Sucht hat keine Altersgrenzen. Risiken und Hilfen im Alter.

Hilfe aus der Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten mit Checkliste


Einsamkeit und Schmerzen führen viele ältere Menschen in die Fänge von Alkohol und Medikamenten. Es ist nie zu spät für Hilfe. Mit professioneller Unterstützung ist es jederzeit möglich, sich von der Sucht zu befreien.

-------------------------------


Bis zu 400.000 ältere Menschen in Deutschland sind von einem Alkoholproblem betroffen. Wohl mehr als eine Million Ältere nehmen zu viele Schlaf-, Schmerz- oder Beruhigungsmittel ein. Die Sucht im Alter ist ein Thema, das nicht länger mit Tabus belegt werden darf, denn für einen Ausstieg ist es nie zu spät. Wir zeigen den Weg zur Hilfe.


Abhängigkeit ist das unterschätzte Risiko im Alter

In Deutschland trinken etwa 9,5 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen: Rund 1,3 Millionen gelten als alkoholabhängig und 1,5 bis 1,9 Millionen Menschen sind medikamentenabhängig, sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Das sind alarmierende Zahlen. Den Anteil der Älteren wurde lange Zeit aus dem Blickfeld ausgegrenzt. Das hat sich als fataler Irrtum herausgestellt. Viele Ältere finden den Weg in eine Suchtberatung nicht aus eigener Kraft. Es ist höchste Zeit, die besondere Gefährdung im Alter zu verstehen und Hilfe anzubieten.  

Ungefähr 14 Prozent der Personen, die von ambulanten Pflegediensten oder in stationären Einrichtungen betreut werden, haben mit Alkohol- oder Medikamentenproblemen zu kämpfen. Viele andere leben allein und haben wenige soziale Kontakte. Eine Suchterkrankung wird deshalb häufig erst sehr spät entdeckt. Für Angehörige ist es hilfreich zu wissen, wie man die Anzeichen für eine Abhängigkeit erkennt. Hier finden Sie eine nützliche Checkliste:  

Checkliste Alkohol im Alter (pdf, 250 KB)

Was ist „normal“, wo beginnt die Sucht?

Es beginnt mit dem Pikkolo, dem Likörchen und dem Schnäpschen nach dem Essen, ganz zu schweigen von den vielen Stärkungsmitteln für ältere Menschen, die zum Teil auch Alkohol enthalten. Der Übergang zum riskanten Trinken ist meist schleichend und unbewusst. Wenn sich die Menge kontinuierlich steigert, ist das ein Anzeichen für eine Abhängigkeit, ebenso wie heimliches und ständiges Trinken. Die Symptome der Alkoholsucht verschwimmen oft mit den altersbedingten Veränderungen: Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Appetitverlust, Schwindel, Gesichtsröte und Zittern können, müssen aber nicht durch Alkohol verursacht ein.

Frauen sind häufiger von Medikamentensucht betroffen. Experten beklagen, dass man ihnen aus kaum nachvollziehbaren Gründen zwei- bis dreimal mehr Psychopharmaka verschreibt als Männern. Was als „Beruhigungs- oder Einschlafhilfe“ begonnen hat, ist zur Gewohnheit geworden, und ohne die kleinen Pillen geht gar nichts mehr. Über psychische Probleme wie Ängste oder Schlafstörungen sprechen ältere Menschen meist ungern. Die Tablette scheint ihnen die einfachste Lösung zu sein. Vor allem Benzodiazepine, Schlafmittel, sind ein Problem. Oft werden sie zu lange und in zu großen Mengen verschrieben und eingenommen.


Wie entlarvt man die Abhängigkeit?

Speziell für die Alkoholprobleme älterer Menschen wurden Tests entwickelt, der „S MAST-G“ (Short Michigan Alcohol Screening Test Geriatric Version) umfasst nur zehn Fragen:

