Hilfe! – Mobbing: Was tun wenn mein Kind gemobbt wird?

Mit Checkliste

„Ich brauche Hilfe wegen Mobbing, bitte helft mir, ich wollte mir schon das Leben nehmen..!“ – „Ich weiß nicht, was ich machen soll. Fast die ganze Schule mobbt mich, die beleidigen mich, hauen, beißen, treten, spucken…“ So lesen sich die Hilferufe zweier Mädchen in einem Anti-Mobbing-Forum für jüngere Schülerinnen und Schüler. In Deutschlands Schulen wird gemobbt. Das ist eine Tatsache. Auch der AXA Kindersicherheitsreport 2013 der im November 2013 gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. und dem Meinungsforschungsinstitut forsa in Berlin vorgestellt wurde – zeigt, dass Ausgrenzung, Beleidigungen und Demütigungen zum Alltag unter Kindern gehören: Schon im Grundschulalter ist nach Aussage der befragten Eltern fast jedes dritte Kind von Schikane durch andere Kinder betroffen. Zudem gaben 94 Prozent der teilnehmenden Lehrer an, sie haben mit den Themen Ausgrenzung, Beleidigungen und Demütigungen bereits zu tun gehabt. Für etwa jeden dritten Lehrer ist es sogar eine alltägliche Erfahrung. Fest steht, dass solche Attacken auf längere Sicht die Leistungsfähigkeit der Kinder schmälern und sogar krank machen. Fest steht auch, dass beim Thema Mobbing das allgemeine Klima an den Schulen eine große Rolle spielt und nach neueren Erkenntnissen in jedem Fall nahezu die ganze Klasse beteiligt ist. Doch: Wo fängt Mobbing eigentlich an? Warum wird jemand zum Opfer? Wer ist Täter? Wie kann man sich gegen Angriffe wehren? Und: Was kann man als Außenstehender tun? Wir haben nachgeforscht.



Mobbing, aus dem Englischen von mob – belästigen, pöbeln und mobbish – pöbelhaft, wird auch Bullying genannt. Knapp eine halbe Million der rund zehn Millionen Schüler in Deutschland werden jede Woche schikaniert, ausgegrenzt oder auch körperlich angegangen. Und das bereits in der Grundschule – auch, wenn das Mobbing in den weiterführenden Schulen schwerwiegender ist. Auch jeder elfte Erwachsene in Deutschland kennt das Gefühl, am Arbeitsplatz Opfer von psychischer Gewalt zu sein. Das zeigt die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland aus dem Jahr 2013.

Interessant sind diese Zahlen, weil sie zeigen, dass das Thema alle betrifft, Jung und Alt, und dass die Opfer nicht irgendwelche Einzelfälle sind. Dennoch wird Mobbing in vielen Schulen nicht ernst oder wahrgenommen. Das erhärtet auch die aktuelle AXA Studie zur Kindersicherheit: Nur gut ein Drittel der befragten Lehrer (36 Prozent) fühlt sich gut oder sehr gut zum Thema informiert oder ausgebildet. Zwei von drei Lehrern (65 Prozent) sind der Meinung, dass Schulen Hilfe von außen benötigen, um entsprechende Konflikte unter Schülern zu bewältigen. Doch längst nicht alle Schulen suchen diese Hilfe oder nehmen sie in Anspruch.


Was ist das – Mobbing?

Das Phänomen der Ausgrenzung und des Schikanierens ist nicht neu, erste Forschungen dazu gab es schon in den 60er Jahren. Neu sind die Möglichkeiten, wie z.B. im Internet, und die Schnelligkeit, mit der Mobbing heute gezielt und auch anonym gesteuert werden kann. Doch so sehr das Thema für Gesprächsstoff sorgt – wenn tatsächlich jemand gemobbt wird, ist es oft sehr einsam um den Betroffenen.


Viele, die die Schikanen mitbekommen, sehen lieber weg, einige schauen einfach zu, andere wissen nicht, was tun und tun deshalb nichts, manche machen aktiv mit… Und der Gemobbte selbst? Weiß oft nicht, wohin er sich wenden kann, zieht sich vom gesellschaftlichen Leben zurück, fühlt sich verletzt und allein – und auch allein gelassen.

