Krisen und Verbrechen – Was tun im Ausnahmezustand?

App-Tipps der Polizei, um sich und seine Familie zu schützen


Deutschland ist nach wie vor ein sehr sicheres Land. Unwetterkatastrophen, Krisen, Gewalt und Terror sind bei uns bei Weitem nicht so präsent, wie in manch anderen Ländern. Folgt man der täglichen Berichterstattung in den Medien, kann einem aber der Gedanke kommen, dass sich wöchentlich neue Katastrophen, Unglücke oder Krisen ereignen und Gewalt immer mehr Einzug bei uns hält…

Bei der Sicherung von Leib und Leben, bei Angriffen oder Übergriffen auf Personen oder Gruppen, kommt die Polizei ins Spiel. Wie es um die Sicherheit hierzulande steht, was jeder Bürger zu seinem eigenen Schutz unternehmen kann und was genau die Aufgaben der Polizei sind, wie sie sich von anderen Hilfs- und Einsatzkräften unterscheiden, weiß Kriminalhauptkommissar Wolfgang Baldes, Pressesprecher des Polizeipräsidium Köln. Wolfgang Baldes ist bereits seit 34 Jahren bei der Polizei, hat unterschiedlichste Stationen durchlaufen und kennt sich bestens in allen Belangen aus. Sein Hauptaufgabengebiet ist die Krisenkommunikation.

Herr Kriminalhauptkommissar Baldes, man hat den Eindruck, dass sich fast wöchentlich neue Katastrophen oder andere Krisen ereignen. Häufen sich tatsächlich solche Situationen – oder kommt uns das durch die Medienpräsenz und Nachrichten in sozialen Netzwerken nur so vor? 



Kurz gesagt: Ja, die Medienlandschaft und die Berichterstattungen haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Begonnen hat dieser Trend zur breiteren Darstellung von Ereignissen in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, mit der Einführung der privaten Fernsehsender. Bereits damals hatte man das Gefühl, dass sich viel mehr ereignet als zuvor. Die Entwicklung steigerte sich zudem in den letzten zwei Jahren, durch die intensive Nutzung von Facebook, YouTube, Twitter etc. in der Bevölkerung. Dadurch haben Krisen ein neues Gesicht bekommen – sie werden in Echtzeit übertragen und konsumiert. Das Gefühl, dass immer mehr passiert, ist mit Sicherheit da – sieht man sich jedoch die Zahlen und die Realität an, ist dies nicht der Fall. 



Welche Gefahren, Krisen und Katastrophen sind zurzeit die wahrscheinlichsten und was rät die Polizei, um sich davor zu schützen?

Hier muss gleich zu Beginn klargestellt werden, dass Katastrophen – zum Beispiel Umwelt- oder Naturereignisse – nicht primäre Aufgabengebiete der Polizei sind. Wie man sich auf derartige Lagen vorbereitet und welche Schutzmaßnahmen man ergreifen kann, weiß das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK). Daher rät die Polizei, sich an die Hinweise, Warnungen und Ratschläge dieses Amtes zu halten.

Im Polizeibereich sind es die persönlichen Gefahren, über die man sich Gedanken machen sollte. Die Polizei leistet viel präventive Aufklärungsarbeit rund um alltägliche Gefahren, bei denen mehr Menschen zu Schaden kommen als in Katastrophensituationen. Aus unserer Sicht ist es sehr wichtig, sich vor diesen Gefahren zu schützen. Wirkungsvoller Schutz beginnt mit der individuellen Gefahrenbeurteilung im Privat- und Arbeitsbereich. Wichtig ist es, sich bewusst zu machen, welche Gefahren im Alltag lauern. Ich meine damit die Risiken von der Teilnahme am Straßenverkehr als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer bis hin zum richtigen Verhalten, damit man wirkungsvoll verhindert, Opfer eines Einbruchs, eines Taschendiebstahls oder eines Überfalls zu werden, um nur einige Beispiele zu nennen.


Wie definiert die Polizei Not- und Krisensituationen und welche Rolle spielt sie in diesen Fällen? Welche Behörden oder sonstigen Kräfte sind dabei noch involviert?

Wenn wir von den Großschadenslagen reden wie zum Beispiel dem Einsturz des historischen Archivs in Köln, dann gibt es zwei Bereiche der Gefahrenabwehr – die polizeiliche und die nichtpolizeiliche (Kommune, Feuerwehr). Die beteiligten Rettungskräfte – THW, Feuerwehr, Rotes Kreuz, Katastrophenschutz – sind dazu da, die Krisensituation zu bewältigen. Die Polizei unterstützt sie dabei, beispielsweise indem sie die Rettungswege freihält und die Bevölkerung in Abstimmung mit den anderen Behörden, Institutionen und Rettungsdiensten gezielt informiert. Rein polizeiliche Zuständigkeiten für die Bewältigung von Einsatzlagen ergeben sich beispielsweise bei einer Geiselnahme mit allen Facetten einer möglichen Beendung der Bedrohungssituation, von der gewaltfreien Lösung bis hin zum Einsatz von Spezialeinheiten.

