Was Eltern über Ernährung wissen, hält Kinder gesund

Die Ernährung in den ersten Jahren stellt die Weichen fürs Leben. Das ist eine Aufgabe für Eltern, die gar nicht so leicht ist im Dschungel von Informationen und immer neuer vielversprechender Produkte.



Viele junge Eltern sind alarmiert. Schon mit acht Jahren sind 20 Prozent der Kinder zu dick und der jüngste Typ 2 Diabetiker ist ein fünfjähriger Junge. Insgesamt sind in Deutschland 1,7 Millionen Kinder übergewichtig, jedes siebte Kind bringt zu viele Kilos auf die Waage. (Quelle: KIGGS Kinder und Jugend Gesundheitssurvey des Robert Koch Instituts). Der Babyspeck hat schwerwiegende Folgen: Experten schätzen, dass zirka 15 Prozent der übergewichtigen Säuglinge zu dicken Erwachsenen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass auch Kinder heute immer mehr sitzen statt hüpfen und laufen: Schulkinder sehen im Durchschnitt zwei Stunden pro Tag fern und haben mit rund 30 Minuten pro Tag nur halb soviel aktive Bewegung, wie die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Bewegungsmangel und falsche Ernährung sind die gravierenden Risikofaktoren für Übergewicht. Bei beiden gilt: Was Hänschen nicht lernt… Der Spaß an gesundem Essen und Bewegung wird in den ersten Jahren gelegt. Das ist eine große Verantwortung für Eltern. Wie machen wir es richtig? Die Oecotrophologin kennt sich aus und kann uns den Weg zeigen.




Eine Schule, die Appetit auf Wissen macht.

Als praxisnahe Projekt der Deutschen Familienstiftung unterstützt die Familienschule Fulda junge Eltern und Kinder auf dem Weg in ein gutes Leben. Die richtige Ernährung gehört dazu. Uta Sekanina ist examinierte Kinderkrankenschwester und Diplom Oecotrophologin (FH) und berät Eltern bei der richtigen Kinder-Ernährung von Einführung der Beikost bis zum dritten und vierten Lebensjahr. Es sind interessante und lebensnahe „Schulstunden“, weil die Beratung in der lockeren Atmosphäre der Eltern-Kind-Spielgruppe stattfindet und das Wissen sehr praxisnah vermittelt werden. Uta Sekanina gibt uns einen Vorgeschmack:


Oecotrophologie. Klingt akademisch, ist aber sehr praktisch. Liebe Frau Sekanina, was macht eigentlich eine Oecotrophologin?

Die Oecotrophologie beschäftigt sich mit der Wissenschaft vom Haushalt und von der Ernährung. Eine Oecotrophlogin beantwortet unter anderem Fragen im Zusammenhang mit einer ausgewogener Ernährung oder ernährungsbedingten Krankheiten. Sie kennt die speziellen Bedürfnisse in den verschiedenen Lebensabschnitten und informiert nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit der Beurteilung und Sicherung der Qualität von Lebensmitteln, aber auch mit der Organisation von Haushalten und Gemeinschaftsverpflegung.


Ganz konkret gefragt als junge Mutter: Ab wann soll ich mit der Umstellung auf Beikost beginnen?

Zwischen dem fünften und siebten Monat sendet Ihr Kind Signale aus. Die Händchen wandern vermehrt in Richtung Mund, werden stark belutscht und bekaut, das Baby fängt an zu speicheln. Darüber hinaus schaut es Ihrem Löffel und Ihrer Gabel hinterher, Sie beobachten eine gute Kopfhaltung und die üblichen Abstände zwischen den Mahlzeiten werden kürzer. Dann können Sie mit der Beikost beginnen.


Wie sollte die erste Breimahlzeit aussehen?

Der erste Brei, ein reiner Gemüsebrei, sollte schwer vom Löffel tropfen, weich und glatt gerührt ohne Klümpchen sein. Sie sollten die Mahlzeit nach der eigentlichen Still- oder Flaschenmahlzeit geben, damit Ihr Baby satt und gut gelaunt ist, um neugierig auf den neuen Geschmack und den fremden Löffel eingehen zu können. Welches Gemüse Sie geben, ob Sie selbst kochen oder Fertigbreie kaufen, entscheidet Ihre persönliche Vorliebe. Sie können gerne mit Frühkarotten angefangen, weil der süße Geschmack von den Babys gut angenommen wird. Genauso gut sind allerdings auch Pastinake, Kürbis und Broccoli.


Wie viel muss mein Kind trinken und was ist am besten?