Der Diplom-Sozialpädagoge und Mobbingexperte Frank Schallenberger beschreibt in seinem Buch „…und raus bist du!“, wie Mobbing funktioniert: „Mobber handeln strategisch, zielgerichtet in sich wiederholenden und sich steigernden Attacken. Der Täter sucht sich sein Opfer aus und nimmt eine oft nur minimale Andersartigkeit in dessen Eigenschaften zum Anlass, um es ins Visier zu nehmen und sich darauf „einzuschießen“. Andere Mitglieder einer Gruppe werden als Mittäter „angeworben“ oder bilden den Chor johlender Anhänger oder zumindest das erwünschte „Publikum“. Irgendwann wird auf diese Weise das gehetzte Wild zur Strecke gebracht oder vertrieben.“


Auflauern, jagen, verprügeln…

Einfache oder auch mehrmals auftretende Konflikte unter Kindern sind noch kein Mobbing. Denn hier stehen sich gleichwertige Gegner gegenüber. Beim Mobbing dagegen herrscht Ungleichgewicht, mehrere schikanieren einen einzelnen. Um das aufzudecken, empfiehlt es sich deshalb, sehr genau hinzusehen. Unter anderem auch, weil es geschickten Tätern oft gelingt, die Aufmerksamkeit von sich selbst auf das Opfer abzulenken und es selbst vor den anderen als Verursacher der Probleme oder Konflikte dastehen zu lassen.

“Erwachsene sollten genau hinsehen, um das Mobbing unter Schülern rechtzeitig zu erkennen. Und wachsam sein, dass man sich nicht als Lehrer für die Zwecke der Täter instrumentalisieren lässt. Man darf nicht außer Acht lassen, dass einige der kleinen Peiniger schon perfekte soziale Kompetenzen an den Tag legen können, aber gleichzeitig mit erheblicher Aggressivität gegen ihre Opfer vorgehen”, erklärt Mechthild Schäfer, Psychologie-Dozentin an der Ludwig-Maximilian-Universität München, in einem Interview.

Mobbing tritt in allen Altersstufen – vom Kindergarten bis hinein ins Arbeitsleben – und in allen Schulformen und Schichten auf. Zur Zielscheibe werden kann: Jeder. Den Begriff selbst kann man in direktes und indirektes Mobbing unterteilen. Unter direktem Mobbing versteht man den regelmäßigen, direkten Angriff auf das Opfer. Eine Studie der Universität München hat die statistisch am häufigsten vorkommenden Mobbing-Übergriffe in Schulen zusammengetragen: Auflauern und Abpassen auf dem Schulweg, Verfolgen, Jagen, Knuffen, Stoßen und Verprügeln stehen an erster Stelle.

Bei indirektem Mobbing werden andere zu den diffamierenden Taten angestiftet. Dazu zählen auch das Verbreiten von Lügen und Gerüchten. Meist treten beide Formen gemischt auf.

Besonders perfide ist das Cybermobbing (Mobbing im Internet), das vor allem unter Jugendlichen zunimmt. Im Jahr 2011 gaben 18 Prozent von 1.000 befragten Schülern in Nordrhein-Westfalen an, schon einmal online oder über das Handy bedroht oder beleidigt worden zu sein. 13 Prozent von ihnen erlebten, dass Gerüchte und Beleidigungen über das Internet verbreitet und verschickt wurden. Acht Prozent der Jugendlichen in NRW haben die Erfahrung gemacht, dass jemand in ihrem Namen Benutzerkonten eingerichtet oder E-Mails versendet hat.


Opfer brauchen schnelle Hilfe

Aber was tun? Hier empfiehlt es sich genau wie in den anderen Fällen ein Mobbingtagebuch zu führen. So können die Betroffenen selbst kontrollieren, wie oft diese Vorfälle vorkommen, sie haben Beweise für den Psychoterror und können sich damit besser zur Wehr setzen. Bei Verfolgung und Verleumdung im Internet machen es die gesammelten Unterlagen leichter, bei Anbietern Webseiteninhalte löschen zu lassen oder bei der Polizei eine Anzeige aufzugeben.