Überfälle und ähnliches sind keine Erscheinung unserer Zeit – heute kann jedoch durch Mobiltelefone, Internet etc. schneller und effektiver Alarm geschlagen werden. Sind Sie der Meinung, das schreckt Kriminelle ab? Welche Präventionstipps können Sie uns verraten, damit es erst gar nicht zu solchen Situationen kommt?

Die Nutzung des Mobiltelefons ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist sie hilfreich, um im Fall der Fälle schneller Hilfe holen zu können oder Beweisfotos zu machen, andererseits sind Smartphones ein begehrtes Beutegut und können einen Überfall erst provozieren. Heutzutage schreckt ein Mobiltelefon Kriminelle nicht mehr ab. Bei einem möglichen Angriff oder Überfall ist es nach wie vor das Beste, sich verbal laut, mit breiten Schultern und selbstbewusst zu zeigen.

Sollte ein Verbrechen beobachtet werden – und man läuft nicht Gefahr, darin verwickelt zu werden – sind Fotos und ein Anruf bei der Polizei sehr wichtig und hilfreich. Wird man selbst überfallen und es gelingt noch, die Notrufnummer zu wählen, sollte man die Verbindung nicht beenden, sondern weiterlaufen und der Polizei die wichtigen Informationen übermitteln, so z.B. den eigenen Standort und das, was gerade passiert.

Apps gibt es mittlerweile ja schon für alles. Können Sie uns sinnvolle Apps empfehlen, die vor Krisen- oder Notsituationen warnen oder im Ernstfall helfen können?

In Bezug auf Krisen- und Notfallsituationen gibt es derzeit zwei bekannte Applikationen. Das sind NINA und Katwarn. Beide Apps warnen vor Gefahren- und Krisensituationen, sind kostenlos und leiten Informationen in Bezug auf zum Beispiel Hochwasser, Unwetter, Großbrände oder andere Gefahrensituationen direkt von den verantwortlichen Stellen auf die Smartphones der registrierten Nutzer weiter.

Darüber hinaus enthalten sie generelle Notfalltipps von Experten des BBK mit Verhaltenshinweisen und Empfehlungen, wie man sich auf bestimmte Ereignisse (wie z. B. Hochwasser oder Unwetter) vorbereiten, sowie sich und andere in einer Gefahrensituation schützen kann. Für Situationen, in denen man allein in der Stadt unterwegs ist und von einem mulmigen Gefühl begleitet wird, hat AXA in Kooperation mit der Polizei Köln die App WayGuard entwickelt. Dabei ist die App als digitaler Begleiter dabei und gibt das gute Gefühl, nicht allein zu sein.

Sie erkennt die genaue Position des Nutzers und übermittelt diese in Echtzeit verschlüsselt an einen Freund oder eine ISO-zertifizierte Leitstelle, die gezielt professionelle Hilfe organisiert. Die App WayGuard kann einen Überfall zwar nicht verhindern, aber dafür sorgen, dass im Fall der Fälle durch die GPS-Übermittlung Hilfe schneller bereitsteht. Die App enthält darüber hinaus spezifische Tipps zur Prävention zum Beispiel wie man seinen Heimweg richtig plant oder aufdringliche Personen durch selbstbewusstes Auftreten abschreckt.

