Serie Depressionen – Teil 1: Nicht allein bleiben im schwarzen Loch

Mit Motivation aus der Depression

Wir müssen mehr wissen über die Therapien bei Depressionen. Zu viele Menschen bleiben immer noch allein mit der Erkrankung der Seele. Dabei ist wirksame Hilfe möglich. Lesen Sie, wie man eine Depression erkennt, behandelt und wer in schweren Zeiten Begleitung anbietet.



„Ich stand kurz davor, mir das Leben zu nehmen... jeder kann diese Hölle im Kopf erleiden, wenn alles pechschwarz wird." Direkt nach seinem Gold-Triumph in Sotschi sprach der Eisschnellläufer Stefan Groothuis über seine schwere Krise. Meist sind es Prominente, immer häufiger Leistungssportler, die das Thema Depressionen ins Rampenlicht rücken. Alle waren schockiert, als Nationaltorhüter Robert Enke Selbstmord beging. Man schaut hin, wenn Nicole Kidman, Angelina Jolie oder Robbie Williams über ihre Depression sprechen. Aber die große Mehrheit der Fälle bleibt nach wie vor im Dunklen.

Depressionen gehören zu den am meisten unterschätzten Erkrankungen. „Man kann sie zu den Volksleiden zählen“, sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Es sind häufige, schwere und oft lebensbedrohliche Erkrankungen, die jeden treffen können“. Ärzte und Institutionen setzen sich nachdrücklich für mehr Information über Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten ein, denn „entscheidend für die Motivation, aktiv zu werden, ist sicherlich die Überzeugung von der Behandelbarkeit der Erkrankung.“ (Stiftung Deutsche Depressionshilfe)


10 Fakten zur Seelenlage

  • In Deutschland leiden etwa 4 Millionen Menschen an einer depressiven Störung (Bundesministerium für Gesundheit). Weltweit sind schätzungsweise 121 Millionen Menschen betroffen.
  • Zehn Prozent der Bundesbürger erkranken einmal oder mehrmals in ihrem Leben an einer schweren depressiven Episode.
  • Von 100 erkrankten Menschen suchen derzeit nur etwa 35 professionelle Hilfe. Durchschnittlich vergehen 11 Monate, bevor Menschen mit Depressionen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
  • Junge Erwachsene zwischen 15 und 34 sind zunehmend von Angststörungen und Depressionen betroffen. Suizid als Folge einer Depression ist hier die zweithäufigste Todesursache.
  • Jeder zwanzigste Jugendliche erkrankt bis zu seinem 18. Lebensjahr an einer behandlungsbedürftigen Depression.
  • Frauen erkranken zwei bis drei Mal häufiger an Depressionen als Männer.
  • Psychische Krankheiten sind in Deutschland der mit Abstand häufigste Grund für Berufsunfähigkeit (Bundespsychotherapeutenkammer).
  • Fast 80 Prozent der Menschen sind noch immer der Überzeugung, dass Antidepressiva abhängig machen. Das ist durch Studien widerlegt.
  • Depressionen können heute gut behandelt werden und sind in den meisten Fällen heilbar, zumindest lassen sie sich in der Regel gut kontrollieren.
  • Jeder dritte Patient erleidet eine einmalige Depression und ist danach für den Rest des Lebens beschwerdefrei.

Wie entsteht eine Depression?

Selten gibt es eine einzige Ursache. Meist führt ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren zur Erkrankung - biologische, psychologische und soziale Ursachen spielen dabei zusammen. Die Forschung geht heute davon aus, dass während einer Depression der Stoffwechsel des Gehirns gestört ist. Das bedeutet: Die Botenstoffe für die Übertragung von Impulsen zwischen den Nervenzellen funktionieren nicht mehr richtig. Möglicherweise sind auch Stresshormone beteiligt und schließlich hat auch die genetische Veranlagung Einfluss darauf, ob ein Mensch dazu neigt, unter Belastungen depressiv zu erkranken.

Krankheiten wie Parkinson, Tumore, eine Schilddrüsenunterfunktion oder Hormonstörungen können am Entstehen einer Depression mitwirken. Ein einschneidendes Ereignis kann Auslöser sein wie der Tod einer nahestehenden Person oder auch der Verlust des Arbeitsplatzes. Der Mensch kann unter chronischer Überlastung zusammenbrechen und sogar augenscheinlich Erfreuliches wie eine bestandene Prüfung kann eine Depression auslösen. Beteiligt ist auch die Persönlichkeit, negativ angelegte Denkmuster und Probleme mit dem Selbstwertgefühl spielen häufig eine Rolle. Sehr oft kann auch keine direkte Ursache dingfest gemacht werden.


Schlechte Stimmung oder Krankheit?

Wir alle sind immer wieder einmal niedergeschlagen. Das gehört zu den allgemeinen Erscheinungen menschlichen Erlebens und kann auch banale Enttäuschungen des Alltags als Ursache haben. Eine vorübergehende Verstimmung kann auf mangelndem körperlichen Wohlbefinden beruhen. Auch Trauer als Reaktion auf einen Schicksalsschlag ist eine natürliche Erscheinung. Eine depressive Erkrankung lässt sich im Allgemeinen gut von normalen Stimmungsschwankungen durch eine einfache Frage abgrenzen: „Lässt sich die Traurigkeit in einen Lebenszusammenhang einordnen?“ Die Grenzen von der Verstimmung über einen längeren Zeitraum – Dysthymia genannt - zur leichten Depression sind fließend. Die Symptome depressiver Erkrankungen lassen sich aber von Anzeichen normaler Niedergeschlagenheit meist klar abgrenzen.


Symptome, die ernst zu nehmen sind

Eine Depression im medizinischen Sinne erfasst den gesamten Menschen in seinem Erleben und Verhalten, zusätzlich drückt sie sich auch in körperlichen Beschwerden aus.

