Kita oder Elternhaus? Was ist für Kinder die beste Kinderbetreuung?



Was ist für kleine Kinder am besten? Dürfen Eltern auch an ihre eigenen Bedürfnisse denken? Die Kinderbetreuung der ersten Jahre wirft heute viele Fragen auf. Die Antworten geben großen Spielraum für persönliche Entscheidungen.

Die Diskussion über die ideale Kinderbetreuung in den ersten Lebensjahren ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Politik hat sich das Thema ganz oben auf die Agenda gesetzt: „Eine gute Kinderbetreuung und frühe Förderung für alle Kinder gehören zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben in Deutschland“, heißt es aus dem Bundesfamilienministerium. Das Kinderförderungsgesetz (KiföG) verspricht unter anderem ab 1. August 2013 den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder vom ersten bis zum dritten Lebensjahr.

Den Eltern ist die Entscheidung überlassen, ob sie ihr Kind betreuen oder ob sie sich für eine Fremdbetreuung entscheiden. Die historische Rollenteilung, Mann bei der Arbeit und Frau zu Hause, ist heute nicht mehr das einzige Modell. Viele Frauen wollen und/oder müssen arbeiten und das ist nur möglich, wenn man das Gefühl hat, das Kind wird gut versorgt. Viele Familien bestehen auch aus alleinerziehenden Männern oder Frauen und die müssen arbeiten gehen. Oft leben die jungen Familien örtlich getrennt von den Ursprungsfamilien, so dass die Oma und Opa keine ständige Kinderbetreuung garantieren können.


Chancen für Kinder, Eltern und die ganze Gesellschaft

Im Jahr 2011 war in Deutschland etwa ein Viertel der Kinder unter drei Jahren in einer Kindertageseinrichtung oder einer öffentlich geförderten Kindertagespflege untergebracht. Experten machen Familien Mut zu dieser Lösung. Der Schweizer Kinderarzt und Forscher frühkindlicher Entwicklung Remo H. Largo: „Bei der Betreuung müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein, Qualität und Kontinuität – egal, ob die Mutter, der Vater, eine Kinderfrau oder die Erzieherinnen in einer Krippe für das Kind da sind.“


Vielfalt mit Pro & Contra

Die Interessen von Kindern und Eltern zu verbinden ist oft gar nicht so einfach. Die nachfolgende Kurzübersicht soll eine erste Entscheidungshilfe geben:


Kinderkrippen und Kindertagesstätten (Kita)

Kinderkrippen und Kindertagesstätten (Kita) sind Tageseinrichtungen für Kinder bis zum dritten Lebensjahr, die hier in einer altersgemäßen Umgebung das Zusammenleben mit anderen Kindern lernen. Krippen werden von Kommunen oder freien Trägern betrieben, immer häufiger tragen Betriebe dazu bei, für ihre Arbeitnehmer die Betreuungslücken zu schließen. Die Elternbeiträge bei Kitas und Kinderkrippen richten sich meist nach Betreuungszeit und Einkommen und schwanken stark je nach Bundesland und Träger zwischen ca. 50 und 1000 Euro pro Monat.

Plätze in den bezahlbaren kommunalen Kitas sind entsprechend rar – es ist ratsam, sich bereits während der Schwangerschaft anzumelden. Groß sind auch die Qualitätsunterschiede in der Betreuung. Eine Hilfestellung bei der Beurteilung gibt die „Checkliste Kita-Platz“ der Bertelsmann-Stiftung, die Sie hier zum Download finden. Die Deutsche Liga für das Kind gibt Ratschläge in einer Broschüre unter www.fruehe-tagesbetreuung.de.

Pro: hohe Förderwirkung, ausgebildetes Fachpersonal
Contra: meist lange Wartelisten bei den kommunalen Kitas, zum Teil hohe Kosten


Tagesmutter/Tagesvater

Tagesmutter oder Tagesvater nehmen ein bis fünf Kinder ganztags oder einen Teil des Tages in ihrer eigenen Familie auf oder betreuen ein Kind auch im Haushalt seiner Eltern. Der Tagesmütter-Bundesverband empfiehlt einen Stundensatz von 5.50 Euro, inklusive Verpflegung. Die Kosten der Tagespflege werden unter bestimmten Voraussetzungen teilweise oder ganz vom Jugendamt übernommen – dazu gehören, dass die Tagespflege geeignet und für das Kind erforderlich ist. Das Jugendamt leistet auch Unterstützung bei der Auswahl einer qualifizierten Tagesmutter, nützliche Informationen dazu gibt auch www.tagesmutter.net.

Pro: intensivere Betreuung, kleinere Gruppe, dadurch familiäre Betreuung
Contra: weniger professionelle Ausstattung, keine Vertretungsregelung


Au-pair und Kindermädchen

Au-pair oder Kindermädchen betreuen das Kind im gewohnten Umfeld zu Hause. Ein Au-pair darf maximal sechs Stunden pro Tag und 30 Stunden in der Woche arbeiten und hat Anspruch auf ein monatliches Taschengeld von 260 Euro (plus Sprachkursen und Fahrkarten) bei einem Aufenthalt von maximal zwölf Monaten. Vertrauenswürdige Vermittler erkennt man an dem Gütezeichen Au-pair, das mit Unterstützung des Familienministeriums entwickelt wurde, Informationen unter www.guetegemeinschaft-aupair.de. Nützliche Tipps bei der Suche nach einem qualifizierten Babysitter gibt www.hallobabysitter.de

Pro: Integration in die Familie, große Flexibilität für Eltern
Contra: zeitlich begrenzte Betreuung auf ein Jahr, eventuell Sprachbarriere, keine fachliche Ausbildung


Glückliche Eltern, glückliche Kinder

Eltern sollen sich ohne moralischen Druck für die Betreuung entscheiden können, die zur individuellen Situation der Familie am besten passt. „Glückliche Kinder brauchen glückliche Eltern“, sagt Dr. Martin Textor vom Staatsinstitut für Frühpädagogik. Die beste Betreuung für ein Kind ist die, für die sich Eltern in Übereinstimmung und aus vollem Herzen entschließen. Viele anregende Expertenmeinungen aber auch konkrete Ratschläge gibt ein umfangreiches Familienhandbuch online unter www.familienhandbuch.de.


Tipp: Der Staat hilft mit

Durch das Steuervereinfachungsgesetz können alle Eltern ab 2012 Kinderbetreuungskosten steuerlich absetzen – zwei Drittel der Betreuungskosten pro Kind und höchstens 4.000 Euro pro Jahr.

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