Familienpflegezeit. Jetzt mehr Solidarität für Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Serie Pflege - Teil 2

In Umfragen wünschen sich 72 Prozent der Deutschen, dass sie im Pflegefall auf ihre Angehörigen zählen können. Besonders für Berufstätige bedeutet es eine schwere Bürde, diese Erwartungen zu erfüllen. Das erste Pflegestärkungsgesetz, dass in seiner ersten Stufe seit Anfang 2015 und in der zweiten Etappe seit Januar 2016 in Kraft ist, hilft Pflege und Beruf besser in Einklang zu bringen und stärkt jetzt den Betroffenen noch einmal deutlicher den Rücken.



Nie zuvor wurden wir so alt wie heute: Nach der Statistik kann ein 65-jähriger Mann auf weitere 17 Lebensjahre und vier Monate zählen, eine Frau mit 65 auf 20 Jahre und sieben Monate. Die Schattenseite des langen Lebens: Die Zahl der Pflegefälle unter den Hochbetagten steigt und damit die Herausforderungen an Familien.

Für rund 70 Prozent der 2,63 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland geht der große Wunsch in Erfüllung: Sie werden zu Hause von ihren Nächsten versorgt. Im Durchschnitt engagieren sich pflegende Angehörige rund acht Jahre lang, etwa 36 Prozent von ihnen tun das auf sich alleine gestellt ohne professionelle Unterstützung (Quelle VdK Deutschland). Die tagtägliche Betreuung von Pflegebedürftigen mit all den körperlichen und seelischen Belastungen ist eine Leistung, die großen Respekt verdient.

Viele haben aus Menschlichkeit und liebevoller Verbundenheit das Bedürfnis, sich selbst um ihre Angehörigen zu kümmern. Aber besonders für Berufstätige entsteht daraus eine untragbare Doppelbelastung: 79 Prozent von ihnen können laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach Beruf und Pflege nur schwer miteinander vereinbaren.




Gute Nachrichten für die Menschlichkeit

Das bisherige Pflegezeitgesetz erlaubt es Arbeitnehmern, sich bis zu einem halben Jahr freistellen zu lassen, um nahe Angehörige zu betreuen. Geschützt waren sie dabei bisher nur von einer Sonderkündigungsregelung. Künftig können pflegende Angehörige ein zinsloses Darlehen beantragen, das in monatlichen Raten etwa die Hälfte des Verdienstausfalles ausgleichen kann. Wenn ein Pflegefall unerwartet eintritt, haben Beschäftigte das Recht, dem Arbeitsplatz bis zu zehn Tagen fernzubleiben, um die Versorgung zu organisieren. Bereits seit Januar 2015 besteht die Sicherheit einer Lohnfortzahlung: Bis zu 90 Prozent des Nettolohnes wird von der Pflegeversicherung übernommen.


In Krisen gibt es mehr Hilfe.

Vorübergehend kann die Kurzzeitpflege Lücken in der Betreuung schließen. Auch hier gibt es jetzt mehr Spielraum. Auf bis zu acht Wochen im Jahr wurde der Anspruch auf die stationäre Versorgung in einer Krisensituation erhöht: Zum Beispiel beim Übergang vom Klinikaufenthalt in die häusliche Pflege, in Kombination mit Leistungen aus der Verhinderungspflege, sind seit Januar 2016 sogar 14 Wochen möglich. Umgekehrt springt die Verhinderungspflege mit Ersatzkräften ein, um Angehörigen etwas Luft zu verschaffen, in Anrechnung auf die Kurzzeitpflege jetzt für bis zu sechs Wochen im Jahr. Die Ansprüche können mit Leistungen aus der Kurzzeitpflege auf bis zu 2.418 € aufgestockt werden. Von dieser Sonderregelung können seit 2016 auch enge Angehörige profitieren.


