Genau hinschauen: Essstörungen sind ein Drama mit Vorspiel

Ärzte schlagen Alarm: Anorexie und Bulimie gehören in den westlichen Industrieländern zu den häufigsten psychosomatischen Erkrankungen von Mädchen und jungen Frauen. Der Bundesfachverband Essstörungen e.V stellt eine aktuelle Studie zur Rolle von Fernsehsendungen bei der Entwicklung der Krankheit vor. „So hat auch ein Teil meiner Krankheit angefangen“, sagt eine 14-Jährige mit Magersucht beispielsweise zu „Germanys Next Top Model“.



„Essen ist der Feind“ heißt der Internet-Blog der 16-jährigen Jessica, in dem sie Tipps zum Abnehmen gibt wie „nackt vor dem Spiegel zu essen“. Es fängt oft harmlos mit einer Diät an, vor allem im Frühjahr, wenn in den Zeitschriften überschlanke Models die neuen Bikinis zeigen. Der Bundesfachverband für Essstörungen in München spürt die Saison der Panik vor Übergewicht in seinen Beratungsstellen. Nach Zahlen der Bundesregierung fühlen sich knapp die Hälfte der Mädchen und etwa 22 Prozent der Jungen zwischen elf und 17 Jahren zu dick. Rund ein Viertel der weiblichen und ein Zehntel der männlichen Jugendlichen haben bereits eine Diät gemacht. Körperbewusstsein muss kein Alarmzeichen sein. Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KiGGS des Robert Koch-Instituts zeigt aber bei etwa einem Fünftel aller 11- bis 17-Jährigen in Deutschland einen Verdacht auf eine Essstörung. 

Andere Fakten verstärken die Sorge: Die Zahl der stationären Therapien von Ess-Störungen ist um 20 Prozent gestiegen, ein Viertel der Betroffenen ist unter 15 Jahre alt. Häufig diagnostizierten die Ärzte dabei Magersucht (Anorexie) und Ess-Brech-Sucht (Bulimie). Besonders dramatisch ist die Magersucht als tödlichste Erkrankung junger Erwachsener: Mehr als 15 Prozent der Betroffenen überleben nicht.

Alarmierend ist, dass die Essstörungen immer früher beginnen: „Schlank = schön“, immer mehr junge Menschen eifern diesem übertriebenem Schönheitsideal nach. Essstörungen gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen – und die Betroffenen werden immer jünger. Waren Patientinnen mit Magersucht in den 1970er Jahren bei Erkrankungsbeginn im Mittel noch 20 Jahre alt, setzte die Krankheit ab den 90er Jahren bereits mit 15 Jahren ein. (Prof. Dr. med. Ulrich Voderholzer, Psychiater und Ärztlicher Direktor der Schön-Kliniken)

Beim Bundesfachverband Essstörungen registriert man immer häufiger auch 12-Jährige in den Beratungsstellen. Inzwischen sind auch männliche Jugendliche mit 10-15 Prozent der Betroffenen keine Sonderfälle mehr. Die Problematik wird allerdings oft spät erkannt, weil sie häufig Hand in Hand mit Leistungssport geht und junge Männer seltener über Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper sprechen.

Zahlen, die Sorgen machen
  • 50 Prozent aller zehnjährigen Mädchen in Deutschland  haben schon eine Diät gemacht.
  • 56 Prozent  der 13-14-Jährigen wollen nach einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dünner sein.
  • 74,8 Prozent der Mädchen und Jungen zwischen 11-17 Jahren haben Normalgewicht. Aber nur 40,4 Prozent sind der Meinung, sie hätten das richtige Gewicht.
  • 28 Prozent der 13-16-Jährigen versuchen nach eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Kalorien zu sparen.
  • 34 Prozent aller Frauen mit Normalgewicht möchten gerne abnehmen.
  • 92 Prozent der Frauen sind unzufrieden mit ihrer Figur.
  • 46 Prozent der deutschen Frauen fühlen sich durch die Medien unter Druck gesetzt, etwas an ihrem Körper zu verändern.


