Neue Marketingchancen für die Hotellerie - Interview mit Wolfgang Schlösser

Über Generationen war die Gastronomie und Hotellerie ein Metier für Einzelkämpfer. Zu groß war der Neid auf den anderen. Doch, was andere Bereiche schon vor längerer Zeit erkannt haben, hält jetzt auch im Marketing des Hotelbereichs Einzug. Ein funktionierendes Beispiel dafür ist der Hotel-Verbund „Allgäu Top und Landhotels“.

„Allgäu Top und Landhotels“ ist ein Marketing-Zusammenschluss von 80 führenden Hotels mit dem Ziel, die Region und die Hotellerie im Allgäu entsprechend zu vermarkten. Gemeinsam mit Förderpartnern wird dieses Ziel konsequent verfolgt. Die – eigens dafür 1999 gegründete – proAllgäu GmbH & Co. KG baut erfolgreich auf gemeinsame Marketing- und Lobbyarbeit.



Wir hatten die Gelegenheit, mit Herrn Dirk Schoppmann, Geschäftsführer des Verbunds, ein Interview zu führen. Lesen Sie selbst und überlegen Sie, ob eine ähnliche Form der Kooperation auch Ihren Betrieb in Ihrer Region nach vorne bringen könnte. Kontakt: www.allgaeu-top-hotels.de





Frage 1: Herr Schoppmann, beschreiben Sie bitte kurz die Marketing-Kooperation Allgäu Top&Land Hotels.


Die Kooperation der 80 führenden Hoteliers zwischen Bodensee und Neuschwanstein besteht ausschließlich aus – nach BHG/DEHOGA Kriterien – klassifizierten Hotels, um einen hohen Standard zu gewährleisten. Die proAllgäu GmbH & Co. KG ist Gesellschafter bei wichtigen touristischen Institutionen und Firmen – damit sitzt sie sozusagen „direkt an der Quelle“, wenn es um Entscheidungen um den Regionaltourismus geht. Zusammen mit ca. 35 Förderpartnern – von Banken über Brauereien, weitere Zulieferer, bis hin zum Allgäu Airport – ist alles mit dabei, was Rang und Namen im Gebiet hat. Zum Wohle der Region.



Frage 2: Welche Ziele verfolgen Sie und Ihre Mitglieder?


Wir haben uns die ergänzenden Vermarktungsmaßnahmen in Kooperation mit der Allgäu GmbH, sowie Cross-Marketing mit Wirtschaftspartnern und Lobbying auf regionalpolitischer Ebene auf die Fahnen geschrieben und setzen diese konsequent um. Weitere Bereiche sind die branchenfördernden Aktivitäten im Nachwuchs- und Azubibereich, um den Berufszweig Hotellerie und Gastronomie attraktiver zu machen und das Image aufzuwerten.



Frage 3: Können Sie uns Beispiele für Maßnahmen oder Aktionen nennen, welche die Marketing-Kooperation Allgäu Top Landhotels erfolgreich realisiert hat?


Gerne. Ganz oben steht die Nachwuchsförderung in der Region, die wir im Rahmen einer zweijährigen Berufsoffensive in Zusammenarbeit mit der Allgäuer Zeitung und der IHK durchgeführt haben.
Dauerprojekte, die besonderen Anklang finden, sind der AAA-Award – ein Förderpreis über 10.000 Euro für die fünf prüfungsbesten Azubis der vier Ausbildungsberufe, die in einem der 200 Kooperationsbetriebe ihre Ausbildung absolviert haben. Weitere Informationen darüber finden Sie im Internet unter www.azubi.by . Darüber hinaus sind wir Partner der Initiative „Q4U“, die sich für die Qualitätssicherung in der Ausbildung im Hotel- und Restaurantwesen stark macht. Infos unter www.q4u.by.



Frage 4: Hotels, die an der Kooperation teilnehmen, sind im Prinzip Wettbewerber. Hat das immer reibungslos funktioniert? Wie schafft man den Interessensausgleich?


Obwohl dies keineswegs selbstverständlich ist, war es bei uns von Beginn an absolut unproblematisch, da jedem bewusst war, dass nur gemeinsames Handeln den guten Wettbewerbsstatus sichern kann. Unter dem exzellent aufgestellten Markendach Allgäu herrscht Einigkeit und gemeinsame Stärke – alle ziehen an einem Strang, um sich dem Wettbewerbsdruck besser stellen zu können.



Frage 5: Neue Medien und neue mobile Services sind vor allem im Tourismusbereich sehr wichtig geworden. Oft sind online-Bewertungen und Portale – wie HolidayCheck – der Einstieg in den Urlaub. Wie sehen Sie hier die Entwicklung in den nächsten Jahren?


Publizierte Mystery-Checks wie HolidayCheck – nicht zuletzt auch Facebook – werden zunehmend wichtiger und mitentscheidend bei der Wahl des Reiseziels und Hotels. Dementsprechend wichtig wird dadurch die offensive, individuelle Kommunikation des Hoteliers mit dem Gast – auch in den elektronischen Medien.



Frage 6: Was empfehlen Sie „neuen“ Hotels oder Hotelmanagern bezüglich Hotel-Kooperationen. Muss man heutzutage dabei sein?


Man sollte definitiv dabei sein, wenigstens bei einer Kooperation. Wichtige Voraussetzungen dafür sind aber – und das sollte man im Vorfeld klären: Besteht für mein Hotel ein klares Profil? Welche Zielgruppen spricht die Kooperation an – und stimmen diese auch mit meinen überein? Hat die Kooperation auch ein klar definiertes Profil? Wenn Sie diese Punkte für sich geklärt haben, dann steht einer gewinnbringenden Zukunft in einem starken Verbund nichts mehr im Wege.



Frage 7: Herr Schoppmann, was würden Sie Ihren Kollegen noch gerne mit auf den Weg geben?


Das touristische Angebot wächst weltweit in unglaublichem Maße – nicht zuletzt aber auch vor der eigenen Haustür. Hier gilt für jeden Hotelier: Augen auf! Verfolgen, was die Konkurrenz unternimmt und analysieren. Ansätze kann man eventuell in modifizierter Form übernehmen. Auch das ist erlaubt, da wir nicht täglich alles neu erfinden können. Ganz wichtig ist auch die Miteinbeziehung der Mitarbeiter und Gäste in eine kreative und gastorientierte Weiterentwicklung des Hauses.

Vielen Dank Herr Schoppmann für dieses aufschlussreiche Gespräch, bei dem Sie uns eindrucksvoll vermittelt haben, wie wichtig das Miteinander ist – und nicht das Gegeneinander.

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