Sucht hat keine Altersgrenzen. Risiken und Hilfen im Alter.

Serie Alkoholabhängigkeit - Teil 3


In Deutschland trinken etwa 9,5 Mio. Menschen Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen, ca. 1,3 Mio. Menschen gelten als alkoholabhängig und ungefähr 1,9 Mio. Menschen sind medikamentenabhängig.* Das sind alarmierende Zahlen.

In der Jugend ist es die Neugier, die uns anfällig für die Verlockungen von Alkohol, Nikotin und anderen Suchtmitteln macht. Im Laufe des Lebens hat man damit einige Erfahrungen gesammelt – aber gerade im fortgeschrittenen Alter kommen zunehmend Suchtprobleme auf. Dieses Thema wurde lange unterschätzt oder tabuisiert, aber eine Abhängigkeit von Alkohol, Schlaftabletten oder Beruhigungsmitteln sind bei Senioren keine Einzelfälle – Experten gehen von bis zu 400.000 älteren Menschen aus, die ein Alkoholproblem haben.

Ungefähr 14 % der Personen, die von ambulanten Pflegediensten oder in stationären Einrichtungen betreut werden, haben mit Alkohol- oder Medikamentenproblemen zu kämpfen.* Wie erkennt man eine Abhängigkeit? Was sind die Auslöser und was kann dagegen unternommen werden?


Was ist „normal“, wo beginnt die Sucht und was können die Folgen sein?

Der Übergang vom täglichen Glas Wein oder dem Schnäpschen nach dem Essen zum gewohnheitsmäßigen Trinken ist oft schleichend, ohne dass der Betroffene das bewusst mitbekommt. Wenn sich die Menge kontinuierlich steigert, ist das ein Anzeichen für eine Abhängigkeit – oder auch heimliches und ständiges Trinken. Alkoholkranke Menschen benötigen Alkohol, um in einem gewissen Rahmen überhaupt zu „funktionieren“ – ohne Alkohol können sie sich nicht konzentrieren, sind reizbar und zittern.

Ähnlich verhält es sich bei Medikamenten. Was irgendwann als gelegentliche „Beruhigungs- oder Einschlafhilfe“ begonnen hat, ist zur Sucht geworden, und ohne die kleinen Pillen geht gar nichts mehr. Der Dauergebrauch oder die zu hohe Dosierung von Schmerz-, Beruhigungs- oder Schlafmitteln kann abhängig machen. Zwei Drittel aller Medikamentensüchtigen sind Frauen. Unabhängig vom Geschlecht sind ältere Menschen häufiger betroffen als jüngere.

Aus der Sucht und dem oft jahrelangen Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten können schwere körperliche und geistige Schäden resultieren, zum Beispiel Leber- und Nierenschäden oder Herz- / Kreislauferkrankungen. Auch häufigere Stürze und Verletzungen – zum Beispiel Beinbrüche – können die Ursache in der Sucht haben, denn im berauschten Zustand sinkt das Gleichgewichtsvermögen.


Die häufigsten Suchtmittel?

Das bei Senioren am meisten verbreitete Suchtmittel ist der Alkohol. Im Medikamentenbereich werden am häufigsten Schlaf- und Beruhigungsmittel (z.B. Benzodiazepine), Anregungsmittel und Appetitzügler (z.B. Amphetamine) oder Schmerz- und Beruhigungsmittel (z.B. Opiate) genommen. Harte Drogen, oder auch weiche wie Cannabis, kommen in dieser Altersgruppe dagegen kaum vor.


Was sind die Risikofaktoren und Auslöser für Süchte im Alter?

Oft sind neue Lebenssituationen die Auslöser für eine Medikamenten- oder Alkoholsucht. Dazu zählen zum Beispiel der Eintritt in die Rente – dadurch fallen viele soziale Kontakte weg, man fühlt sich nicht mehr gebraucht und das Resultat ist Langeweile, die oft mit Alkohol bekämpft wird. Auch das Sterben von Verwandten oder Freunden trägt zur Vereinsamung bei und hinterlässt Löcher, die mit Alkohol gefüllt werden.

Im Bereich der Medikamentensucht spielt das biologische Altern eine große Rolle, die körperlichen Gebrechen nehmen zu – dagegen helfen Schmerzmittel, die in die Abhängigkeit führen können. Auch gegen Einsamkeit, Ängste, Depressionen oder Schlafstörungen werden Tabletten genommen, die bei zu häufiger Einnahme süchtig machen können.