  • Haben Sie anderen gegenüber schon einmal untertrieben, wie viel Alkohol Sie trinken?
  • Haben Sie nach ein paar Gläsern Alkohol manchmal eine Mahlzeit ausgelassen?
  • Helfen Ihnen ein paar Gläser Alkohol, Zittern zu verhindern?
  • Haben Sie nach Alkoholgenuss manchmal Schwierigkeiten, sich an Teile des Tages oder der Nacht zu erinnern?
  • Trinken Sie Alkohol, um zu entspannen oder Ihre Nerven zu beruhigen?
  • Trinken Sie, um Probleme für einige Zeit zu vergessen?
  • Haben Sie schon einmal mehr Alkohol getrunken, nachdem Sie einen Verlust in Ihrem Leben erlitten haben?
  • Hat Ihnen schon einmal eine Person gesagt, sie machen sich Sorgen bezüglich Ihres Alkoholkonsums?
  • Haben Sie jemals Trinkregeln für sich aufgestellt?
  • Verschafft Ihnen ein alkoholisches Getränk Erleichterung, wenn Sie sich einsam fühlen?
Wer zwei oder mehr dieser Fragen mit JA beantwortet, hat vermutlich ein ernstzunehmendes Suchtproblem und sollte Hilfe und Beratung annehmen. Im Gegensatz zu allen Vorurteilen kann eine Therapie in jedem Alter erfolgreich sein. Nach Erfahrung von Therapeuten stehen die Chancen für Ältere sogar besser, weil sie konsequenter sind. Bei Medikamentensucht gibt es gute Alternativen der Schmerzlinderung durch gezielte Bewegung. Interessant zu sehen ist auch, dass es in jedem Alter gelingen kann Nichtraucher zu werden. Wie es gelingt, lesen Sie hier im PLUS.


Was können die Folgen sein?

Die Folgen der Sucht sind im Alter brisant. Die Alkoholverträglichkeit nimmt ab, denn mit steigendem Alter sinkt der Wasseranteil im Körper. Die gleiche Menge Alkohol verteilt sich auf weniger Körperflüssigkeit und führt zu einem höheren Alkoholpegel. Die Leber braucht länger für den Abbau des Alkohols, auch die Nerven im Gehirn werden feinfühliger. Ältere Menschen leiden unter einer erhöhten Schädigung des zentralen Nervensystems. Die Nervenzellen brauchen allein zum Abbau des Alkohols rund 80 Prozent des Zellsauerstoffs. Das ist problematisch, weil die Fähigkeit des Körpers, Sauerstoff aufzunehmen ohnehin mit dem Alter zurückgeht. Ein rasanter Verfall der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit kann die Folge sein.

Konkret verstärken Alkohol- und Tablettenmissbrauch das Risiko für Leber- und Nierenschäden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schädigen Bauchspeicheldrüse, Magen und Darm, verursachen Schlaganfälle und Hirnblutungen und verstärken Depressionen und Demenz. Häufige Stürze und Verletzungen haben ihre Ursache womöglich in einer heimlichen Sucht, viele dieser Vorfälle werden fatalerweise als alterstypische Erscheinungen interpretiert. Die wichtigsten Informationen sind in der Pflegewelt von AXA noch einmal kompakt zusammengefasst.

Was sind die Risikofaktoren und Auslöser für Sucht im Alter?

Oft sind neue Lebenssituationen Auslöser für eine Medikamenten- oder Alkoholsucht. Mit dem Eintritt ins Rentenalter fallen viele soziale Kontakte und Aufgaben weg. Das Resultat ist häufig eine Leere, die mit Alkohol gefüllt wird. Mit zunehmender Gebrechlichkeit nehmen die Beziehungen zu anderen Menschen weiter ab. Vereinsamung, Angst vor sozialem Abstieg und finanziellen Notlagen sind die großen Risikofaktoren. Dazu kommen häufig konkrete Schmerzen und Beschwerden, die von Alkohol und Medikamenten scheinbar sanft und wirksam gelindert werden.

In der Pflegewelt von AXA gehen wir mit unseren Beiträgen einfühlsam und verständlich auf die Bedürfnisse rund um die Themen Pflege, Prävention und Unterstützung ein. Gerade die Filme zeigen sehr anschaulich, wie Sie mit schwierigen Umständen umgehen können und geben praxisnahe Anregungen, um den Alltag zu meistern. Ein hilfreicher Film beschäftigt sich mit dem Thema „Sucht im Alter“ und geht offen auf drängende Fragen ein.

Informieren Sie sich rechtzeitig über Risiken und Chancen und schauen Sie hier in den PflegeTIPP gleich rein zu einem brisanten Problem, das immer mehr Menschen über 60 betrifft.


Was kann ich gegen die Abhängigkeit tun?