Neben der gedrückten Grundstimmung können sich anhaltende Antriebsstörungen einstellen, ein bleierner Widerstand verhindert selbst kleinste Entscheidungen. Verloren geht die Fähigkeit, Freude zu empfinden, Gefühle der Hoffnungslosigkeit oder auch Gefühllosigkeit dominieren. Es bestehen Konzentrationsstörungen, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle, meist auch eine alles begleitende Angst und Beklemmung.

Im Verhalten stehen alle Zeichen auf Rückzug. Erkrankte vermeiden soziale Kontakte, stellen Hobbys ein, können ihre Arbeit nicht mehr bewältigen und schotten sich immer häufiger im Bett vom Alltag ab. Die Betroffenen sind oft nur schwer davon zu überzeugen, dass sie eine Krankheitsepisode durchleben, die in den meisten Fällen gut zu behandeln ist.

Körperlich drückt sich die Depression in Schlaflosigkeit mit frühem Erwachen aus, es kommt zu Appetitstörungen mit Gewichtsverlust, schneller Ermüdung und sexueller Apathie. Vielfältige Beschwerden treten auf, oft auch Schmerzen. Besonders problematisch an diesen Symptomen ist, dass sie häufig dazu beitragen, die Depression zu verschleiern, weil die körperlichen Beschwerden beim Arztbesuch im Vordergrund stehen.

Typisch sind Schwankungen des Befindens im Tagesverlauf. Nach ausgeprägten depressiven Symptomen im „Morgentief“ hellt sich die Stimmung gegen Abend häufig auf.



Was sagt der Arzt dazu?

Depressionen treten in der Regel in Phasen, sogenannten „Episoden“ auf, die häufig auch ohne Behandlung nach durchschnittlich sechs bis acht Monaten wieder abklingen können. Es besteht aber eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es nicht bei einer Krankheitsepisode bleibt. Bei rund 50 Prozent der Patienten kommt es zu einer weiteren depressiven Phase, danach erhöht sich das Wiederholungsrisiko auf 70 Prozent und nach der dritten Episode sogar auf 90 Prozent. 

Eine depressive Erkrankung kann bei den meisten Menschen vollständig geheilt werden. Bei manchen Patienten bleiben Reste der Symptome bestehen, andere Erkrankungen entwickeln sich auch chronisch. Grundsätzlich unterscheidet man folgende wichtige Diagnosen:

Die Unipolare Depression zeichnet sich durch ausschließlich depressive Episoden aus, die Wochen oder Monate andauern können, wenn sie nicht konsequent behandelt werden.

Die Bipolare affektive Störung liegt vor, wenn Patienten nicht nur depressive, sondern auch manische Episoden mit gesteigertem Tatendrang, gehobener Stimmung, fehlendem Schlafbedürfnis, häufig auch einem Kaufrausch erleben.

Die Dysthymie ist keine Depression im eigentlichen Sinne, sondern „nur“ eine depressive Verstimmung, die unbehandelt allerdings über mehrere Jahre anhalten kann und in diesem chronischen Verlauf einen beträchtlichen Leidensdruck ausübt.

Winterdepression: Die Krankheitsanzeichen einer echten Winterdepression sind eine Mischung aus Freudlosigkeit, Interessenlosigkeit, gesteigertem Schlafbedürfnis und Heißhunger-Attacken. Zudem können auch körperliche Beschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Herzrasen oder Hitzewallungen auftreten. Die echte Winterdepression tritt bei den Betroffenen jedes Jahr auf.

In jedem Fall trägt eine frühzeitige Diagnose und Therapie dazu bei, die Lebensqualität zurück zu gewinnen und auch den Körper vor weiterem Schaden zu schützen: Menschen mit Depressionen haben beispielsweise ein mehrfach höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden.

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Depression ist behandelbar. Hoffnung und Energie helfen dabei

Die Grundpfeiler in der Therapie einer Depression sind die Behandlung mit Antidepressiva und die Psychotherapie. Die medikamentöse Behandlung gilt inzwischen als unverzichtbares und wirksames Heilverfahren. Antidepressiva beeinflussen die Botenstoffe im Gehirn und machen entgegen vieler Vorurteile und im Gegensatz zu Beruhigungs- und Schlafmitteln nicht abhängig.

Bei den psychotherapeutischen Verfahren hat sich die sogenannte „kognitive Verhaltenstherapie“ besonders bewährt. Dabei geht es um Hilfe zur Selbsthilfe, wie beispielsweise um die Strukturierung des Tages, den Aufbau angenehmer Aktivitäten, aber auch um die Veränderung negativer Einstellungen und automatischer Gedanken, die bei Depressionen meist auftreten.

Ergänzend zu Medikamenten und Psychotherapie stehen weitere Therapieverfahren zur Verfügung wie Schlafentzug, Elektrokrampftherapie und die Lichttherapie, die aber hauptsächlich bei der kleinen Gruppe der saisonal abhängigen Depressionen zum Einsatz kommt.


Helfen zu helfen - was Angehörige und Freunde tun können

Die erste und wichtigste Unterstützung, die Sie einem nahestehenden Menschen mit Depression erweisen können, ist: Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung und ziehen Sie den Arzt zu Rate! Gut gemeinte Ratschläge und Appelle – „nimm dich mal zusammen!“ - zielen im besten Fall ins Leere, wenn sie nicht Schlimmeres anrichten. Nehmen Sie stattdessen professionelle Hilfe in Anspruch, auch für sich selbst. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hilft zum Beispiel mit einem umfassenden Beratungsangebot für Betroffene und Angehörige weiter unter www.deutsche-depressionshilfe.de.
 
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