* Quelle: Drogen- und Suchtbericht 2012. Herausgeber: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Bundesministerium für Gesundheit.


Wie erkennt man die Sucht und was ist zu tun?

Für den kranken Menschen ist es oft nicht erkennbar, dass er süchtig ist, oder er will es nicht wahrhaben. Entdeckt man als Angehöriger oder Freund, dass jemand ein Suchtproblem hat, ist es wichtig, einfühlsam mit dem Menschen zu sprechen und ihn zu überzeugen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es ist nie zu spät, um zu handeln – aufgrund der höheren Lebenserfahrung sind bei älteren Menschen bessere Therapieerfolge zu verzeichnen.

Die erste Anlaufstelle ist der Suchtberater, danach die Ambulanz. Es gibt auch Fälle von Suchtkranken, die sich bereits in einem Pflegeheim befinden – dort gilt es, mit den Pflegern und der Heimleitung zu sprechen, denn Alkohol untersteht der Aufsicht des Pflegepersonals und über die Medikamente wacht der behandelnde Arzt.


Neustart mit Unterstützung – ein Klinikaufenthalt

Ein Klinikaufenthalt kann helfen, wenn der Erkrankte selbst die Bereitschaft mitbringt, sich auf eine offene und aktive Auseinandersetzung mit der Suchterkrankung einzulassen.
Zur Aufnahme benötigen Sie:



  • eine Kostenzusage des jeweilig zuständigen Kosten- bzw. Leistungsträgers
  • einen Sozialbericht der vorbereitenden Beratungsstelle
  • einen ausführlichen Arztbericht.

Der Aufenthalt beginnt mit einer Eingangsuntersuchung inklusive einer intensiven Anamnese über mögliche, schon bestehende Folgeerkrankungen, darauf folgt ein intensives Eingangsgespräch. Danach wird der Patient, wenn möglich, in eine altersgerechte Gruppe integriert, in der sich weitere Personen mit ähnlichen Problemstellungen befinden.

In Gesprächen, Bewegungs- und Gestaltungstherapie werden die Probleme aufgearbeitet und Lösungsansätze erarbeitet, die so ausgelegt sind, dass der Patient diese nach der Therapie im Alltag auch alleine umsetzen kann. Die Dauer des Aufenthalts ist abhängig von der Suchterkrankung und kann bis zu mehreren Monaten betragen – der eigene Wunsch zur Therapie unterstützt den Erfolg und verkürzt den Aufenthalt.


Wie geht es danach weiter?

Eine Rückkehr in die Einsamkeit ist der falsche Weg – zu groß ist die Gefahr, wieder in alte Verhaltensmuster zurückzukehren. Besser ist es, den Kontakt zu Menschen zu suchen, die ähnliches durchgemacht haben – zum Beispiel in Selbsthilfegruppen, wie dem Blauen Kreuz. Diese Gruppen und die Gespräche mit Gleichgesinnten helfen, nicht rückfällig zu werden und wieder mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen – denn selbst nach einem abgeschlossenen Aufenthalt und dem vollständigen Entzug bleibt die Erkrankung weiterhin bestehen und eine lebenslange Abstinenz ist notwendig.

Sehr hilfreich kann es auch sein sich zum Beispiel einer Sportgruppe anzuschließen, die sich regelmäßig zum walken, laufen oder Fahrrad fahren trifft. Dies ist nicht nur gesund und förderlich für ein gesundes Körperbewusstsein, sondern auch „gesellig“ durch den sozialen Kontakt, den man knüpfen kann. Sie erleben Spaß und Freude in der Gemeinschaft. Aktivitäten in der Gruppe helfen Ihnen eine positive Lebenseinstellung zu gewinnen.

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Auch in schwierigen Situationen sind wir für Sie da. In unserer Pflegewelt von AXA gehen wir mit unseren Beiträgen – ob in Textform oder als Filmbeitrag – auf die Bedürfnisse rund um die Themen Pflege, Prävention und Unterstützung ein.

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Hilfreiche Linktipps:

  • www.kreuzbund.de: Bundesweite Suchfunktion zu Selbsthilfegruppen
  • www.blaues-kreuz.de: Wissenswertes und Hilfe zum Thema Sucht
  • www.dhs.de: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. – umfassendes Internetportel zum Thema Sucht
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