Die frühe Förderung unserer Kinder

Die ersten Lebensjahre legen das Fundament für die Zukunft unserer Kinder. Spielerische Förderung unterstützt die Kleinsten in ihrer Entwicklung, stärkt ihre Talente und schafft die Basis für Selbstbewusstsein und spätere Lernerfolge. Für Eltern ist das eine spannende und herausfordernde Aufgabe.



Die ersten Jahre sind die spannendsten des ganzen Lebens: Von der Geburt bis zum Alter von vier Jahren entwickelt der kleine Mensch 50 Prozent seiner reifen Intelligenz, zwischen vier und acht Jahren kommen noch weitere 30 Prozent dazu. Etwa mit zwei Jahren findet beispielsweise die sogenannte Wortschatzexplosion statt – bis zu fünf neue Worte lernt das Kind jeden Tag. Die Entwicklung von Sprachgefühl, Motorik und sozialer Intelligenz machen Riesenschritte, vor allem im Alter zwischen 18 Monaten und drei Jahren.

Jetzt kann man Talente wecken und fördern – und nicht nur die Kinder profitieren von der Zuwendung. Auch für die Eltern ist es die kostbarste Zeit, die eine innige Beziehung für ein ganzes Leben begründet


Kleine Kinder haben Lust zu lernen.

„Sehen wir uns an, was Kinder lernen wollen“, regt Prof. Renate Zimmer von der Uni Osnabrück an, eine der international führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der kindlichen Motorik: Vor allem im zweiten und dritten Lebensjahr fasziniert ihre unermüdliche Arbeit an der Verbesserung von Geschicklichkeit, Beweglichkeit, Motorik und Koordination. Selbstbestimmtes Lernen ist eine Grundregel guter Frühförderung. Kinder wollen ihren Erkundungsradius erweitern, sie wollen sich selbst ausprobieren, Erfahrungen machen und sich mit anderen Kindern messen.

Beim Babyschwimmen zum Beispiel geht es weniger um das Schwimmen lernen als um Erfahrungen mit dem Gleichgewichtssinn und dem Wasser. Beim gemeinsamen Malen in Spielgruppen sind die Bilder weniger wichtig als das Miteinander. Es macht Sinn, gezielt einige der vielfältigen Angebote zu nutzen – zwei- bis maximal dreimal pro Woche – und ansonsten das Lernen und Üben aus den Anregungen des täglichen Lebens zu beziehen. Das kann das Mithelfen im Haushalt sein, das sind die Regeln bei Tisch, das können Bewegungsspiele sein, rhythmische Fingerreime, gemeinsames Singen und immer wieder auch gemeinsames Beobachten in der Natur.

Welche Angebote gibt es?
Anregungen für Kinder und Eltern in Krabbelgruppen
: Kommunen, Vereine, Kirchen und immer häufiger auch private Initiativen bieten Krabbel- und Spielgruppen an, in denen sich Eltern und Kleinkinder zum ungezwungen zum Spielen und singen miteinander treffen.

Beim Spielen lernen – das PEKiP-Konzept: Das Prager-Eltern-Kind-Programm ist ein spezielles Konzept für spielerische Gruppenarbeit mit Eltern und ihren Kindern im ersten Lebensjahr. Eine Gruppe in Ihrer Nähe finden sie unter www.pekip.de.

Babyschwimmen für Spaß und Motorik: Die Bewegung im Wasser ist laut Sporthochschule Köln eine nachhaltige Bewegungsschulung für Kinder zwischen vier und 18 Monaten. Eine Suchmaschine für Babyschwimmkurse bietet das Portal www.babyschwimmen.de.
Achtung
: Bei allergischen Vorbelastungen in der Familie warnt das Umweltbundesamt allerdings vor dem Babyschwimmen wegen der Belastung von Wasser und Luft durch Desinfektionsmittel wie Chlor.

Ganzheitliche Förderung mit musikalischer Früherziehung: Musische Talente, aber auch Intelligenz und Sozialkompetenz stehen im Mittelpunkt der ersten Begegnungen mit Musik und Bewegung für Kinder ab zwei bis vier Jahren. Als Musikinstrumente eignen sich besonders Rasseln und Trommeln, durch die Kinder zur rhythmischen Begleitung geradezu aufgefordert werden. Qualifizierte Angebote findet man z.B. unter www.musikschulen.de.

Spielerisch zur Fremdsprache: Etwa bis zum sechsten Lebensjahr dauert die einmalige Phase an, in der sich Kinder spielerisch und allein durch Imitieren die Grundzüge einer Fremdsprache aneignen können. Die Zahl zweisprachiger Kindergärten nimmt nach positiven Erfahrungen mit dem intuitiven Lernen zu, auch Volkshochschulen und private Schulen bieten Kurse an, in denen Vorschulkinder spielerisch Fremdsprachen lernen. „Eine Person – eine Sprache“ ist die Grundregel des sogenannten Sprachbades, bei dem schon Dreijährige täglich in die neue Sprache eintauchen – ein Prinzip, das sich auch für das Aufwachsen von Kindern in zweisprachigen Elternhäusern bewährt hat.