Beginnen Sie mit der Einführung der ersten Breimahlzeit auch damit, das Trinken zu üben. Schlückchenweise wird sich Ihr Kind an das Trinken aus dem offenen Becher gewöhnen. Legen Sie zum ersten Üben beispielsweise einen leeren Plastikbecher in die Spielkiste. Ideale Durstlöscher sind Wasser, Mineralwasser ohne Kohlensäure und ungesüßte Tees. Diese Getränke dürfen Sie den ganzen Tag zwischendurch geben. Kinder, die von Anfang an gewöhnt sind Wasser zu trinken, werden auch später gerne Wasser trinken. Bleiben Sie gelassen, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind zu wenig trinkt – Sie stillen ja noch zu oder zwischen den Mahlzeiten stillen oder geben die Flasche. Erst mit der Einführung der dritten Breimahlzeit zählt die Flüssigkeitsmenge aus der Tasse. Jetzt braucht ihr Kind regelmäßig 200ml am Tag zu den Mahlzeiten und zwischendurch.


Ab wann können Kinder am Tisch mitessen?

Etwa ab dem 10. Lebensmonat ist Ihr Kind in der Lage, am Familientisch mitzuessen. Aus den vier gleich großen Mahlzeiten werden drei Haupt- und zwei Zwischenmahlzeiten. Gegen Ende des ersten Lebensjahres verträgt Ihr Kind fast alles. Mit Lebensmitteln wie Johannisbeeren oder Nüssen, die beim Schlucken in die Luftröhre gelangen könnten, sollten Sie noch etwas warten. Achten Sie noch darauf, das Essen nicht zu stark zu salzen. Viele Kinder können bereits mit einem Jahr aus einem offenen Becher trinken, spätestens mit etwa 18 Monaten. Jetzt sollten Sie etwa 400ml Wasser am Tag zu und zwischen den Mahlzeiten anbieten.


Wie viel und wie oft darf mein Kind Süßigkeiten haben?

Legen Sie von Anfang an Regeln für das Naschen fest. Einmal am Tag dürfen Süßigkeiten beispielsweise nach dem Mittagessen gegessen werden oder „Nutella gibt es nur am Wochenende“. Nehmen Sie die Hand des Kindes als Maß für die Menge der Süßigkeit. Was an Süßigkeit in die Größe der Hand ihres Kindes passt, sollte genügen.


Braucht mein Kind die speziell im Handel angebotenen Kinderlebensmittel?

Kinder brauchen keine extra Kinderlebensmittel mit häufig beworbenen, „zusätzlichen Nährstoffen“. Diese enthalten oft zu viel Zucker oder Fett. Kinderlebensmittel sind Süßigkeiten und sollten von Ihnen klar als Süßigkeit gegeben werden und nicht als Zwischenmahlzeit oder sogar Hauptmahlzeit. Fruchtgummis mit der Aufschrift „ohne Fett“ enthalten beispielsweise kalorienreiche 76 Prozent Zucker.


Mein Kind isst nicht, was kann ich tun?

Je mehr Sie aus Sorge um die gesunde Ernährung Ihres Kindes drängen, umso weniger will Ihr Kind. Es unterscheidet nicht zwischen gesund und ungesund. Phasenweise essen viele Kinder einseitig. Das ist normal und gehört zur kindlichen Entwicklung dazu. Solange Ihr Kind aktiv ist, brauchen Sie sich nicht allzu viele Gedanken zu machen. Bleiben Sie gelassen und bieten Sie abwechslungsreiche Speisen an. Lassen Sie ihr Kind entscheiden, wann und wie viel es isst und lassen Sie es bei der Zubereitung helfen. Eine selbst geschnittene und angerichtete Gurke schmeckt einfach besser. Richten Sie einen bunten Rohkostteller mit mundgerechten Gemüsestreifen und –würfeln an, Kinder bevorzugen häufig Rohkost anstatt gekochtes Gemüse. Essen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind am Tisch, dann schmeckt es oft besser. Beenden Sie die Mahlzeit, wenn es aufstehen möchte und machen Sie ihm aber klar, dass es dann auch nichts mehr zu essen gibt. Eine gesundheitliche Gefährdung durch Untergewicht liegt erst vor, wenn Ihr Kind sich nicht altersgemäß entwickelt, Wachstumsstörungen auftreten oder es oft krank wird. Lassen Sie Ihr Kind regelmäßig untersuchen und fragen Sie bitte Ihren Arzt auch, wenn Sie sich unsicher fühlen.

Vielen Dank, Frau Sekanina, für so viele praktische Auskünfte und Anregungen!

„Starke Kinder brauchen glückliche und zufriedene Eltern für ein unbeschwertes Aufwachsen“, dafür steht die Familienschule Fulda eine Einrichtung der Deutschen Familienstiftung

Die Familienschule Fulda ist ein Ort, wo Eltern Antworten auf ihre Fragen bekommen, Kontakte knüpfen und hilfreiche Kurse von Geburtsvorbereitung über Eltern-Kind-Gruppen bis hin zu Selbsthilfe-Gruppen finden können. Neben dem genau auf die Bedürfnisse von werdenden und “jungen” Eltern abgestimmte Kursangebote, können die Eltern Sicherheit und Klarheit im eigenen Vorgehen, sowie Familien- und Partnerschaftsstärkende Anteile wie Alltagsgestaltung, Selbstpflege, Stress- und Zeitmanagement und verlässliche Unterstützung bei Problemen erhalten. Hier geht es direkt zur Familienschule Fulda.


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