Dabei bietet AXA Unterstützung: Wird ein Kind eines Kunden unseres Versicherungspartners Roland Rechtsschutz beispielsweise durch beleidigende Äußerungen eines Mitschülers angegriffen, kann der ROLAND Schadenersatz-Rechtsschutz helfen: Ein Anwalt setzt einen Unterlassungsanspruch durch und der Mitschüler muss den Eintrag löschen. Der Schadenersatz-Rechtsschutz ist im ROLAND Privat-Rechtsschutz enthalten - hier bekommen Sie weiterführende Informationen über den ROLAND Privat-Rechtsschutz.


Doch Kinder, die Opfer werden, können sich in den seltensten Fällen selbst helfen. Hier sind die Erwachsenen gefragt. Denn Selbstzweifel, Angstzustände, soziale Isolation, Konzentrations- und Leistungsabfall sind Folgen von Mobbing. Die Betroffenen ziehen sich zurück, haben oft körperliche Symptome wie Kopf- oder Bauchweh oder wollen nicht mehr in die Schule gehen. Sie suchen die Schuld bei sich und schämen sich für ihre Rolle. Sich Hilfe zu holen, fällt schwer. Dabei brauchen diese Kinder dringend Erwachsene als Unterstützer: Eltern, Lehrer, Pädagogen, die Schulleitung. Und Mitschüler, die sich für sie einsetzen.

Lehrer und Eltern zeigen allgemein eine Bereitschaft von beiden Seiten, hier zusammenzuarbeiten. Auch die Verantwortung für die Prävention in Sachen Ausgrenzung wird gleichermaßen bei Lehrern und Erziehern als auch bei den Eltern gesehen. Das fand die AXA Studie zum Thema unlängst heraus: Eltern setzen im Umgang mit dem Thema vor allem auf Erziehung zu selbstbewusstem Verhalten (75%), auf ein vertrauensvolles Verhältnis innerhalb der Familie (70%) sowie Aufklärung (60%).

Fast die Hälfte der befragten Eltern hat schon Initiativen und / oder „Streitschlichterprogrammen“ an Schule oder Kindergarten wahrgenommen. Denn sicher ist: Jedem Täter muss klar signalisiert werden, dass er mit seinem Tun eine Grenze überschreitet und dies nicht geduldet wird. Vorbildlich handeln da Schulen, in denen Präventionsprojekte zum Thema Mobbing durchgeführt und Anti-Mobbing-Teams gebildet werden.

Schnelle Hilfe in der Not

Die Nummer gegen Kummer:
für Kinder
: 0800 – 1110 333 oder vom Handy: 116 111 (Mo. – Sa. 14.00 – 20.00 Uhr; samstags sind Jugendliche am Telefon)
für Eltern: 0800 – 1110 550 (Mo. – Fr. 9.00 – 11.00 Uhr, Di und Do 17.00 – 19.00 Uhr)

Telefonseelsorge
– der evangelischen Kirche: 0800 – 1110 111; der katholischen Kirche: 0800 – 1110 222


Jeder spielt eine Rolle – Lehrer, Mitschüler, Eltern

Denn interessant ist, dass beim Mobbing in der Klasse neun von zehn Schülern eine aktive Rolle dabei spielen: als Täter, als Opfer, als Zuschauer, als Unterstützer des Täters oder als Verteidiger des Opfers. Das zeigen die Untersuchungen von Mechthild Schäfer. Allein deshalb ist Mobbing nicht nur ein Thema zwischen Opfer und Täter, sondern von jedem einzelnen und damit der ganzen Schule.

In Schulklassen, in denen gestörte Lehrer-Schüler-Beziehungen herrschten, verschlechtere sich bald das Verhältnis der Schüler untereinander, sagt auch Ferdinand Eder, Dozent am Linzer Institut für Pädagogik und Psychologie. Lehrer, die Schüler vor der Klasse bloßstellen, tragen teilweise ebenfalls dazu bei, dass ein Mitschüler zum Opfer wird.