Die Schule der Natur: Das beste Trainingsgelände steht kostenlos und zu allen Jahreszeiten zur Verfügung. Draußen im Garten, in Wald und Wiese üben Kinder ihre motorischen Fähigkeiten beim Hüpfen und Klettern und sie lernen vor allem auch, neugierig zu beobachten.


Was sich viele Eltern fragen: Sind die modernen Medien Freund oder Feind?

Computer & Co. sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Professor Wassilios E. Fthenakis ist einer der renommiertesten deutschen Pädagogen, u.a. Sachverständiger des Bundesverfassungsgerichtes. Er plädiert dafür, Kinder nicht von den digitalen Medien fernzuhalten, sondern sie im Gegenteil bewusst heranzuführen und ihnen den angemessenen Umgang frühzeitig beizubringen. Es gibt viele Möglichkeiten, durch gemeinsames Nutzen von Computer, Kamera, Fernsehen die Drei- bis Sechsjährigen an die Medien heranzuführen.

„Für Eltern in der Vorbildfunktion“, so meint Prof. Fthenakis, „ist Bestandteil moderner Medienbildung aber auch die Verarbeitung und Reflexion des eigenen Umgangs mit Medien …. Auf diese Weise lernen die Kinder früh einen konstruktiven Umgang mit Medien und eine reflektierende Haltung ihnen gegenüber.“

Das Familienministerium Nordrhein-Westfalen hat in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen und der GMK Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur eine Broschüre mit praktischen Tipps und Links für Eltern entwickelt, die es kostenlos zum Download gibt unter Publikationen www.lfm-nrw.de/publikationen.


Frühkindliche Bildung eröffnet Chancen

Früh geförderte Kinder haben als Erwachsene ein besseres Sozialverhalten und eine bessere Bildung – das ist das Ergebnis einer Familienstudie der OECD aus dem Jahr 2011. Politik und Institutionen haben die Chancen der ersten Lebensjahre zum Thema gemacht.

Die Bertelsmann Stiftung zum Beispiel engagiert sich mit zahlreichen Projekten für die Förderung der Früherziehung: „In den ersten Lebensjahren wird das Fundament für die gesamte Lebens- und Lernzeit eines Menschen gelegt. Kinder müssen so früh wie möglich in ihrer Entwicklung gefördert werden, weil jedes Kind ein individuelles Recht auf Bildung hat und die Gesellschaft alle Talente nutzen muss.“ Weitere Informationen finden auf den Webseiten der Bertelsmann Stiftung unter www.bertelsmann-stiftung.de. Die Reform frühkindlicher Bildungssysteme ist Gegenstand vieler Diskussionen.

Die Hauptpersonen für die Entwicklung der Kinder bleiben die Eltern – und diese Herausforderung hält die spannendsten Momente miteinander bereit. Dabei können die drei goldenen Regeln hilfreich sein:
1. Nicht zu viel probieren!
2. Spaß dabei haben!
3. Terminstress und Reizüberflutung vermeiden!


Weitere interessante Tipps zum Thema:

Kompetente Antworten auf viele Fragen im Internet: Aktivitäten mit Kindern, Spiele und Beschäftigungen, Lesetipps, gute Musik und andere Medientipps für Kinder, aber auch Ratschläge zu Ernährung und Gesundheit, interessante Artikel zur Entwicklung von Kindern und vieles mehr gibt das umfangreiche Online-Familienhandbuch des Bayerischen Staatsinstitutes für Frühpädagogik unter www.familienhandbuch.de - übrigens auch mit einem großen Bereich fremdsprachiger Texte.

Wie das Kinderzimmer zum Erfahrungsraum wird: Eine mobile Einrichtung fördert die Kreativität der Kleinen. Es gibt z. B. Regale oder Raumteiler auf Rollen, mit denen sich ein Kinderzimmer immer wieder anders nutzen lässt, aus Polsterteilen und großen Kissen kann man Hüpfburgen und Höhlen bauen. Der Rat stammt von der Diplompädagogin Brigitte Wilmes-Mielenhausen, die im Herder Verlag diverse Ratgeber für Tagesmütter und Kitas veröffentlicht hat, die auch Eltern fruchtbare Anregungen geben.

Bewegungsspiele können ganz einfach sein: Verschiedene Formen des Gehens zum Beispiel machen Spaß und fördern dabei Kreativität und Intelligenz – schleichen wie ein Indianer, marschieren wie ein Soldat, staksen wie ein Storch oder in der Hocke watscheln wie eine Ente. Viele Ideen dazu enthält das Buch „Beweg-dich-Spiele“ von Andrea Eckert, Herder Verlag.

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