Eiszeit am Arbeitsplatz und ihre Folgen

Serie Mobbing – Teil 2


Mobbing ist in aller Munde. Zu recht, denn in Deutschland sind Hunderttausende davon betroffen. Neben Arbeitnehmern in privaten Großunternehmen gelten Beschäftigte in sozialen Berufen sowie Tarifbeschäftigte im Öffentlichen Dienst und Beamte als besonders gefährdet: Hochgerechnet auf die Lebenszeit wird jeder neunte Deutsche einmal in seinem Berufsleben zum Opfer. Dann wird angegriffen, schikaniert und ausgegrenzt – oft über Monate hinweg, und häufig ist keine Hilfe in Sicht. In unserer vierteiligen Artikelreihe zu diesem Thema beleuchten wir die wesentlichen Aspekte dieses Phänomens und zeigen Wege aus der Mobbingfalle.




Konflikte im Job: Wo beginnt Mobbing?

„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf”: Als der englische Philosoph Thomas Hobbes diesen altrömischen Spruch im 17. Jahrhundert aufgriff, wollte er damit zum Ausdruck bringen, dass Geltungssucht, Gier und Neid zu aggressivem Verhalten führen. In der Berufswelt der Gegenwart nennt man das Mobbing – es scheint allgegenwärtig, eine Vielzahl von Betroffenen weiß aus leidvoller Erfahrung wie es sich anfühlt.

Seit den 1990er-Jahren befassen sich Wissenschaftler, Gesetzgebung und Rechtsprechung mit diesem psychosozialen Phänomen, das die Atmosphäre am Arbeitsplatz vergiftet, erhebliche Kosten verursacht, und für die Gemobbten selbst schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann. Die Grenzen zwischen berechtigter Kritik, kleinen Reibereien und Mobbing verlaufen für gewöhnlich fließend. Wann aber liegt bewusst verursachter Psychoterror vor?


Forschung und Rechtsprechung

Als Pionier der Mobbingforschung gilt der Psychologe Heinz Leymann. Er entwickelte den „Leymann Inventory of Psychological Terror", einen Katalog mit 45 in fünf Kategorien zusammengefassten Verhaltensweisen, die – einzeln oder kombiniert angewandt – auf Mobbing hindeuten. Leymann hat sie in fünf Kategorien zusammengefasst:

  • Angriffe auf die Möglichkeiten zu kommunizieren
    Ständiges Unterbrechen, Anschreien oder lautes Schimpfen, Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten, u.a.
  • Angriffe auf soziale Beziehungen
    Mit Betroffenen nicht mehr sprechen, sie räumlich isolieren, sie wie Luft behandeln, u.a.
  • Angriffe auf die Qualität der beruflichen Situation
    Übertragen von sinnlosen Aufgaben, gar keinen Aufgaben, oder solchen Aufgaben, die unter- oder überfordern, u.a.
  • Angriffe auf das soziale Ansehen
    Gerüchte verbreiten, Intrigen spinnen, falsche Beurteilung, Diskriminierung wegen Herkunft, Krankheit oder Behinderung, u.a.
  • Angriffe auf körperliche Unversehrtheit und psychisches Wohlbefinden
    Zwang zu gesundheitsschädlicher Tätigkeit, Androhen oder Anwenden körperlicher Gewalt, sexuelle Belästigung, u.a.
Bis heute gibt es weder eine allgemein verbindliche, noch eine klare juristische Definition für Mobbing. Experten sind sich weitgehend einig, dass es immer dann vorliegt, wenn sich Betroffene über einen Zeitraum von sechs Monaten hinweg kontinuierlich mindestens einmal pro Woche mit einer oder mehrerer der genannten Verhaltensweisen konfrontiert sehen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat Mobbing als „systematisches Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte“ bezeichnet.

Für gewöhnlich ist Mobbing durch ungleiche Machtverhältnisse gekennzeichnet: Ein oder mehrere überlegene Täter attackieren ein unterlegenes Opfer, das sich den Angriffen ohnmächtig ausgeliefert fühlt. Und grundsätzlich gilt: Mobbing ist stets von wiederkehrenden Verhaltensmustern geprägt, deshalb fallen sachbezogene Konflikte am Arbeitsplatz nicht in diese Kategorie.


Wen trifft Mobbing?

Die erste und bislang einzige repräsentative Studie zum Thema Mobbing wurde im Jahr 2002 von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin veröffentlicht. Aus diesem Mobbing-Report ging hervor, dass seinerzeit 2,7 Prozent aller Erwerbstätigen von Mobbing betroffen waren. Jüngere Umfragen zeigen, dass diese Zahl bis heute deutlich gestiegen ist. 7,8 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, sie seien am Arbeitsplatz in den letzten zwölf Monaten diskriminiert worden. Das Phänomen zieht sich durch alle Branchen, Betriebsgrößen und Berufsgruppen. Täter und Oper finden sich auf allen Hierarchieebenen und Tätigkeitsniveaus, besonders gefährdet sind Frauen, Auszubildende und ältere Arbeitnehmer über 55 Jahren.

