Serie Rückengesundheit Teil 2: Rückenschmerzen und ihre Ursachen

Interview mit Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer


Zum Thema Rückenbeschwerden haben Sie im ersten Artikel der Reihe „Das Kreuz mit dem Rücken – Volkskrankheit Rückenschmerzen“ schon einiges erfahren – auch darüber, was Sie selbst vorbeugend tun können. Und über die Möglichkeiten, die AXA Schmerzpatienten bietet.



Um Ihnen tiefergehende Informationen zu einzelnen Erkrankungen, ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten zu geben, haben wir Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer befragt. Der Radiologe hat das Grönemeyer Institut für Mikrotherapie in Bochum gegründet, das auf die ambulante und interdisziplinäre Behandlung des Rückens und der Wirbelsäule spezialisiert ist. Gemeinsam mit einem Team aus Rückenexperten behandelt er seit Jahren Menschen mit Rückenproblemen und hat neue Behandlungsmethoden mitentwickelt.

Guten Tag, Herr Professor Grönemeyer! Sie sind Radiologe. Wie kam es, dass Sie sich der Diagnostik und Therapie speziell von Rückenschmerzen zugewandt haben?

Ursprünglich wollte ich Hausarzt werden, in meiner „Kieler Zeit“. Zur Radiologie bin ich dann über die Arbeit in einer Krebsstation an der Universitätsklinik Kiel gekommen. An den Wochenenden war ich zwar auf dem Land, unter der Woche aber in der Ausbildung zum Radiologen an der Kieler Universitätsklinik. Ich hatte dieses Fach für mein Praktisches Jahr ganz bewusst gewählt. Als Landarzt wollte ich in der Lage sein, Röntgenbilder zu interpretieren. Der Rücken interessierte mich, weil er ein psychosomatisches Körperteil ist – nicht nur tragendes Organ, sondern alles ist mit dem Rücken verbunden, die inneren Organe durch die Nerven – aber auch alles, was uns seelisch bedrückt, kann sich im Rücken abbilden.


Mindestens 85 von 100 Menschen mit Rückenschmerzen leiden unter „unspezifischen“ Schmerzen. Bitte erklären Sie, was das genau ist? Was sind dagegen spezifische Rückenleiden?

Die Ursachen für Rückenschmerzen sind oft vielfältig. Nur selten kann eine exakte (spezifische) Diagnose gestellt werden. Damit gemeint sind z.B. Bandscheibenvorwölbungen oder Bandscheibenvorfälle, die Druck an den Nervenwurzeln verursachen und damit Schmerzen an der Wirbelsäule, eine Einengung im Rückenmarkskanal (Spinalkanal) oder die Arthrose der kleinen Wirbelgelenke. Manchmal bestehen Beschwerden aus der Kombination dieser Veränderungen. In vielen Fällen ist aber kein direkter Nachweis einer tatsächlichen Veränderung an der Wirbelsäule die Ursache. Und: Nur in ca. 3-4 % der Fälle ist der Rückenschmerz auf Bandscheibenvorfälle zurückzuführen.


Gut zwei Drittel aller Menschen mit Rückenbeschwerden haben Schmerzen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Im Fachjargon wird von „Lumbago“ („Lendenlähmung“) gesprochen, im Volksmund ist manchmal vom „Hexenschuss“ die Rede. Was ist ein Hexenschuss? Wie macht er sich bemerkbar?

Zu den Besonderheiten des Hexenschusses bzw. der Lumbago zählt, dass die Beschwerden eben rein lokal im Rücken auftreten. Dies kann nach einer falschen Bewegung, aber auch bei alltäglichen Tätigkeiten plötzlich auftreten und sich dann innerhalb von Sekunden über eine Muskelverspannung auf den gesamten Wirbelsäulenabschnitt ausdehnen. Betroffene haben dann oft spontane Schmerzen und fühlen sich häufig in der Bewegung eingeschränkt. Der Hexenschuss ist in der Regel harmlos und erfordert keine medizinische Therapie. Sanfte Dehnübungen, Wärme und maßvolle Bewegung lockern die Muskeln und lindern den Schmerz.


Was ist dann ein Bandscheibenvorfall?