Was ist los?

Experten erklären: Der gesellschaftliche Druck erreicht Jugendliche heute früher, die Medien überbringen Rollenerwartungen, Wertvorstellungen und Schönheitsideale. Dazu kommt das ständige Überangebot an Essen, das normales Essverhalten entgleisen lässt. Oftmals scheinen bei Jugendlichen auch die Probleme von Müttern durch, die mit immer neuen Diäten gegen überschüssige Kilos ankämpfen. Das Essverhalten in der Familie hat in jedem Fall eine Vorbildfunktion. Die konkreten Ursachen einer Essstörung sind kaum auszumachen, verschiedene Faktoren kommen zusammen und nur eine Kleinigkeit, eine einzige abschätzige Bemerkung kann womöglich Auslöser sein. Im Wesentlichen geht es um drei Hauptformen von Essstörungen, die ineinander übergehen können:

Die Anorexie oder Magersucht dreht sich um eine verzerrte Körperwahrnehmung: Die Patienten sehen sich dick und hässlich. Schlank sein, zu verzichten und alle anderen darin zu übertreffen, wird zum Lebensinhalt.

Bulimie oder Ess-Brechsucht besteht aus Heißhungerattacken bei gleichzeitiger Panik vor Gewichtszunahme. Nach den Essanfällen kommen die Schuldgefühle mit Erbrechen oder exzessivem Sport, um die Kalorien abzutrainieren. Das Körpergewicht liegt oft im Normalbereich, viele Patienten sind extrem gepflegt und können ihre Krankheit lange geheim halten.

Die Binge Eating Störung ist ebenfalls durch Essanfälle gekennzeichnet. Die Betroffenen ergreifen aber keine Gegenmaßnahmen und legen meist deutlich an Gewicht zu.

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA

Die Patientenbegleitung – gute Aussichten für Ihren Behandlungserfolg

Entdecken Sie, was wir bei einer Essstörung mit dem gesundheitsservice360° für Sie tun können und steigen Sie ein in die Patientenbegleitung.

Sie sind nicht allein: Ein persönlicher Gesundheitsberater ist für Sie da.
Bei einem Verdacht auf eine Essstörung suchen Sie bitte umgehend einen Facharzt auf, mit dem Sie die Problematik besprechen können. Gerne ist die Patientenbegleitung der AXA Ihnen dabei behilflich, einen geeigneten Facharzt in Ihrer Nähe zu finden.

Verständnisvolle und geschulte Expertinnen und Experten bieten individuelle Unterstützung im Rahmen des gesundheitsservice360° von AXA. Sie können vielfältig davon profitieren, z.B. durch:
  • individuelle Begleitung in eine qualifizierte fachärztliche Beratung
  • aktive Unterstützung bei Maßnahmen zur Verbesserung des Krankheitsbildes wie z.B. Anregung ambulanter Psychotherapie*
  • Optimierung der Arzneimitteleinstellung
  • kompetente Gesprächspartner bei allen Fragen rund um das Krankheitsbild
  • qualifizierte Ansprechpartner bei allen Fragen zur gewünschten Therapie
Erste Wahl bei stationärer Therapie
Wenn eine stationäre Behandlung notwendig wird, sichert Ihnen der Kontakt zu uns alle nötigen Informationen und Maßnahmen. Unter der Tel. 0221/ 148-43391 finden Sie den Ansprechpartner für Suchterkrankungen und psychologische Beeinträchtigungen.

Alle weiteren Informationen zur Patientenbegleitung von AXA finden Sie hier.

