Links überholen, rechts überholen – ist beides erlaubt?



Es gibt wohl kaum einen Autofahrer, der sich nicht schon mal über den frechen Fahrer – der rechts an einem vorbeirauscht – geärgert hat. Da wünscht man sich eine Polizeistreife, die ihn anhält und er dafür richtig zur Kasse gebeten wird. Aber liegt man damit immer richtig – darf tatsächlich immer nur links überholt werden?

Laut Verkehrsrecht darf auf den Straßen grundsätzlich nur links überholt werden. Es gibt jedoch Ausnahmeregelungen, bei denen Rechtsüberholen unter bestimmten Umständen erlaubt ist. Welche dies sind, weiß der Partneranwalt von ROLAND Rechtsschutz, Kai Solmecke von der Siegburger Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte.



Der Standort macht den Unterschied – Überholen außerhalb des Ortsgebiets

Außerorts überholt man grundsätzlich links. Ausnahmen bilden Stau und stockender Verkehr. In diesen Situationen ist es erlaubt, mit geringfügig höherer Geschwindigkeit – bis ca. 20 Stundenkilometer schneller – auch rechts zu überholen. Ein weiterer Sonderfall ist der Kolonnenverkehr: Stößt man außerorts auf einer zweispurigen Straße auf eine Fahrzeugkolonne mit einer maximalen Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde, darf ebenfalls vorsichtig und nur mit wenig höherer Geschwindigkeit rechts überholt werden. Auch im Bereich wegweisender Schilderbrücken über der Fahrbahn ist ein Überholen von rechts erlaubt, wenn die nach rechts abzweigende Fahrbahn beibehalten wird.


... und innerhalb des Ortsgebiets?

Mit Fahrzeugen unter einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen darf innerorts rechts vorbeigefahren werden, sofern mindestens zwei Spuren vorgegeben und markiert sind. Ausschließlich Fahrzeuge mit einem Gewicht ab 3,5 Tonnen müssen sich immer rechts halten, es sei denn, sie wollen links abbiegen und müssen sich entsprechend einordnen.


Rechtswidrig überholen kann teuer werden

Wird an Stellen rechts überholt, an denen es nicht erlaubt ist, handelt es sich laut Gesetz um Überholen im Überholverbot. Geahndet wird dies laut Bußgeldkatalog innerorts mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von 30 Euro. Rechtsüberholen außerorts zieht ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro sowie 1 Punkt in Flensburg nach sich. Aber es kann noch mehr passieren: Rechtsüberholen kann auch versicherungsrechtlich als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden. Sollte es zu einem Unfall kommen, kann der Versicherungsschutz entfallen und Schäden am eigenen Auto müssen selbst getragen werden.

Die Rechtstipps in diesem Artikel wurden Ihnen von der ROLAND-Rechtsschutzversicherung präsentiert.

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