Lieber heute als morgen!

Vollmachten und Verfügungen gehören zur Lebensplanung


Umfragen zeigen, wie wichtig den Menschen heute Selbstbestimmung ist. 45 Prozent der Erwachsenen planen, eine Patientenverfügung zu verfassen. Bei den 60-Jährigen und Älteren hat jeder zweite den eigenen Willen bereits dokumentiert. In jüngeren Jahren scheitert dagegen der Wunsch allzu oft an der Wirklichkeit. Auch Vorsorgevollmachten werden auf die lange Bank geschoben, weil der Bedarfsfall weit entfernt scheint. Tatsächlich zeigen die Fallzahlen aber: Es ist nie zu früh für Vorsorgeregelungen.

„Es ist doch wohl selbstverständlich, dass mein vertrautester Mensch für mich entscheiden darf, wenn ich es nicht kann?“ So denken etwa zwei Drittel aller Deutschen. Die Wahrheit holt sie in bitteren Situationen ein: ein Unfall, ein Schlaganfall, plötzlich hilflos - und weder der Partner noch erwachsene Kinder haben ein Recht, in medizinischen oder finanziellen Angelegenheiten zu entscheiden, es sei denn, eine entsprechende Verfügung liegt vor.

Ein fundamentales Grundrecht wird in Notlagen zum Problem; das Selbstbestimmungsrecht in Artikel 2 des Grundgesetzes garantiert „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit ...“  Das bedeutet aber auch, dass ohne ausdrückliche schriftliche Ermächtigung selbst der Ehe- oder Lebenspartner nicht über medizinische Behandlungen oder andere Maßnahmen bestimmen darf. Stattdessen muss ein gerichtlicher Betreuer bestellt werden. Dagegen hilft nur, Entscheidungen rechtzeitig vor fremdem Zugriff zu schützen.



Selber für Selbstbestimmung sorgen

Eine Reihe von Vollmachten und Verfügungen ist vorgesehen, um ohne großen Aufwand sicherzustellen, dass Menschen jederzeit in vertrauten Händen sind. Warum dennoch rund drei Viertel der Deutschen ohne Vorsorgeregelungen dastehen? Der Hemmschuh ist die Scheu vor Schwäche und Pflegebedürftigkeit, wer möchte sich schon gerne mit den eigenen Grenzen beschäftigen? „Das Thema geht die gesamte Gesellschaft etwas an, doch wir verdrängen es kollektiv", sagt der Sozialpädagoge und Pflegeexperte Claus Fussek. 93 Prozent der Erwachsenen kennen die Möglichkeit der Patientenverfügung; doch nur 28 Prozent haben eine verfasst.

Im Alter unter 30 Jahren sind es sogar nur rund 4 Prozent (Quelle: Allensbach 2014), obwohl der Notfall keine Altersgrenze kennt – die Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren ist zum Beispiel am zweithäufigsten von Verkehrsunfällen mit Personenschaden betroffen.



Würde, Recht und Klarheit

Vorsorge-Regelungen sichern nicht nur die Selbstbestimmung, sondern stärken auch Nahestehenden den Rücken und verschaffen Ärzten Klarheit. Die Regel für eine verlässliche Vorsorge heißt: Willen dokumentieren und Verbündete wählen, 1 oder 2 + 3 + 4 der aufgeführten Möglichkeiten:

1. Die Generalvollmacht berechtigt laut Standardtext zwar „zur Vertretung in allen Angelegenheiten“, jedoch sind im Gegensatz zur Anmutung dieser Formulierung gesundheitliche Entscheidungen ausgenommen. Hier verlangt das Gesetz, dass zum Beispiel „risikoreiche medizinische Maßnahmen“ ausdrücklich im Text der Vollmacht aufgeführt sind.

2. Die Vorsorgevollmacht bevollmächtigt in guten Tagen eine Vertrauensperson, notfalls zu entscheiden und zu handeln. Die Vollmacht kann nur bei voller Geschäftsfähigkeit erteilt werden, sie baut rechtlicher Betreuung vor, setzt aber auch unbedingtes Vertrauen zum Bevollmächtigten voraus. Eine notarielle Beglaubigung kann sinnvoll sein, um die Vollmacht durchzusetzen, ansonsten ist jedenfalls für Geldgeschäfte eine gesonderte Bankvollmacht nötig.

3. Die Betreuungsverfügung vermeidet zwar nicht die rechtliche Betreuung, schlägt aber eine Person des Vertrauens als rechtlichen Betreuer vor oder schließt auch Personen für diese Funktion aus. Im Grundsatz ist das Gericht an diese Wünsche gebunden, es sei denn, der Betreuer erweist sich als ungeeignet.