*abhängig vom gewählten Versicherungsschutz 


Hilfe! Früh genug die Alarmsignale sehen

Sehr schlank ist noch nicht krank, aber der Übergang ist fließend. Woran erkennt man die Gefahr einer Essstörung? Ein Body Mass Index (BMI) von unter 17,5 gilt bei jungen Erwachsenen als Indikator für Magersucht - das trifft allerdings bereits für ein Gewicht von 50 kg bei einer Körpergröße von 1,70 Meter zu. Je nach Alter darf der normale BMI tiefer oder auch höher liegen, zuverlässige Auskunft gibt www.bmi-rechner.net. Noch bevor Gewichtsverlust gefährlich wird, können Verhaltensweisen als Frühwarnung dienen. Hier geht es zur Checkliste der Alarmsignale.

Checkliste Alarmsignale Essstörung (pdf, 259,5 KB)

Selbsthilfe ist keine Hilfe

Experten sind sich einig: Eine Essstörung gehört unbedingt und so früh wie möglich in ärztliche Behandlung. Eine Selbsthilfegruppe kann begleitend und unterstützend wirken, aber eine Therapie kann sie auf keinen Fall ersetzen. Vor allem für Eltern, Angehörige, Freunde und Partner ist es das Wichtigste und häufig auch das Schwierigste, zu begreifen, dass sie nichts für die Betroffenen tun können und sollen. Die wichtigsten Regeln:

  • keine Diagnose auf Verdacht stellen
  • keine Therapie auf eigene Faust versuchen
  • keinen Druck ausüben
  • auf Ratschläge und Belehrungen verzichten
  • keine Kritik an Essverhalten und Aussehen üben
  • keine Entscheidungen über den Kopf des Patienten hinweg treffen
  • aber auf einen Besuch bei einem Arzt oder eine Beratungsstelle hinwirken

Beratung ist der erste Schritt aus der Falle

Der Wissensstand zu Essstörungen ist hoch. Mit großer Sensibilität für die Betroffenen und ihre Angehörigen ist ein ausgezeichnetes Beratungsangebot entstanden. Niemand muss Scheu haben, sich den Beratern anzuvertrauen. Hier einige Informations-Tipps:

Die Aussichten sind gut

Früherkennung mit therapeutischer Unterstützung kann in vielen Fällen dafür sorgen, dass es erst gar nicht zu einer krankhaften Essstörung kommt. Darüber hinaus gibt es heute sehr gute Heilungschancen: Etwa 70 – 80 Prozent der jugendlichen Magersüchtigen finden den Weg aus der Essstörung heraus. Bei der Bulimie liegen die Chancen für komplette Genesung bei 90 Prozent. Die Erfolgsaussichten einer Behandlung sind stark von der Schwere und Dauer der Essstörung abhängig: Je früher die Therapie beginnt, umso besser ist die Prognose. 

Der wesentliche Kern der Behandlung bleibt die Psychotherapie, womöglich begleitet von Entspannungstrainings, Körper-, Physio- und Kunsttherapie sowie diätologischer Beratung. Insgesamt kann die gestörte Selbstwahrnehmung positiv beeinflusst werden. Die Patienten lernen ein neues Essverhalten und die Einstellung zum Essen und zum eigenen Körper normalisiert sich wieder. Die Behandlungen entwickeln sich für die Betroffenen deutlich weniger belastend: Neue Studien weisen darauf hin, dass Magersucht nicht mehr unbedingt vollstationär behandelt werden muss. Ansätze, bei denen die Betroffenen nur tagsüber in der Klinik sind und am Behandlungsprogramm teilnehmen, zeigen gleichwertige Ergebnisse.


Lesen Sie auch die folgenden Artikel im PLUS:

Nutzen Sie auch unsere Vorteilsangebote im PLUS:

Rechtliche Hinweise
Die Artikelinhalte werden Ihnen von AXA als unverbindliche Serviceinformationen zur Verfügung gestellt. Diese Informationen erheben kein Recht auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Bitte beachten Sie dazu unsere Nutzungsbedingungen.