Mittagsmuffel​: ICH. WILL. NUDELN!

WOW! Schlechte Laune kann er, mein Paul! Eine dahin genuschelte Begrüßung, der Schulranzen fliegt in die Ecke und Paul bellt mir ein „Was gibt’s zu essen?“ entgegen. Ab und zu hat er das: Eine Laus läuft ihm über die Leber und der Tag ist gelaufen. Die Chance, heute mit meinen Essensplänen daneben zu liegen, ist groß. Sehr groß. Und wie erwartet, führen mich Bratkartoffeln mit Spinat und Spiegelei geradewegs in seine Schusslinie. Na großartig! „Immer kochst du sowas Blödes. Nie gibt es was Leckeres bei uns! Nie machst du, was mir schmeckt… ICH. WILL. NUDELN! Mit Tomatensoße!“ Ich Rabenmutter. Da stehe ich nun und kämpfe mit mir. Spaghetti könnten jetzt seine Welt retten, aber mir ist nun wirklich nicht danach, zum Befehlsempfänger dieses kleinen Wutbürgers zu werden. Zugegeben, Diplomatie steht bei mir heute auch nicht grad auf der Agenda, auch mein Tag war bislang eher bescheiden. Also kontere ich seine Meckerei mit: „ICH esse heute Bratkartoffeln, Spinat und Spiegelei. Wenn DU was anderes möchtest, koch es dir halt selber!“
 
Und manchmal geschehen kleine Wunder. Nach kurzer Irritation, ob das wirklich mein voller Ernst ist, fängt Paul an. Während ich mich noch ärgere, dass meine Zunge mal wieder schneller war als mein Hirn, und nicht weiß, ob ich diese Entwicklung gut finden soll, sucht Paul zusammen, was er braucht. Aus Angst um meine gerade mal halbwegs saubere Küche und ein bisschen auch um Pauls Unversehrtheit, rudere ich etwas zurück „Soll ich dir helfen?“ Aber er hat seine Chance erkannt, sein Zorn wandelt sich gerade in sehr viel Selbstsicherheit mit einer Prise Trotz: „Nein, ich kann das schon alleine!“, zischt er mir entgegen.
 
Mit jeder Menge Geschepper sucht er sich einen großen Topf für die Nudeln und einen kleineren für die Soße, füllt Wasser ein und hievt den schweren Pott auf den Herd. „Wie heiß?“ „Ganz heiß.“ Der Herd fängt an zu piepsen, er sieht mich fragend an. „Falsche Platte“, antworte ich. Salz und Spaghetti landen in halbwegs brauchbaren Mengen im kochenden Wasser. Auch dabei passt er auf, den Topf nicht zu berühren und weicht dem heißen Dampf geschickt aus. Nicht schlecht, der Herr Sohn.
 
Dann schleicht er um den Kühlschrank herum. Holt Ketchup raus, dreht und wendet die Flasche in seiner Hand, tut sie zurück in den Kühlschrank. Macht alle Schränke auf, guckt rein, macht sie wieder zu. Und nochmal macht er den Kühlschrank auf, und fragt mich, die Hand wieder an der Ketchupflasche: „Mama, wie geht Tomatensoße?“ Ok, der Knoten ist geplatzt. Die schlechte Laune, der Zorn und Trotz sind mit dem Nudelwasser verdampft. Wir sind beide wieder entspannt. Gut so. Ich erkläre die Arbeitsschritte und lasse Paul machen. Mit dem Messer umgehen kann er schon, aber klappt das auch mit Tomaten? Das Küchenchaos wächst, Tomatensaft tropft von der Arbeitsfläche, ungekochte Spaghetti knacken bei jedem Schritt auf dem Boden. Mein Sohn schnippelt, rührt, würzt. Die Eieruhr für die Nudeln hat inzwischen geklingelt, Pauls Qualitätstest haben sie bestanden, aber wie lösen wir jetzt das Abgießen? Schwerer, heißer Topf, dampfendes Wasser, sperrige Topflappen – eine blöde Kombination. Also stellt Paul das Sieb bereit und ich gieße ab. Das nächste Mal nimmt er eben einen kleineren Topf, dann klappt auch das bald sicher und ohne Hilfe.
 
Die Spaghetti sind fertig, die Soße auch, meldet mein Sohn und haut sich eine riesige Portion auf den Teller, „Mama, du auch?“ Die Nudeln sind ein bisschen matschig, die Soße etwas fad und die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld. Aber was soll’s? Der Mittagsmuffel ist unversehrt geblieben, wieder gut gelaunt und verdammt stolz. Kartoffeln, Spinat und Ei gibt’s halt morgen – mit Liebe gekocht von der Rabenmutter.

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#ichkanndassschonalleine – die Kampagne der AXA Kindersicherheitsinitiative

Es ist toll, wenn Kinder ihre Eigenständigkeit entdecken. Aber im Alltag kann das einen auch ganz schön fordern, weil man entscheiden muss: Traue ich das meinem Kind zu? Was kann passieren? Ist das Risiko vertretbar?

Die meisten Eltern sind sich einig, dass es weder gut ist, sein Kind in Watte zu packen, noch das Gegenteil. Aber wie findet man das richtige Maß? In unseren Interviews für den AXA Kindersicherheitsreport hat sich gezeigt, dass das ein großes Thema für Eltern ist. Mit unserer Kampagne wollen wir Eltern unterstützen, bewusst und selbstbewusst zu entscheiden. Wer kennt ein Kind schon besser als Mutter oder Vater? Wer seinen Nachwuchs im Alltag beobachtet, kann in der Regel gut einschätzen, was man ihm zutrauen kann ‒ mit gesundem Elternverstand sozusagen.

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