Mehr Sicherheit mit Informations- und Warnsystemen am Smartphone

Informieren Sie sich über die ganz einfach zu installierenden Warnsysteme, die Sie unterstützen können und im Ernstfall mit wichtigen Informationen versorgen:
  • Die Begleit-App WayGuard wurde von der AXA Versicherung entwickelt und ist seit Oktober 2016 für Android oder iOS kostenfrei als App verfügbar. WayGuard ist der Begleiter im Großstadtdschungel und hilft dabei, dem mulmigen Gefühl die Stirn zu bieten. Und wenn doch etwas passiert: Im Ernstfall geht der Notruf zur Polizeileitstelle, die durch den WayGuard den genauen Standort kennt und somit ohne Zeitverlust zur Hilfe schreiten kann. Wenn gewünscht, kann sich der User über die App auch mit einem privaten Begleiter aus dem Freundes- oder Familienkreis verbinden, der den genauen Aufenthaltsort ebenfalls sieht. Mit ihm kann der User zusätzlich chatten oder telefonieren. Ist er am Ziel angekommen, wird der Begleiter direkt darüber benachrichtigt. Durch die Leitstelle bietet WayGuard rund um die Uhr eine Begleitoption, auch wenn Freunde gerade nicht erreichbar sind. Hier finden Sie mehr zu Wayguard.
  • Katwarn wurde vom Fraunhofer-Institut FOKUS im Auftrag der öffentlichen Versicherer Deutschlands entwickelt und ist seit 2009 an verschiedenen Standorten in Deutschland im Einsatz. Im Unglücksfall, z. B. bei Großbränden, Stromausfällen, Bombenfunden oder Wirbelstürmen, senden die verantwortlichen Katastrophenschutzbehörden, Feuerwehrleitstellen oder Unwetterzentralen über KATWARN Warnungen direkt und ortsbezogen auf die Mobiltelefone. Der Deutsche Wetterdienst nutzt die Smartphone-App von KATWARN für bundesweite Unwetterwarnungen ab Warnstufe rot. KATWARN bietet damit zusätzlich zu Lautsprecheransagen, Sirenen und Rundfunk Informationen, die lebenswichtig sein können. Katwarn können Sie hier herunterladen.
  • Mit der Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kurz Warn-App NINA, können Sie wichtige Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes für unterschiedliche Gefahrenlagen wie zum Beispiel Gefahrstoffausbreitung oder einem Großbrand erhalten. Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserinformationen der zuständigen Stellen der Bundesländer sind ebenfalls in die Warn-App integriert. Alles über NINA erfahren Sie hier.


Zum Abschluss würden wir gerne noch von Ihnen wissen, wie Sie sich als Profi persönlich vor Katastrophen und Notsituation schützen und welche Maßnahmen Sie zu Ihrem Schutz und dem Schutz Ihrer Familie bereits ergriffen haben? 

Für Katastrophensituationen weiß ich, wo ich gezielt die Informationen bekomme, die ich in der jeweiligen Situation benötige. Das ist in meinen Augen schon mal ein wichtiger Schritt, um nicht völlig unvorbereitet zu sein. In Bezug auf größere Krisen und Katstrophen sollte man auf die Informationen und Ratschläge des Bundesministeriums für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vertrauen und sich daran halten.

Im Alltag versuche ich, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und achte auf untypische Situationen wie z.B. plötzliches Gedränge, für das es keinen wirklichen Grund gibt. Das gehört oft zur Masche von Dieben, um Verwirrung zu stiften und die Opfer abzulenken. Das gebe ich auch meiner Familie mit. Gerade in Situationen, die alltäglich sind, wenn man zum Beispiel nach der Uhrzeit oder dem Weg gefragt wird, sollte man wachsam sein. Keinesfalls das Smartphone herausholen um die Zeit abzulesen, genau darauf könnte es der Täter abgesehen haben. Auch die Handtasche hat nichts auf dem Beifahrersitz zu suchen, die unverschlossene Beifahrertür ist schnell aufgerissen und dann ist entweder die Tasche weg oder das Auto, wenn man dem Dieb schnell nachrennen möchte und das Auto nicht abschließt. Kurz gesagt: Allen Situationen, die nicht alltäglich sind, sollte man skeptisch gegenüberstehen.

Vielen Dank, Herr Baldes für diese Tipps und aufschlussreichen Informationen, die unser aller Leben vielleicht ein wenig sicherer machen können.

Um die wichtigsten Dinge auf den Punkt zu bringen: Fünf Verhaltenstipps, wie man sich in einer Notsituation richtig verhält!

Die wichtigsten Tipps der Polizei beziehen sich auf das Verhalten bei Überfällen, bzw. wie man sich im Vorfeld dagegen schützen kann:
  • Beschäftigen Sie sich im Vorfeld mit der Frage „Was wäre wenn?“ zum Beispiel beim nächtlichen Nachhauseweg. Wo könnte mir jemand auflauern? Suchen Sie sich gedanklich „Rettungsinseln“, wo Sie im Falle des Falles Hilfe bekommen können. Wählen Sie immer gut ausgeleuchtete Wege – auch mit dem Fahrrad.
  • Setzen Sie sich in der Nacht in Bus oder Bahn möglichst vorne neben den Fahrer.
  • Sollten Sie sich verfolgt fühlen, gehen Sie im rechten Winkel über die Straße, so muss Ihnen der vermeintliche Verfolger direkt folgen, dadurch haben Sie Gewissheit, dass Sie verfolgt werden und können Hilfe suchen.
  • Bei einem Übergriff sollten Sie laut werden und den Angreifer per „Sie“ ansprechen, eventuell mit dem Handy Hilfe über App oder 110 Hilfe holen.
  • Setzen Sie kein Pfefferspray oder ähnliches ein – ohne Übung und Training könnte das nicht klappen und in den Händen des Täters könnte das, was Schutz geben soll, gegen Sie verwendet werden.


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