4. Die Patientenverfügung legt bindend fest, welche ärztlichen Maßnahmen unter bestimmten Bedingungen gewünscht oder nicht gewünscht sind. In erster Linie richtet sich diese Willenserklärung an die Ärzte, nennt aber auch eine Vertrauensperson zur Auslegung und Durchsetzung der persönlichen Werte und Vorstellungen. Daher ist es wünschenswert, dass die Patientenverfügung durch eine Vorsorgevollmacht ergänzt wird.


Wer hilft?

Notare warnen vor dem Gebrauch x-beliebiger Vorlagen aus dem Internet. Zuverlässig hilft das Bundesjustizministerium beim Erstellen wirksamer Vollmachten und Verfügungen mit Informationen, Textbausteinen und Formularen auch in Fremdsprachen unter www.bmjv.de im Menüpunkt „Vorsorge und Patientenrechte“ und „Service“.

Rechtsberatung ist nützlich bei Unsicherheiten. Zum Beispiel: Gilt die Vollmacht auch im Ausland? Grundsätzlich ja im Rahmen des Haager Übereinkommens zum internationalen Schutze Erwachsener in Ländern wie Schweiz, Frankreich, Italien, Polen, Schottland. Rechtssicherheit bei vielen verschiedenen Sonderregeln kann aber nur ein Experte geben. Das ist auch wichtig bei Patientenverfügungen, die den Gesetzen des Landes unterworfen sind, in der die medizinische Behandlung stattfindet.

Damit Vorsorgevollmachten und Patientenverfügung jederzeit für Gerichte und Ärzte einsehbar sind, hat die Bundesnotarkammer auf Wunsch des Gesetzgebers das Zentrale Vorsorgeregister ZVR eingerichtet, das für notarielle aber auch für private Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen und Patientenverfügungen offen steht. Die Registrierung kostet rund 13 € und ist auch online möglich unter www.vorsorgeregister.de 

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Liebesdienst in guten Tagen - alles geregelt

Wer die Größe und Voraussicht aufbringt, bewusst und planend mit dem eigenen Tod umzugehen, erweist Hinterbliebenen einen unschätzbaren Dienst – nicht zuletzt auch sich selbst. Davon ist Bestatter David Roth überzeugt: „Alle Menschen berichten uns, wie entlastend und befreiend es ist, offen über die Frage "Was wäre, wenn..." zu sprechen.“      

Hier eine Übersicht der wichtigsten Punkte, die zu bedenken sind:

Testament
Es ist längst nicht selbstverständlich: Nur ein gutes Viertel der Befragten in einer Emnid-Umfrage hat ein Testament hinterlegt. Kein Wunder, dass es bei jeder vierten größeren Erbschaft zum Streit kommt. Eine einfache handschriftliche Verfügung mit Datum, Ort und Unterschrift kann viel Zorn und Kummer verhindern. Dabei sollten Haustiere nicht vergessen werden!

Sorgerechtsverfügung
Wem sollen minderjährige Kinder anvertraut werden? Diese Verfügung ist eine unverzichtbare Vorsorge, rund 1.000 Kinder werden jedes Jahr zu Waisen und wenn keine Sorgerechtsverfügung vorliegt, dann trifft das Gericht diese Entscheidung.

Organspende
Eine bundesweite Befragung zeigte wieder, dass 18 Prozent der Deutschen der Organspende aufgeschlossen gegenüber stehen, doch nur jeder achte Bundesbürger hat einen Organspendeausweis. Ausführliche Informationen gibt www.organspende-info.de

Bankvollmacht
Zusätzlich zur Vorsorgevollmacht ist es wichtig, persönlich bei der Bank vorzusprechen und gemeinsam mit der erwählten Vertrauensperson ein bankeigenes Vollmachtsformular zu unterschreiben.

Bestattungsvorsorge
Hilfreich für Hinterbliebene ist es, wenn die Wünsche zu Ort und Art der Bestattung möglichst präzise niedergeschrieben sind. Zusätzlich kann ein Bestattungsvorsorgevertrag die Kosten regeln, im üblichen Treuhandmodus ist man dabei auf der sicheren Seite.

Digitaler Nachlass
Was geschieht nach dem Tod mit unserem „Besitz“ im Internet? Was wird aus den Accounts in sozialen Netzwerken, Internet-Diensten, Online-Konten? Heute gehört es zur Vorsorge, Zugangsdaten zu E-Mail-Konten und anderen Diensten handschriftlich im Testament zu hinterlassen. In der Vorsorgevollmacht kann man zudem bestimmen, auf welche Daten die Erben zugreifen dürfen und was damit geschehen soll.

Tipp: In einer plötzlichen Notfallsituation geht es teilweise um schnelle Entscheidungen, die gefällt werden müssen. Stellen Sie Ihren eigenen „Notfallordner“ mit allen wichtigen Vollmachtformularen zusammen, so dass der Ehepartner oder nahe Angehörige schnell die wichtigsten Unterlagen zur Hand haben!


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