Gut zu wissen: Was das zweite Pflegestärkungsgesetz wirklich bringt

Serie Pflege – Teil 3


Neue Leistungsbeiträge in der Pflegeversicherung, neue Pflegestufen, Gleichberechtigung für Demenzkranke, mehr Unterstützung für pflegende Angehörige... 2016 treten Verbesserungen in der Pflegepflichtversicherung in Kraft, große Veränderungen für die Pflegeversicherung stehen 2017 bevor. Das PLUS von AXA bringt für Sie Übersicht in die Reformen.



Bereits seit Januar 2015 erhalten alle rund 2,7 Millionen Pflegebedürftigen mehr Leistungen und 1,25 Millionen Angehörige werden mit verbesserten Angeboten in der häuslichen Pflege entlastet. Die zweite Stufe des Gesetzes sichert nun die pflegenden Angehörigen auch in ihrer Zukunft besser ab, die Arbeit von rund einer Million Pflegekräften in Heimen und ambulanten Diensten wird erleichtert und etwa 500.000 Menschen mehr als bisher können die Fürsorge der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen. Seit Januar 2016 sind wieder einige neue Regelungen in Kraft, zum 1.1. 2017 wird die Reform komplett umgesetzt sein.

„Diese Reform nutzt allen – den Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und unseren Pflegekräften“ (Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe). Tatsächlich setzt sich das Pflegestärkungsgesetz in allen Bereichen der Pflege dafür ein, Schwache zu stützen und Menschen zu entlasten, die für Andere einen Kraftakt vollbringen


Mehr Geld und auch mehr Verständnis

Vor 20 Jahren bei ihrer Einführung hatte die Pflegeversicherung vor allem Menschen mit körperlichen Verlusten im Blick. Die Zunahme der Demenz-Erkrankungen hat die Sicht auf die Bedürfnisse verändert. Die zweite Stufe der Reform schafft jetzt vor allem Gleichberechtigung mit einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff: Statt der Unterscheidung zwischen körperlichen und geistigen Einschränkungen in „drei Stufen“ werden fünf Pflegegrade eingeführt, die es ermöglichen, den Bedarf individueller als bisher zu ermitteln, da geistige und körperliche Einschränkungen gesamthaft betrachtet werden.

Ansinnen des geänderten Pflegebedürftigkeitsbegriffs ist es auch, Menschen schon zu einem früheren Stadium in die Versorgung der Pflegeversicherung zu bringen. Die Pflegekräfte hoffen auf eine Entlastung vom Zeitdruck der „Minutenpflege“. Bei der Begutachtung werden künftig nicht mehr die benötigten Pflegeminuten gezählt, sondern mit Hilfe einer Punkteskala von 0-100 wird festgehalten, wie viel Selbständigkeit dem Pflegebedürftigen verblieben ist – ohne Unterscheidung körperlicher oder psychischer Ursachen.

 
 
bisher
ab 2017
Keine Anerkennung von Pflegebedürftigkeit
Pflegegrad 1
geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit (nötig sind hier z.B. Beratung und Anpassung des Wohnumfeldes)
Pflegestufe 0
Pflegegrad 2
erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit 
Pflegestufe 1:
mindestens 90 Min. Bedarf an Hilfe/Tag   
Pflegegrad 2
erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit 
Pflegestufe 1 + Demenz
Pflegegrad 3:
schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegestufe 2:                      
mindestens 180 Min Bedarf an Hilfe/Tag
Pflegegrad 3:
schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegestufe 2 + Demenz
Pflegegrad 4:
schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegestufe 3:
mindestens 300 Min. Bedarf an Hilfe/Tag
Pflegegrad 4:
schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegestufe 3 + Demenz
Pflegegrad 5:
schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die Versorgung      
Härtefall (Pflegestufe 3 mit außergewöhnlich hohem Pflegeaufwand)
Pflegegrad 5:
schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die Pflegekräfte 
 
 

Die neue Form der Begutachtung, das NBA (Neues Begutachtungsassessment), durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, wird ab Januar 2017 allen zuteil, die Leistungen der Pflegeversicherung beanspruchen. Wer zu diesem Zeitpunkt bereits Leistungen bezieht, wird ohne neuen Antrag per Gesetz automatisch von der bestehenden Pflegestufe in das neue System übergeleitet. Dabei gilt der Grundsatz: Niemand wird schlechter als bisher gestellt!


Und was bedeutet das in Euro?

Hier finden Sie eine Übersicht der aktuellen und künftigen monatlichen Leistungen für Pflegegeld, Pflegesachleistungen für häusliche Pflege (z.B. für ambulanten Pflegedienst) und für die vollstationäre Pflege:

bisher
ab 2017
 
 
Keine Pflegebedürftigkeit anerkannt
Pflegegrad 1: kein Pflegegeld ab 125 € Entlastungsbeitrag
Pflegestufe 0: 123/231 €*
Pflegegrad 2: 316/689/770 €*
Pflegestufe 1: 244/468/1.064 €*
Pflegegrad 2: 316/689/770 €*
Pflegestufe 1 + Demenz: 316/689/1.064 €*
Pflegegrad 3:  545/1.289/1.262 €*
Pflegestufe 2: 458/1.144/1.330  €*
Pflegegrad 3:  545/1.289/1.262 €*
Pflegestufe 2 + Demenz: 545/1.298/1.330 €*
Pflegegrad 4:  728/1.612/1.775 €*
Pflegestufe 3: 728/1.612/1.612 €*
Pflegegrad 4:  728/1.612/1.775 €*
Pflegestufe 3 + Demenz: 728/1.612/1.612 €*
Pflegegrad 5:  901/1.995/2.005 €*
Härtefall (Pflegestufe 3 mit außergewöhnlich hohem Pflegeaufwand): 1.995 €*
Pflegegrad 5   901/1.995/2.005 €*
* Pflegegeld für Angehörige/Sachleistung ambulanter Pflegedienst/Pflege im Heim


Unterstützung bei Engpässen kommt jetzt sofort.