Die Studie zeigte auch: Beamte und  Tarifbeschäftigte im Öffentlichen Dienst sind in besonderem Maß betroffen. Rund zehn Prozent der damals Befragten bezeichneten sich als Opfer von Mobbingattacken – doppelt so viele wie in den meisten Branchen der Privatwirtschaft. Bestätigt hat diesen Befund eine Untersuchung des Frankfurter Psychologen Prof. Dieter Zapf: Auch seinen Ergebnissen zufolge ist die Mobbing-Quote im Öffentlichen Dienst überdurchschnittlich hoch – insbesondere im Gesundheitswesen, in sozialen Einrichtungen, im Bereich Erziehung und Unterricht, sowie bei öffentlichen Verwaltungen in Bund, Ländern und Gemeinden. In den Belegschaften ist nach aktuellen Erkenntnissen der Bundesregierung weithin unbekannt, dass Arbeitgeber und Dienstherren sie im Zuge ihrer Fürsorgepflicht vor Diskriminierung schützen müssen.


Warum wird gemobbt?

2011 veröffentlichten Wissenschaftler der Freien Universität Berlin die Ergebnisse einer Online-Befragung von 4.300 Beschäftigten zweier Landesbehörden in unterschiedlichen Bundesländern. Deren Antworten ergaben, dass jeder Fünfte von ihnen Mobbing zu spüren bekam. Vorwiegend tritt es dort auf, wo Führungskräfte ihren Mitarbeitern wenig Mitspracherecht zugestehen und nicht nachvollziehbare Entscheidungen treffen. Zudem entpuppte sich Mobbing als Gruppenphänomen, das in betroffenen Abteilungen nicht nur in Einzelfällen sondern gehäuft vorkommt.

Auch der Deutsche Beamtenwirtschaftsring (DBW) führt Mobbing im Öffentlichen Dienst auf unüberwindlichen Hierarchien und fehlendes Konfliktmanagement zurück, was für ein gutes Arbeitsklima wichtig ist. Bei langen krankheitsbedingten Fehlzeiten oder Beurlaubungen verzeichnet der DBW Mehrbelastungen der Beschäftigten, zu denen es nach den Bestimmungen der Gleichstellungspläne eigentlich nicht kommen sollte.

Allgemein sind die Motive für Mobbing vielfältig: Frust, Neid und persönliche Animositäten spielen ebenso eine Rolle wie überzogener Ehrgeiz und Existenzangst.

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Die Folgen von Mobbing

Mobbing macht körperlich und seelisch krank, und es ist teuer. Es verursacht menschliche Tragödien sowie erhebliche betriebs- und volkswirtschaftliche Schäden.

Schikanen am Arbeitsplatz rufen bei Betroffenen stressbedingte Symptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Niedergeschlagenheit hervor, die chronische Herz-/Kreislauf- und Magen-/Darmerkrankungen oder auch schwere Depressionen zur Folge haben können. Für Schlagzeilen sorgte der Selbstmord einer bayerischen Polizistin, die sich 1997 erschoss, nachdem sie lange über das Mobbing männlicher Kollegen geklagt hatte. Laut dem Mobbing-Report der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erkranken 30 Prozent der Betroffenen kurzfristig, weitere 30 Prozent langfristig. Ein Drittel der Gemobbten braucht therapeutische Hilfe, um das Erlittene zu verarbeiten.

Weil gemobbte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft krank werden, weniger motiviert sind und häufig kündigen oder sich versetzen lassen, entstehen Betrieben und öffentlichen Verwaltungen zusätzliche Kosten durch Ausfalltage, Produktionsstörungen und Qualitätsmängel, für Aushilfskräfte und das Einarbeiten neuen Personals. Sozialversicherungssysteme und Steuerzahler schließlich kommen für Heilverfahren und Medikamente, Kuren und Rehabilitationsverfahren, sowie für Arbeitslosigkeit, Frühverrentung und die Pensionen dienstunfähiger Beamten auf. All das summiert sich zu Milliardenbeträgen, deshalb ist Mobbing auch in betriebs- und volkswirtschaftlicher Hinsicht ein großes Problem.

Im dritten und vierten Teil unserer Artikelreihe geht es um sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz als spezielle Ausprägung von Mobbing, und um Mittel und Wege sich gegen Mobbing zu wehren.


Weiterführender Link

"Wenn aus Kollegen Feinde werden ...": Der Ratgeber zum Umgang mit Mobbing


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