Tabuthema Inkontinenz. Der Alltag wird leichter, wenn man darüber spricht.

Zu den großen Tabuthemen gehört Harninkontinenz leider immer noch, obwohl die „Blasenschwäche“ so verbreitet ist wie Heuschnupfen. Die Überwindung des Schamgefühls, ist auschlaggebend für die Lebensqualität: Nur Information und Beratung helfen aus der Not oder tragen zumindest dazu bei, den Alltag besser zu bewältigen.



Die Angst ist ständiger Begleiter: Wird es mir wieder passieren, merkt es jemand? Etwa sechs bis acht Millionen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland leiden an Harninkontinenz, die Dunkelziffer ist weitaus höher. Zwei- bis dreimal so viele Frauen wie Männer sind betroffen, etwa jede dritte Frau gehört dazu. Viele Menschen ziehen sich aus Furcht vor beschämenden Momenten immer mehr aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.

Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen, dann sind auch Millionen von pflegenden Angehörigen belastet. Das zeigt eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos in Zusammenarbeit mit dem europäischen Verband privater Pflegender Eurocarers. “Viele Pflegende berichten aufgrund der besonders hohen Belastung durch Inkontinenz von Gefühlen der Ohnmacht, der emotionalen und physischen Aufzehrung und des Verlusts des normalen Lebens”, Matthias Zeisberger, Vorsitzender der Inkontinenz Selbsthilfe.


Information und Beratung helfen.

Eine Studie der Women’s Health Organisation WHC legt offen, dass nur 45 Prozent der betroffenen Frauen zum Arzt gehen. Die Mehrzahl „arrangiert“ sich mit dem Problem, bei Männern scheint die Sachlage nicht viel anders. Das muss sich ändern, denn es gibt nicht nur Möglichkeiten der Behandlung und Heilung, sondern auch zahlreiche Erleichterungen, um den Alltag besser zu bewältigen. „Man kann so gut wie allen Patienten helfen und in den allermeisten Fällen sogar eine vollständige Heilung erreichen“, sagt Prof. Dr. Andreas Mansek, Direktor der Urologischen Klinik am Klinikum Ingolstadt.


Wissen warum!

Harninkontinenz, umgangssprachlich auch Blasenschwäche genannt, bezeichnet den Verlust der Fähigkeit, Urin sicher in der Harnblase zu speichern und den Zeitpunkt der Entleerung selbst zu bestimmen. Die Ursachen dafür können verschiedenster Art sein. Häufigste Form ist die Belastungsinkontinenz bei Heben, Husten oder herzhaftem Lachen als Folge einer Beckenbodenschwäche, wie sie nach einer Geburt oder im Alter eintreten kann. Die Dranginkontinenz überfällt den Menschen ununterdrückbar und ohne jede Vorwarnung – die Ursache liegt in einer Fehlfunktion des Blasenmuskels. Weitere Formen kommen bei Versorgungs-Störungen der Nerven oder des Gehirns vor, z.B. nach einem Schlaganfall, nach langjährigem Diabetes oder im höheren Alter. Manchmal sind es auch Medikamente, die eine Inkontinenz fördern. Beispielsweise stimulieren manche Mittel gegen hohen Blutdruck oder gegen Alzheimer-Krankheit den Blasenmuskel, so dass eine Dranginkontinenz entstehen oder verstärkt werden kann.

Es gibt zahlreiche erste Informationsmöglichkeiten über Inkontinenz, im Internet beispielsweise unter www.inkontinenz-selbsthilfe.com. Aber das Gespräch mit dem Arzt ist unverzichtbar, weil es keine pauschalen Therapieempfehlungen geben kann. Die Behandlung muss individuell angepasst werden – an die Ursache, die Art und das Ausmaß der Beschwerden, aber auch an die jeweilige Lebenssituation.


Was kann man tun?

Behandlungen der ersten Wahl sind die sogenannten konservativen Therapiemöglichkeiten, die mit Krankengymnastik, Toilettentraining, Inkontinenzhilfsmitteln und Medikamenten versuchen, das Ziel auf möglichst wenig belastende Art zu erreichen.

  • Krankengymnastik zielt mit speziellen Übungen auf die Kräftigung der Muskulatur (Beckenbodengymnastik) und die Kontrolle der Blase ab (Biofeedbacktraining).
  • Toilettentraining hilft dabei, eine regelmäßige und gesteuerte Entleerung einzuüben.
  • Inkontinenzhilfsmittel ergänzen eine Behandlung, in dem sie helfen, Urin diskret aufzunehmen, bei Männern auch gezielt abzuleiten und somit das Hygieneproblem zu lösen. Speziell für Frauen gibt es mechanische Hilfen, die den Druck auf die Blase mildern.

Und damit es gar nicht soweit kommt?

1. Training beugt vor: Regelmäßiges Beckenbodentraining kann Frauen das Problem der Inkontinenz ersparen.
2. Gewicht abbauen: Übergewicht erhöht das Risiko für eine Inkontinenz ganz deutlich.
3. Richtig essen & viel trinken: Bei älteren Menschen sind Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes sehr häufig. Solche Störungen können zur Entstehung und Verschlimmerung von Inkontinenz beitragen. Bei einer Vorbelastung der Blase ist es außerdem günstig, Reizstoffe wie scharfe Gewürze, Kaffee und Nikotin zu meiden und für eine geregelte Verdauung zu sorgen.
4. Risikofaktoren beseitigen: Anhaltender Husten, schweres Tragen, wiederkehrende Harnwegsinfekte können durch Verhaltensänderung oder entsprechende Therapie rechtzeitig beseitigt werden.
5. Entspannung fördern: Vor allem an Dranginkontinenz können seelische Auslöser beteiligt sein, hier kann beispielsweise rechtzeitiges autogenes Training helfen.

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Info-Tipps:

  • Selbsthilfe mit Übungs CD: Volkskrankheit Harninkontinenz. Das Selbsthilfe-Buch von Prof. Dr. Stefan Corvin und Dr. Hauke Hammerl
  • Praktische Hilfe für Frauen: Erfolgreiche Hilfen gegen Harninkontinenz: Warum Frauen besonders betroffen sind. Wie Sie Ihren Beckenboden durch Übungen stärken. Wirksame und sichere Tipps für den Alltag
 von Helle Gotved
  • Erfahrungsaustausch unter Betroffenen: Die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. wurde bereits 2006 von Betroffenen und Angehörigen gegründet und bietet unter anderem ein kostenloses und anonymes Forum unter www.inkontinenz-selbsthilfe.com
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