenn die Symptome anhalten oder immer wiederkehren. Eine Depression ist eine schwere und oft lebensbedrohliche Erkrankung, die alleine mit Nährstoffen nicht zu heilen ist. Dr. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: „Zur leitlinienkonformen Behandlung mit Antidepressiva und Psychotherapie gibt es derzeit keine Alternative."


Erste Hilfe dringend erwünscht

Der erste Schritt ist der Schwerste: die Gefahr erkennen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Der Hausarzt ist der richtige Ansprechpartner auf dem kurzen Weg. Zum Wesen der Krankheit „Depression“ gehört, dass Betroffene nur selten den Mut fassen, sich einem bekannten Arzt anzuvertrauen. Sie brauchen besondere Unterstützung und Motivation. Praktische Hilfestellungen mit einem Online-Forum zum Erfahrungsaustausch gibt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe unter www.deutsche-depressionshilfe.de. Bei dringendem Gesprächsbedarf steht die Telefonseelsorge zur Verfügung, Tel. 08 00-1 11 01 11 und 08 00-1 11 02 22.



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