Der nächste Schritt führt zum Arzt oder zu einer der über 1.000 Beratungseinrichtungen, die in Deutschland für Menschen mit Alkohol- und anderen Suchtproblemen zur Verfügung stehen. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen empfiehlt, im Vorfeld abzuklären, ob die Beratungsstelle der Wahl auch auf ältere Menschen eingestellt ist. Die Hilfe dort ist kostenlos und vertraulich. Die Beratungsstellen unterliegen wie Ärzte der Schweigepflicht. Nach dem ersten Kontakt und der Therapieplanung ist die Behandlung selbst individuell sehr unterschiedlich. Im Prinzip gibt es drei Phasen:

  • Die Entzugsbehandlung dauert meist zwischen zwei und drei Wochen und kann in einer Klinik oder ambulant mit ärztlicher Begleitung erfolgen. Die Entzugserscheinungen werden dabei mit Medikamenten behandelt, die Kosten trägt die Krankenkasse.
  • Die Entwöhnung hilft mit einer psychotherapeutischen Behandlung, den Behandlungserfolg zu stabilisieren. Dieser Schritt dauert mehrere Wochen bis mehrere Monate und kann ambulant oder in Fachkliniken stattfinden. Die Kosten dafür übernehmen in der Regel die Rentenversicherungsträger. Tipp: Die Kostenübernahme muss unbedingt vor Beginn der Therapie geklärt werden – die Suchtberatungsstellen helfen dabei.
  • Die Nachsorge geschieht zum Beispiel sehr erfolgreich in Selbsthilfegruppen, viele Kliniken bieten aber auch spezielle Gruppen für ältere Menschen an.



Wie geht es weiter?

Soziale Kontakte und neue Lebensinhalte, insbesondere Bewegung und Sport sind sehr hilfreich, um das Leben auf Dauer ohne Suchtmittel zu bestehen. Die Möglichkeiten sind vielseitig. Ideal ist eine Gruppe, um Gemeinschaft und Halt zu finden. In diesem Sinne können Tanzen und Bowling ebenso gesund sein wie Schwimmen oder Wandern. Selbst im hohen Alter kann man mit ganzheitlichen Übungsformen wie Yoga oder Tai-Chi in eine Entspannung und Bewegung einsteigen. Hier geht es zu einem interessanten Yoga Angebot.

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA


Die Gewissheit, in guten Händen zu sein – mit dem gesundheitsservice360° von AXA.

Mit dem gesundheitsservice360° unterstützen wir Sie als Vollversicherter unserer privaten Krankenversicherung kostenfrei in allen Bereichen rund um Ihre Gesundheit. Von Prävention über Krankheitsunterstützung, bis hin zu weitergehenden Services. Wir sind für Sie da, damit Sie schon bald sagen können: „Ich fühl mich besser.“

Auch bei Suchtproblemen bieten wir eine spezielle Patientenbegleitung für betroffene Versicherte und deren Angehörige an.

Bei Suchterkrankungen sowie psychiatrischen Erkrankungen profitieren Sie unter anderem durch:
  • einen persönlichen Gesundheitsberater bei allen Fragen rund um das Krankheitsbild
  • einer umfassenden Begleitung während der ambulanten Behandlung (inklusive Vermittlung von Fachärzten), dem stationären Aufenthalt und bei der Nachsorge
  • Unterstützung bei der stationären Entlassungsplanung
  • Vermittlung von Therapieplätzen bei einem Psychotherapeuten nach maximal 10 Werktagen
  • einer engen Zusammenarbeit mit führenden Fachkliniken
Bei Fragen zu Sucht- oder psychischen Erkrankungen unterstützen wir Sie gerne unter 0221/148-43391 oder gesundheit@axa.de.


Hilfreiche Kontakte:

Bundesweite Sucht und Drogen Hotline 01805 313031 (0,14 € / Min. a. d. Festnetz, Mobilfunkpreise max. 0,42 € / Min., unterstützt von NEXT ID) täglich 24 Stunden verfügbar.

  • www.kreuzbund.de bietet eine bundesweite Suchfunktion für Selbsthilfegruppen an
  • www.blaues-kreuz.de bietet Wissenswertes und Hilfe zum Thema Sucht
  • www.guttempler.de ist die Internetseite des größten nichtkonfessionellen Suchtselbsthilfeverbands.
  • www.dhs.de ist das umfassende Internetportel der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Rechtliche Hinweise
Die Artikelinhalte werden Ihnen von AXA als unverbindliche Serviceinformationen zur Verfügung gestellt. Diese Informationen erheben kein Recht auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Bitte beachten Sie dazu unsere Nutzungsbedingungen.