Kindergeburtstag mit Trampolin

Gastbeitrag von Kinderchirurgin Dr. Stefanie Märzheuser

Trampoline sind aus unseren Gärten nicht mehr wegzudenken. Die Sportgeräte sind ein Riesenspaß für Kinder und bringen selbst Bewegungsmuffel schnell in Schwung. Doch es gibt auch Risiken, wie Gastautorin und Kinderchirurgin Dr. Stefanie Märzheuser in der Kindernotaufnahme der Berliner Charité immer wieder feststellt. So wie bei Johann, den sie ausgerechnet an seinem zehnten Geburtstag kennen lernte.



Zu seinem zehnten Geburtstag wünscht Johann sich nichts sehnlicher als ein Trampolin. Nach intensiver Recherche im Internet und in Elternforen haben sich seine Eltern für ein großes Gartentrampolin mit innenliegendem Fangnetz entschieden, so dass sich die Füße nicht in den Federn verfangen können. Pünktlich zum Geburtstag steht es aufgebaut im Garten, und Johann kann es sofort einweihen. Das Sprungtuch wirft ihn in die Luft, und er übt Sprünge und Drehungen. Johann ist begeistert von dem neuen Sportgerät.
 
Am Nachmittag kommen seine Freunde zum Kindergeburtstag. Zunächst halten sich die Kinder an die Regel, dass immer nur einer springen soll. Doch das wird den Wartenden schnell langweilig, und zusammen macht es noch mehr Spaß. Wenn mehrere Kinder gleichzeitig auf dem Sprungtuch sind, können sie sich gegenseitig viel höher in die Luft katapultieren. Johann wird hoch geschleudert, landet auf dem Sprungtuch und stürzt. Er versucht noch, sich mit den Armen abzufangen, doch in dem Moment landet sein Freund Ben genau auf Johanns Unterarm. Das Geburtstagskind wird sofort ganz weiß im Gesicht. Der Arm tut unglaublich weh. Es ist nicht zu übersehen, der Unterarm hat einen unangenehmen Knick. Johanns Mutter ist im ersten Moment mehr ärgerlich als besorgt. Der Unfall ist in erster Linie passiert, weil die Kinder nicht auf sie gehört haben. Sie holt ein Dreieckstuch und verknotet es in Johanns Nacken, so dass der Arm entspannt darin liegen kann. Johann ist tapfer, er will sich nicht vor seinen Freunden blamieren.
 
In der Kindernotaufnahme ist sofort klar, dass Johanns Arm gebrochen ist. Johann erhält schon bei der Aufnahme der Patientendaten ein Schmerzmittel, und sein Arm wird auf eine Schiene gebettet. Der Junge soll außerdem nicht mehr essen und trinken, bis er vom Röntgen zurück ist und ein Arzt sich die Bilder angesehen hat. Obwohl es im Wartezimmer sehr voll ist, kommt Johann schnell an die Reihe. Die Schwester hat bei der Annahme direkt erkannt, dass der Arm gebrochen ist und wahrscheinlich operiert werden muss. Bei der körperlichen Untersuchung prüfen wir Durchblutung, Beweglichkeit und Sensibilität der Hand auf der betroffenen Seite. Trotz der offensichtlichen Fehlstellung sind alle Funktionen intakt. Das Röntgenbild bestätigt die Vermutung: Beide Unterarmknochen sind gebrochen und müssen im Operationssaal eingerichtet und stabilisiert werden. Wir erklären Johann und seinen Eltern die Methode: Während der Junge in Narkose ist, werden beide Unterarmknochen eingerichtet. Damit die Knochen anschließend nicht wieder verrutschen können, werden sie mit einer inneren Schienung versehen. Johann hat zwar Angst vor der Operation, freut sich aber, dass er dadurch ohne Gipsverband auskommt und schon bald wieder ins Schwimmbad kann. Nach der Operation ist Johanns Arm wieder gerade. Nur zwei Pflaster und die orange Farbe des Desinfektionsmittels sind zu sehen. Er kann den Arm sofort bewegen, und die Verletzung heilt folgenlos ab. Nach drei Monaten kann die innere Schiene wieder entfernt werden.
 
Das Trampolin steht immer noch im Garten. Johann hat inzwischen gelernt, wie man den Schwung nach einem Sprung abstoppt, und wenn mehrere Kinder gleichzeitig springen wollen, sagt er energisch stopp, zeigt die Narben an seinem Arm und erzählt von seiner Erfahrung im Krankenhaus.


Zur Autorin

Dr. Stefanie Märzheuser ist Kinderchirurgin an der Charité in Berlin und Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V. Als Vorsitzende des Beirats begleitet sie die AXA Kindersicherheitsinitiative seit ihrem Beginn in 2013. Selbst Mutter von drei Kindern, kennt sie die Herausforderungen des Elternseins aus dem eigenen Alltag.