Bei einem Bandscheibenvorfall wölbt sich die Bandscheibe vor bzw. in schwereren Fällen verlagert sie sich in Richtung des Rückenmarkkanals (Spinalkanals). Dort befinden sich die entscheidenden zentralen Nervenstränge, die dann durch das Bandscheibengewebe bedrängt (irritiert) werden und so einen Schmerz und schlimmstenfalls eine Lähmung auslösen können.


Und was ist der Ischias, bzw. der Ischiasschmerz?


Unter einer Ischialgie versteht man, dass z.B. durch einen Bandscheibenvorfall die seitlich auftretenden einzelnen Nervenwurzeln, die im Bereich der Wirbelsäule rechts und links den Zwischenwirbelraum verlassen und bestimmte Regionen z.B. im Bein versorgen, bedrängen. Dies kann stärkste Schmerzen in dem Bereich, der von diesem Nerv versorgt wird, zur Folge haben. Manchmal bestehen Sensibilitätsstörungen. In schlimmsten Fällen kann es zu Lähmungen im Bereich des Nervenversorgungsgebiets kommen.


Woher kommen Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Aus ärztlicher Sicht ist entscheidend, sich den Patienten im Ganzen und auch aus verschiedenen Blickwinkeln genau anzuschauen und zu untersuchen. Oft ist durch ein gezieltes Befragen (Anamnese) und eine gründliche Untersuchung schon möglich, komplizierte auch von unkomplizierten Rückenschmerzen zu unterscheiden und eine entsprechende Therapie einzuleiten. Fehlende Bewegung, langes Sitzen, Arbeiten in Fehlpositionen, Übergewicht können Rückenschmerzen provozieren.

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Ab wann spricht man denn von chronischen Rückenschmerzen?

Wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten und sich auch durch verschiedene Therapien nicht wesentlich beeinflussen lassen, spricht man von einem chronischen Rückenschmerz. Dies macht dem Betroffenen mit der Zeit schwer zu schaffen, und vor allem die Ausweglosigkeit bzw. die Hilflosigkeit bedrückt diese Patienten oft sehr.


Sie plädieren für eine ganzheitliche Sicht auf den Patienten und die Vernetzung der Disziplinen. Vor allem bei starken chronischen Schmerzen. Was sind die Gründe?

Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie arbeiten ärztliche Schmerzspezialisten der unterschiedlichen Fachdisziplinen bei der Behandlung mit psychologischen Schmerztherapeuten, speziell geschulten Physiotherapeuten, Sozialarbeitern und Ergotherapeuten eng im Team zusammen. Die Therapie ist so ausgerichtet, dass sowohl die biologisch gestörte Struktur des Körpers als auch die begleitenden psychischen Problemsituationen und sozialen Umfeldstörungen in die Behandlung mit einbezogen und bedacht werden. Dieses Konzept hat sich bei starken chronifizierten Schmerzen in unserem Institut bereits seit Jahren erfolgreich bewährt.


Woran erkenne ich einen guten Rückenspezialisten, und wie finde ich den richtigen?


Schmerzpatienten haben sehr oft bereits verschiedenartige Klinken durchlaufen und ihre eigenen Erfahrungen gesammelt. Daher ist es wichtig, dass man als Arzt dem Patienten das Gefühl gibt, ernst genommen zu werden und auch verschiedene Therapiestrategien für den Patienten zur Verfügung hat. Heutzutage kann man sich auf vielfältige Art und Weise auch schon im Internet auf den Internetseiten von Ärzten und Kliniken über das Repertoire informieren. So sind beispielsweise auch in den Partnernetzwerken von AXA detaillierte Informationen zu verschiedenen Praxen und Einrichtungen verfügbar.

Vielen Dank, Herr Profssor Grönemeyer, für Ihre Zeit und dieses informative Gespräch. In unserem zweiten Gespräch, das wir hier in Kürze mit Ihnen führen werden, wird es um Themen wie Röntgen und Kernspintomografie gehen und darum, was für einen Einfluss Ernährung und Bewegung auf den Rücken haben. Wir freuen uns schon darauf!

Buchtipp: Das Grönemeyer Rückentraining. Für jedes Rückenproblem das individuelle Trainingsprogramm, München 2009

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