Ein Recht auf Auszeit

Die Familienpflegezeit wurde jetzt mit einem Rechtsanspruch abgesichert: Beschäftigte, die Angehörige pflegen wollen, können ihre Arbeitszeit zwei Jahre lang auf bis zu 15 Wochenarbeitsstunden reduzieren. Das Einkommen bleibt dabei zu einem großen Teil erhalten, dafür geht der Arbeitgeber in Vorleistung: Wenn die Arbeitszeit beispielsweise auf 50 Prozent sinkt, reduziert sich das Gehalt nur auf 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Ein besonderer Kündigungsschutz bleibt dabei weiterhin bestehen. Wenn die Pflegezeit beendet ist, arbeiten die Beschäftigten wieder in Vollzeit, bekommen aber weiterhin nur 75 Prozent des Gehalts, bis der Vorschuss abgegolten ist.

Gestärkt werden mit dem neuen Gesetz auch Personen, die bisher abseits standen – Stiefeltern, Stiefkinder, Schwäger und homosexuelle Partner auch außerhalb eingetragener Lebensgemeinschaft haben nun Anspruch.


Und nicht zuletzt eine gesicherte Zukunft

Ab 2017 zahlt die Pflegeversicherung Rentenbeiträge für alle, die sich in der Pflege eines Angehörigen engagieren und daneben nicht mehr als 30 Stunden pro Woche berufstätig sind. Die Voraussetzungen wurden erleichtert: Statt bisher 14 Stunden Pflegetätigkeit müssen künftig nur noch 10 Stunden pro Woche, verteilt auf mindestens zwei Tage geleistet werden. Neu ist auch, dass die soziale Sicherung Menschen zusteht, die einen ausschließlich Demenzkranken des Pflegegrades 2 betreuen. Die Rentenbeiträge steigen mit zunehmender Pflegebedürftigkeit des Schützlings; wer einen Angehörigen mit Pflegegrad 5 pflegt, erhält um 25 Prozent höhere Rentenbeiträge als bisher.

Neu ist ein Recht auf Arbeitslosenversicherung für Pflegepersonen, die aus dem Beruf aussteigen, um sich ausschließlich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Die Pflegeversicherung bezahlt ab 2017 die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für die gesamte Dauer der Pflegetätigkeit. Damit sind Pflegende versorgt, falls der Wiedereinstieg in den Beruf nicht nahtlos gelingt.

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA

Unterstützung jeden Tag


24 Stunden steht die Pflegewelt von AXA offen für alle Fragen. Betroffene und Angehörige finden hier praktische Hilfe, wertvolle Tipps und verständnisvolle Begleitung im Alltag wie in Krisensituationen. Alle wichtigen Informationen sind übersichtlich und verständlich zu einem umfassenden Nachschlagewerk zusammen gestellt. Aktuelle Filmbeiträge helfen, Probleme im Alltag zu meistern. und wenn es etwas Neues zum Thema Pflege und Vorsorge gibt, gehören die Kunden von AXA zu den ersten, die es erfahren. Es lohnt sich also, regelmäßig hereinzuschauen: www.axa-pflegewelt.de 

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Solidarität entlastet.

Das neue Modell kann Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen entlasten, aber auch Arbeitgebern helfen, Mitarbeiter zu motivieren und an ihr Unternehmen zu binden. Das Bundesfamilienministerium setzt also bei der Familienpflegezeit auf Freiwilligkeit: Ein gesetzlicher Anspruch für Arbeitnehmer besteht nicht.

Wer die Familienpflegezeit in Anspruch nehmen möchte, benötigt die Zustimmung des Arbeitgebers in Form einer schriftlichen Vereinbarung. Nachteile in Form zusätzlicher Kosten entstehen dem Arbeitgeber dabei nicht. Zwar tritt er während der Pflegephase in Vorleistung, kann diese aber über ein zinsloses Darlehen des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben refinanzieren.

Weitere Risiken deckt eine private Familienpflegezeitversicherung ab, die für den Arbeitnehmer während der Pflegezeit Pflicht ist. Nach Aussagen der Bundesfamilienministerin nehmen bereits jetzt immer mehr Unternehmen an dem Solidaritätsmodell teil. Eine ausführliche Broschüre über die Familienpflegezeit stellt das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben zum kostenlosen Download zur Verfügung unter www.familien-pflege-zeit.de

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