Verträge im Fitness-Studio – wir machen Sie rechtlich fit!

Der Fitness-Markt boomt. 8,6 Millionen Personen sind deutschlandweit in einem Fitness-Studio angemeldet. Somit trainiert ungefähr jeder zehnte Deutsche in einem der fast 8.000 Fitnessanlagen. Aber besuchen wirklich alle regelmäßig das Studio oder haben sie sich nur einmal angemeldet und zahlen jetzt brav die Beiträge, obwohl sie das Angebot, für das sie gutes Geld hinlegen, kaum bis gar nicht nutzen? Eine Umfrage im Jahr 2012 ergab, dass nur ca. die Hälfte der Mitglieder regelmäßig trainiert. Bei Verträgen, die zumeist über ein Jahr geschlossen werden, ist dies ein teures Vergnügen, wenn der Trainingseifer nachlässt und nur noch die Geldbörse dünner wird. 



Somit sind die Verträge oft eine bittere Pille an Fitness-Studios – denn die Kündigung der Mitgliedschaft ist nicht so einfach. Der Partneranwalt von ROLAND Rechtsschutz, Dr. Thomas Hilb aus der Kanzlei MHC Dr. Hilb & Collegen, erklärt, was vor und beim Training im Fitness-Center zu beachten ist.




Immer wieder das Kleingedruckte ...

Das Probetraining ist absolviert und man ist voller Tatendrang – und schon hält man den Vertrag in der Hand. In dieser Situation sollte man sich ein wenig einbremsen und sich Zeit für die Entscheidung und die Unterschrift lassen. „Viele Interessierte schließen leichtfertig einen Vertrag ab, ohne die Einzelheiten zu berücksichtigen“, weiß Dr. Thomas Hilb. Wer sich zu einem Vertrag mit einer langen Laufzeit entschließt, bereut diese Entscheidung schnell, wenn das Fitness-Studio auf den ersten Blick mehr versprochen hat, als es später hält – oder die Lust am Training bald nachlässt.

Ist der Vertrag einmal unterschrieben, ist es schwierig, vorzeitig aus der vertraglichen Bindung herauszukommen. „Ein Vertrag mit kürzerer Laufzeit ist einer langfristigen Mitgliedschaft in jedem Fall vorzuziehen, selbst wenn die Monatsbeiträge dann höher ausfallen“, so der Rechtsanwalt. Auch vor versteckten Verlängerungsklauseln warnt Dr. Thomas Hilb. Oft arbeiten Fitness-Clubs mit sogenannten stillschweigenden Verlängerungen. Sofern der Kunde nicht aktiv kündigt, verlängert sich der Vertrag dann unter Umständen jeweils um mehrere Monate. „Sportinteressierte sollten das Kleingedruckte deshalb immer aufmerksam lesen und gegebenenfalls frühzeitig kündigen.“


Wer verhandelt ist im Vorteil – die Möglichkeit vertraglicher Sonderregelungen

Ein weiterer Tipp vom Rechtsanwalt: Es lohnt sich, vor Vertragsabschluss beim Betreiber nach einer individuellen Regelung zu fragen. So kann man in manchen Studios beispielsweise in den Sommermonaten den Vertrag vorübergehend aussetzen, um das Sportprogramm wieder ins Freie zu verlegen. Wichtig ist hier jedoch, die speziellen Abmachungen im Vorfeld explizit schriftlich festzuhalten. „Solche Regelungen lassen sich nachträglich nur noch schwer in den Vertrag einarbeiten – und bedürfen zu ihrer Wirksamkeit der Zustimmung beider Vertragspartner.“


Mängel im Fitness-Center – wenn das Training zur Stolperfalle wird

Ist die Anmeldung abgeschlossen, steht dem Sportprogramm nichts mehr im Wege. Doch auch hier verbergen sich kleinere und größere Tücken. Verletzt sich ein Kunde zum Beispiel beim Training im Studio, muss die Ursache geklärt werden. Ist ein defektes Trainingsgerät der Grund für den Unfall, haftet das Fitness-Center. „Wurden die Geräte nicht ordnungsgemäß gewartet, kann der Sportler den Studio-Betreiber auf Schadenersatz verklagen“, so Rechtsanwalt Dr. Thomas Hilb. Das Gleiche gilt, wenn Kleidung und Wertgegenstände nicht sicher verwahrt werden können. Wird dann etwas gestohlen, muss der Betreiber für den Verlust geradestehen.


Muskelshirts verboten, Glasflaschen unerwünscht

Anderes Studio, andere Vorschriften – wenn es um die Kleiderordnung oder das Mitbringen von Getränken geht, hat jedes Fitness-Center seine hauseigenen Regelungen. So sind in vielen Fitness-Clubs zum Beispiel Glasflaschen oder das Tragen von Muskel-Shirts verboten. Der ROLAND-Partneranwalt erklärt: „Im Rahmen der Hausordnung darf der Betreiber seine eigenen Vorschriften aufstellen. Deshalb ist es ratsam, sich vor Vertragsunterzeichnung auch diese aufmerksam durchzulesen.“


Wie man vorzeitig aus einem Vertrag herauskommt

Viele Hobby-Sportler kennen das: Die Gründe, den Gang zum Sport nicht anzutreten, sind vielfältig. Die Möglichkeiten, den Vertrag vorzeitig zu kündigen, sind hingegen begrenzt. Wer bloß die Lust am Training verloren hat, kann die Mitgliedschaft nicht außerordentlich auflösen. Wird sportliche Betätigung aus gesundheitlichen Gründen zum Problem, kann ein Vertragsverhältnis jedoch vorzeitig beendet werden. Dazu zählen – je nach Einzelfall  – schwere Erkrankung, körperliche Beeinträchtigung und unter Umständen auch Schwangerschaft. „In diesem Fall muss der Kunde schnellstmöglich ein ärztliches Attest vorlegen. Weitere Nachweise wie etwa eine amtsärztliche Bescheinigung darf das Studio jedoch nicht verlangen“, betont Rechtsanwalt Dr. Thomas Hilb.

Die Kündigung muss der Kunde bis spätestens 14 Tage nach der Diagnose beim Studio einreichen. Grundsätzlich gilt: Wer seine Mitgliedschaft im Fitness-Center beenden möchte, sollte die Kündigung stets per Einschreiben an das Studio senden. „Noch besser ist sogar, wenn ein neutraler Bote – und damit ein Zeuge – die Kündigung einreicht. In jedem Fall sollte man sich den Empfang der Kündigung schriftlich bestätigen lassen.“

Übrigens: Ist das Sportprogramm im Fitness-Studio erforderlich, damit eine Krankheit heilt oder gelindert wird, kann man die Kosten sogar von der Steuer absetzen. Hier benötigen Kunden allerdings ein amtsärztliches Gutachten.

Rechtliche Hinweise
Die Artikelinhalte werden Ihnen von AXA als unverbindliche Serviceinformationen zur Verfügung gestellt. Diese Informationen erheben kein Recht auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Bitte beachten Sie dazu unsere Nutzungsbedingungen.