Wenn die häusliche Pflege in Schwierigkeiten gerät, greifen die ersten Maßnahmen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes bereits seit 1. Januar 2016. Diese Besonderheit gilt jetzt ohne Einschränkung auch für enge Angehörige. Die Weiterzahlung des Pflegegeldes ist auf 6 Wochen verlängert. Der Anspruch auf vollstationäre Kurzzeitpflege wurde auf 8 Wochen ausgedehnt und die Höchstgrenze der Kurzzeitpflege wurde auf 14 Wochen heraufgesetzt.

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA


Die Pflegewelt von AXA gibt Informationen und Anregungen zu allen Themen rund um Alter und Pflege – so auch zum Pflegestärkungsgesetz. Wichtig ist uns, Ihnen Wege aufzuzeigen und praktische Begleitung in schwierigen Situationen zu leisten. Die beliebte Rubrik „Pflegewelt bewegt“ bringt immer wieder neue kurze Filme, die bei aktuellen Problemen anschaulich unterstützen. Im Nachschlagewerk der Krankheitsbilder erklären Experten Ursachen, Symptome, Therapien und Vorbeugung der häufigsten Beschwerden unserer Zeit. Weil die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherungen in der Regel nicht ausreichen, ist es wichtig, sich rechtzeitig über eine sinnvolle Absicherung zu informieren. Wir erklären Ihnen hier die besonderen Vorteile der Pflegevorsorge VARIO von AXA.
 
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Pflegenden Angehörigen den Rücken für die Zukunft stärken

Die zweite Reformstufe sorgt auch dafür, dass künftig Menschen besser abgesichert sind, die im Einsatz für ihre Angehörigen ihre eigene Berufstätigkeit hintenan stellen, wenn nicht sogar ganz aufgegeben haben. Die Pflegeversicherung übernimmt die Beiträge zur  Rentenversicherung bei einer Pflegetätigkeit von 10 Stunden wöchentlich, verteilt auf mindestens zwei Tage. Die Rentenbeiträge steigen mit der Pflegebedürftigkeit bis hin zu 25 Prozent plus bei Pflegegrad 5. Bisher gab es einen Anspruch auf Beiträge zur Rentenversicherung bei einer Pflegetätigkeit von 14 Stunden Pflege wöchentlich. 

Wer keiner sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgeht, ist auch nicht arbeitslosenversichert. Die Beiträge zu einer freiwilligen Arbeitslosenversicherung müssen selbst erbracht werden. Ab 2017 zahlt die Pflegeversicherung die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für die gesamte Dauer der Pflegetätigkeit. Auch für pflegende Angehörige ausschließlich Demenzkranker werden Rentenbeiträge gezahlt. Das gilt nicht nur für direkte Angehörige, sondern für alle Personen, die für eine Pflegeaufgabe aus ihrem Beruf aussteigen.


Angehörige unterstützen und entlasten

Pflegende Angehörige werden aufgewertet und haben mehr Anspruch auf gezielte Beratung und Ausbildung; im zweiten Schritt wird zeitraubender Papierkram abgebaut. Offiziell hatten nur Pflegebedürftige selbst einen Anspruch auf Pflegeberatung. Ab Januar 2016 haben Angehörige einen eigenen Anspruch auf persönliche Pflegeberatung durch die Pflegekassen. Die Pflegeversicherer bieten kostenlose Pflegekurse für Angehörige an.  
Ab 2017 erhält jeder Pflegebedürftige automatisch die Überleitung  in einen Pflegegrad. Die Empfehlungen für Hilfsmittel werden dann bereits im Gutachten festgehalten, automatisch an die Pflegekasse weiter geleitet und in der Regel nicht mehr überprüft.


Bis dahin muss das Gutachten zur Einstufung der Pflegebedürftigkeit beim Medizinischen Dienst beantragt werden. Hilfsmittel wie Badewannenlifter, Gehhilfen etc, müssen bis dahin noch separat beim Medizinischen Dienst beantragt werden


Wer bezahlt das? Alle, die auch davon profitieren werden.                                                                           

Mit dem Ersten Pflegestärkungsgesetz wurde der Beitragssatz zur Pflegeversicherung ab 1.1.2015 um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent und 2,6 Prozent für Kinderlose angehoben. Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz werden die Beiträge zum 1. Januar 2017 nochmals um 0,2 Prozentpunkte angehoben – das macht am Beispiel einer Bemessungsgrundlage von 3.000 Euro einen Anstieg um 6 Euro aus, von denen der Arbeitgeber die Hälfte trägt. Durch diese beiden Beitragssatzerhöhungen stehen aber insgesamt fast fünf Milliarden Euro mehr für Verbesserungen der Pflegeleistungen zur Verfügung.


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