PLUS von AXA Das PLUS für Kunden von AXA

Auch wenn wir es sehr gerne anders hätten und Ihr Kind davor schützen wollten: Vieles wie z.B. Mobbing können wir leider nicht vermeiden, aber AXA kann helfen, dass Kinder und Jugendliche für bestimmte Situationen besonders gut versorgt sind. So können Sie z.B. mit der Kinder-Existenzschutzversicherung von AXA Ihr Kind bei Krankheiten und Unfällen absichern. Diese spezielle Versicherung bietet Ihnen eine umfassende und günstige Versorgung für Kinder ab 6 Monaten. Mehr dazu lesen Sie hier.

In folgenden Fällen erhalten Kinder eine lebenslange monatliche Rente in der vereinbarten Höhe:
  • bei schweren Krankheiten oder schweren Unfällen
  • bei Verlust der Grundfähigkeiten wie Sehen, Hören, Sprechen
  • ab Pflegestufe 1 in der gesetzlichen Pflegeversicherung
Zusätzlich gibt es ein professionelles Reha-Management. Damit wird sichergestellt, dass Kinder und Jugendliche die bestmögliche Behandlung im Rahmen einer Zielplanung bekommen. Wenn ein Kind z.B. nicht am Schulunterricht teilnehmen kann, hilft die Kinder-Existenzschutzversicherung von AXA dabei, nicht den Anschluss zu verlieren: Abhängig von der Anzahl der Schulausfalltage wird ein Nachhilfegeld pro Tag bezahlt.

Wissen, was im Notfall zu tun ist
Mit Hilfe der AXA Assistance wird ein ortsnaher Erste Hilfe-Kurs mit speziellen Hilfsmaßnahmen für Kinder organisiert.

Ein Ansprechpartner tags und nachts
Eine medizinische Hotline steht rund um die Uhr mit kompetenten Ansprechpartnern für alle Fragen zu Prävention, Therapie, Diagnose, Impfschutz, Arzt- und Klinikwahl zur Verfügung.


Sicher Aufwachsen in Deutschland
Der AXA Kindersicherheitsreport 2013 ist Teil der AXA Kindersicherheitsinitiative. AXA möchte über Prävention durch Aufklärung zu einem sicheren Aufwachsen von Kindern in Deutschland beitragen. Die Studie beleuchtet Kindersicherheit sowohl unter physischen als auch unter psychischen Aspekten aus der Perspektive von Eltern, Pädagogen sowie Kindern und liefert zahlreiche Antworten auf diese Fragen. Fachlich begleitet wurde die Studie von der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V., der führenden Dachorganisation in Fragen der Unfallverhütung und Kooperationspartner von AXA. Die Befragung erfolgte durch das Meinungsforschungsinstitut forsa. Lesen Sie mehr zu den Ergebnissen der Studie unter www.axa.de/kindersicherheit.


Auch die Täter brauchen Hilfe

Warum werden Kinder zu Mobbern? Hier kommen oft mehrere Dinge zusammen – wie Erziehung, negative Vorbilder, Mangel an Zuwendung, Erfahrung und das Lernen im täglichen Tun. Im Grunde handelt es sich um Machtaufbau durch Aggression, meist deshalb um Aufmerksamkeit zu bekommen. Je früher und öfter aber ein Mobber die Erfahrung macht, mit solchen Mitteln durch und auch weiter zukommen, umso mehr verfestigt sich sein Verhalten und umso weniger wird er sozialere Umgangsformen erlernen. Deshalb ist ein möglichst frühes Einschreiten geboten – zum Wohl des Opfers und des Täters!

Die folgende Checkliste Mobbing im Internet gibt Ihnen als Eltern Unterstützung bei der Medienerziehung von Kindern und Jugendlichen. Die Tipps zeigen Ihnen was Sie tun können, um Ihr Kind besser vor Übergriffen zu schützen bzw. was Sie tun sollten, wenn Ihr Kind selber zum Mobber wird.

Checkliste Mobbing im Internet (pdf 365 KB)
Weitere wichtige Informationen, die Betroffenen, Eltern und Lehrern helfen können:

Lesen Sie auch im PLUS von AXA unseren Artikel „Erziehung zum Selbstschutz“.

Unser Partner Wo-DE bietet Sicherheitsschulungen für Kinder und Jugendliche an. Nähere Informationen finden Sie hier.

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